Den aktuellen Stand des Counter-Drone-Konzepts auf Basis der Waffenstation RS4 hat Kongsberg auf der Enforce TAC vorgestellt. In dem integrierten System zur Drohnenabwehr sind Sensoren, Effektoren und Feuerleitsoftware kombiniert.

In der mehrschichtigen Luftverteidigung wirkt ein Kontinuum an Sensoren und Effektoren gegen Bedrohungen aus der Luft in verschiedenen Höhen und Entfernungen. Dabei ergänzen sich idealerweise die Fähigkeiten der verschiedenen Systeme so, dass ein geschlossener Abwehrwall aufgebaut werden kann. Die stark zugenommene Bedrohung durch langsam und tief fliegende Drohnen in großer Anzahl erfordert neue Abwehrsysteme, insbesondere auf der „letzten Meile“ in unmittelbarer Nähe der zu schützenden Personen und Objekte.

Waffenstation RS4 von Kongsberg mit Sensoren für c-AUS. (Foto: Kongsberg)

Flytrap mit Waffenstation RS4

Die U.S. Army hat im November 2025 in Putlos unter dem Namen Flytrap 4.5 innovative Drohnenabwehrsysteme auf ihre Wirksamkeit geprüft. Unter den zahlreichen Teilnehmern war die weitverbreitete, fernbedienbare Waffenstation RS4, die mit Maschinengewehren in den Kalibern 7,62mm oder 12,7mm und Mittelkaliberwaffen sowie Raketenwerfern bestückt werden kann. Das typische Zielspektrum umfasst FPV-Drohnen, kleine UAV-Schwärme, Aufklärungsdrohnen und Loitering Munition (Kamikaze-Drohnen). Für Aufklärung und Zielzuweisung wird Flytrap vorzugsweise in andere Luftverteidigungssysteme wie NASAMS, NOMADS oder Skyranger 30 eingebunden. Kongsberg liefert das Command-and-Control-System (C2), das die Drohnenabwehr-Anlage mit den anderen Luftverteidigungssystemen verbindet.

Eigene Radar- oder elektro-optische Sensoren übernehmen Ziele aus der übergeordneten Luftlage oder erkennen Ziele selbstständig. Nach Identifizieren und Klassifizieren der Bedrohung schaltet der Protector-Bediener auf das Ziel auf und bekämpft es.

Drohnenabwehr mit RS4

Firmeneigene Versuche haben ergeben, dass 7,62mm-MG gegen Klasse 1-Drohnen besonders effektiv sind, Klasse 2-Drohnen können besser mit 12,7mm-MG (Mehrzweckmunition) bekämpft werden. Ziele in Entfernungen bis etwa 1.000 Meter liegen in der Reichweite der Waffen. Durch die exakten Zieldaten reichen in der Regel kurze Feuerstöße, um die relativ kostengünstigen Ziele mit wenig Aufwand zu neutralisieren.

Zu den ersten Anwendern der RS4 als Drohnenabwehrsystem gehören die Niederlande, Norwegen und die USA. Deutschland integriert eine Variante in ASUL, das 2022 eingeführte „Abwehr-System kleine unbemannte Luftfahrzeuge“. Zudem hat die Bundeswehr zahlreiche Waffenstationen RS4 für die Ausstattung der Transportpanzer neuer Generation Patria 6×6 bestellt.

Kongsberg will das System in der zweiten Jahreshälfte in der Schweiz und später in Norwegen vor Fachpublikum präsentieren. Dabei wird neben der Neubeschaffung von RS4-Systemen die Nachrüstung vorhandener Waffenstationen ein Thema sein.

Gerhard Heiming