Die DZ BANK hat in einer aktuellen Analyse drei Szenarien für den weiteren Verlauf des Kriegs mit Iran entworfen. Im Mittelpunkt steht die Straße von Hormus, eine der wichtigsten Engstellen des weltweiten Seehandels.
Je nach Entwicklung reichen die Auswirkungen laut der Studie von nur vorübergehenden Störungen im Schiffsverkehr bis hin zu einer anhaltenden Sperrung der Passage mit gravierenden Folgen für Energiepreise, Lieferketten und Weltwirtschaft.
Hauptszenario: Kurzfristige Deeskalation
Im Hauptszenario, dem die DZ BANK eine Wahrscheinlichkeit von 60% gibt, geht die Bank von einer kurzfristigen Deeskalation aus. Demnach würden die Kampfhandlungen in den kommenden Wochen enden, die Straße von Hormus wieder für den Schiffsverkehr freigegeben und die derzeitigen Störungen im Seeverkehr nur vorübergehend anhalten.
Für die Schifffahrt hieße das: Die Risiken auf der Route nähmen wieder ab, Lieferketten würden sich stabilisieren und die Belastung durch höhere Transport- und Versicherungskosten bliebe zeitlich begrenzt. Auch an den Energiemärkten würde sich die Lage entspannen. Die DZ BANK erwartet in diesem Fall, dass der Brent-Preis innerhalb von drei Monaten auf 65 $ je Barrel zurückgeht und später auf 60 $ fällt. Die wirtschaftlichen Folgen blieben demnach überschaubar. Für Deutschland erwartet die Bank weiter ein Wachstum von 1,2% im Jahr 2026 und 1,6% im Jahr 2027. Im Euroraum würde die Inflation trotz eines vorübergehenden Energieschubs nahe am EZB-Ziel von 2% bleiben.
Anhaltende Spannung könnte zu Zusatzkosten führen
Anders sähe es im zweiten Szenario aus, dem die Analysten eine Wahrscheinlichkeit von 30% beimessen. Hier würden die USA die akuten Kampfhandlungen zwar beenden, die Lage im Nahen Osten bliebe jedoch instabil. Die Straße von Hormus wäre dann nicht vollständig blockiert, der Schiffsverkehr würde aber eingeschränkt, teils nur unter Geleitschutz stattfinden und immer wieder unterbrochen werden.
Die Folgen für die Schifffahrt wären deutlich höhere Versicherungsprämien, steigende Transportkosten und eine dauerhaft erhöhte Unsicherheit auf einer der wichtigsten Energierouten der Welt. Gleichzeitig bliebe auch die Lage im Roten Meer angespannt. Für die Energiemärkte rechnet die DZ BANK in diesem Fall mit einem dauerhaft höheren Brent-Preis von 80 $ je Barrel. Das würde die Inflation erhöhen und die Konjunktur dämpfen. In Deutschland läge das Wachstum dann 2026 nur noch bei 1,0% und 2027 bei 1,4%. Für den Euroraum erwartet die Bank 1,1% beziehungsweise 1,2%. Besonders belastet würden energieintensive Industrien, das Transportgewerbe und private Haushalte. Für die Zentralbanken würde der Spielraum kleiner: Die EZB müsste vorsichtiger agieren, die Fed hätte weniger Raum für Zinssenkungen.
„Stressszenario“: Anhaltende Sperrung der Straße von Hormus
Als „Stressszenario“ mit einer Wahrscheinlichkeit von 10% beschreiben die Analysten eine weitere Eskalation mit anhaltender Sperrung der Straße von Hormus. Dies hätte erhebliche Folgen für den weltweiten Energiehandel, da ein großer Teil der globalen Öltransporte über diese Route läuft. Die DZ BANK unterstellt in diesem Fall einen Brent-Preis von im Mittel 110 $ je Barrel, in Spitzen auch darüber. Die Folgen wären deutlich höhere Inflationsraten, zunehmender Druck auf die Weltkonjunktur und neue Belastungen für den maritimen Handel.
Für die Schifffahrt bleibt die Entwicklung rund um Hormus damit der entscheidende Faktor. Aus Sicht der DZ BANK ist eine rasche Entspannung zwar das wahrscheinlichste Szenario. Gleichzeitig macht die Analyse aber deutlich, dass bereits anhaltende Spannungen oder gar eine längere Blockade der Meerenge erhebliche Auswirkungen auf Transportkosten, Energieversorgung und globale Lieferketten hätten.
Michael Meyer / HANSA







