Mit der Taufe eines autonomen Unterwasserfahrzeugs (AUV) vom Typ GREYSHARK in der neuen Variante mit Brennstoffzelle bieten zwei deutsche mittelständische Technologieträger eine Lösung, um maritime Dauerpräsenz unter Wasser operativ in die Breite zu tragen. In Anwesenheit des Maritimen Koordinators der Bundesregierung präsentierten EUROATLAS und EvoLogics ein System, das durch skalierbare Automobil-Technologie und wochenlange Ausdauer den Schutz kritischer Unterwasserinfrastruktur grundlegend verändern soll.
GREYSHARK Foxtrot: Die Automobil-Brennstoffzelle als Schlüssel zur Unterwasser-Dauerpräsenz
Am 11. März stand der Ostsee-Yachthafen Damp im Zeichen der maritimen Sicherheit. Dr. Christoph Ploß, Maritimer Koordinator der Bundesregierung, ließ sich über die neueste Generation autonomer Unterwassersysteme informieren. Ein anderer Programmpunkt war die Taufe des ersten GREYSHARK Foxtrott, der ersten Brennstoffzellen-Variante, auf den Namen „Franzi“ von der Assistentin des Politikers, Annika Einhorn. Der kleine Festakt war mehr als eine klassische Schiffstaufe. „Franzi“ könnte die Antwort auf die Forderung nach technologischer Souveränität des zunehmend umkämpften Raumes unter Wasser und am Meeresboden liefern. Dr. Ploß betonte während seines Besuchs, dass innovative Systeme wie GREYSHARK essenziell seien, um ein lückenloses Unterwasserlagebild zu erstellen und Sabotageakte an Pipelines, Unterseekabeln und Offshore-Windparks frühzeitig zu detektieren.

Der technologische Sprung – 16 Wochen Autonomie
Bei den Seeversuchen in der Kieler Bucht im November 2025 noch die batteriebetriebene „Bravo“-Variante (ca. 6,5 Meter Länge, 3,5 Tonnen) im Fokus. Sensor-Integration, Autonomie und Motor standen auf der Checkliste. Nun beginnt „Franzi“ seine Tests, bei denen die technische Reife des Brennstoffzellen-Systems auf dem Prüfstand steht.
Der gegenüber der Bravo-Variante etwa 1,5 Meter längere Typ Foxtrot markiert einen Technologiesprung in mehrfacher Hinsicht. Das System nutzt einen emissionsfreien Wasserstoffantrieb, der auf einer industriell ausgereiften Brennstoffzelle aus der Automobilindustrie basiert. Sie ermöglicht eine wirtschaftliche Serienfertigung. Und gewährt laut den Herstellern rechnerisch beispiellose Einsatzzeiten von bis zu 16 Wochen und bei einer Geschwindigkeit von vier Knoten Reichweiten von über 8.000 Seemeilen. Wobei das strömungsoptimierte bionische Design sein Übriges tut. „Franzi“ und ihre Schwestern haben das Zeug, die etablierten Vergleichsmaßstäbe im AUV-Bereich zu verschieben. Und dies nicht nur dank des Antriebs.

Strategische Dimension: Seabed Security und Lagebild
Vor dem Hintergrund hybrider Bedrohungen, manipulierter Pipelines und des gewachsenen Bewusstseins um die Gefahren ist die permanente Kontrolle über den Meeresboden zu einer strategischen Notwendigkeit geworden. GREYSHARK schließt hier konzeptionell die Lücke zwischen Systemen kurzer Reichweite und teuren, strategischen Extra Large UUVs (XLUUV). Ausgestattet mit hochauflösenden Synthetic Aperture Sonaren (SAS) erfasst das Fahrzeug den Seeboden über mehrere tausend Quadratkilometer. Mithilfe von KI werden die von unterschiedlichen Sensoren stammenden und fusionierten Daten direkt an Bord ausgewertet und zu einem integrierten Unterwasserlagebild verdichtet – eine Fähigkeit, die bei dieser Ausdauer bisher fast ausschließlich bemannten U-Booten vorbehalten war.

System-of-Systems
GREYSHARK agiert nicht isoliert. Neben dem Hauptsystem stellten EUROATLAS und EvoLogics in Damp auch kleinere autonome Plattformen vor, die künftig als vernetzte Systeme eingesetzt werden sollen. Durch das Zusammenspiel mehrerer Fahrzeuge – gestützt auf Onboard-Edge-Computing und fortschrittliche Unterwassernavigation und Unterwasserkommunikation – lassen sich große Seegebiete effizient überwachen und komplexe Missionen autonom durchführen. Damit wird das AUV von einem taktischen Werkzeug zu einer strategischen Komponente, die monatelang autonom in Operationsgebieten wie der Nord- oder Ostsee verbleiben kann.
Ein entscheidender Faktor für die Nutzung ist die Einbettung in bestehende Strukturen. GREYSHARK ist in der Lage relevante Informationen so zu verdichten, dass diese verschlüsselt per Unterwasserkommunikation in Command & Control Systeme integriert werden, um das Lagebild aufzubauen – zum Beispiel in die Rheinmetall Battlesuite. Aber auch in andere Führungssysteme wie True Ocean Plattform von North.io oder noch weiter bis zum C4I-System. Dies ermöglicht es, die gewonnenen Daten nahtlos in ein gemeinsames Lagebild zu überführen und im Sinne von „Multi-Domain Operations“ zu verteilen.

Industrielle Skalierung
Hinter GREYSHARK steht ein schlagkräftiges Team: Die EUROATLAS GmbH aus Bremen zeichnet für die Energieversorgung, Motor und die Hülle verantwortlich, während EvoLogics aus Berlin die KI-Steuerung, Sensorintegration und Unterwassernavigation liefert. In der Drohne werden standardisierte Komponenten verwendet. Unterstützt wird das Projekt durch die Expertise von Fassmer im Bereich Schiffbau und Rheinmetall für die Systemintegration.
Die Produktion ist auf Serie ausgelegt. Nach Angaben der Hersteller ist eine Fertigungskapazität von 150 Einheiten pro Jahr bereits in der Planung, ein Produktionsaufwuchs bis zu 500 Einheiten jährlich sei darstellbar.
Einordnung im internationalen AUV-Kontext
Vergleich etablierter Systeme im NATO-Umfeld (Auswahl)
| System | Klasse | Typische Ausdauer | Reichweite | Primäres Einsatzprofil |
| REMUS 620 (HII) | Taktisches AUV | 110 Stunden | 275 sm | Taktische Minenabwehr, Nahbereich |
| HUGIN Endurance (Kongsberg) | Langstrecken-AUV | bis 15 Tage | 1.200 sm | Offshore-Vermessung, ISR, Tiefsee |
| GREYSHARK Foxtrot | Langstrecken-AUV | bis 16 Wochen (Zielwert) | > 8.000 sm | KRITIS-Schutz, MCM und ASW und ISR, Dauerhaftes Unterwasserlagebild |
| BlueWhale (IAI) | Großes AUV / UUV | mehrere Wochen | mehrere tausend km | Strategische ISR, U-Jagd-Unterstützung |

Fazit
Die Taufe in Damp zeigt, dass Deutschland im Bereich der Unterwasserrobotik zur internationalen Spitze aufschließt. Der Maritimen Koordinators unterstrich in seinen Einlassungen den politischen Willen, technologische Souveränität im Bereich der Unterwasserrobotik aufzubauen. Ob GREYSHARK seine ambitionierten Reichweiten- und Ausdauerwerte im operativen Einsatz tatsächlich vollumfänglich einlösen kann, muss die nun beginnende Erprobung in der Ostsee zeigen. Klar ist jedoch: Mit der „Foxtrot“-Variante drängt ein deutsches AUV in eine Klasse vor, die die maritime Sicherheitsarchitektur und den KRITIS-Schutz für NATO und EU nachhaltig mitgestalten könnte. Solange Berlin die Sonntagsreden mit Maßnahmen und Budget unterlegt.
Hans-Uwe Mergener










