Das Main Ground Combat System (MGCS) erhält einen Parallel-Hybrid-Antrieb. Im Auftrag des BAAINBw wird der Antriebsblock von Rolls-Royce Power Systems (RRPS) als Generalunternehmer gemeinsam mit ZF entwickelt. Erste Powerpack-Prototypen sollen noch vor Ende der 2020er Jahre erprobt werden; eine Serienfertigung wäre ab Anfang der 2030er Jahre möglich, schreiben die Unternehmen in einer gemeinsamen Mitteilung vom 11. März.
Weltweit werde erstmals ein paralleler hybrid Antrieb für schwere militärische Kettenfahrzeuge entwickelt, heißt es in der Mitteilung. Voruntersuchungen hätten weiteres Potenzial gezeigt. Ein neu entwickeltes elektrifiziertes Lenkschaltgetriebe mit stufenloser Überlagerung mache Manöver agiler und steigere die Effizienz. Das ebenfalls neue hybridisierte Kühlsystem erhöhe zusammen mit einem adaptiv geregelten Motor die Gesamteffizienz deutlich.
Mit weniger Bauraum und Gewicht leistet der Hauptantrieb einen zweifachen Beitrag zur Gewichtsreduzierung des Gesamtfahrzeugs. Der geringere Platzbedarf führt zu weniger umpanzerten Volumen des Gefechtsfahrzeugs mit entsprechender Gewichtseinsparung zusätzlich zum geringeren Triebwerksgewicht. Möglicherweise kann die Wanne sogar um ein eine Laufrolle verkürzt werden. Das sei, so die Unternehmen, ein Beitrag zu einem leistungsfähigen, effizienten, kompakten und agilen Gefechtsfahrzeug.

10-Zylindermotor der mtu-Baureihe 199
Der neu entwickelte 10-Zylindermotor der mtu-Baureihe 199 von RRPS steht im Zentrum des MGCS Antriebs. mtu steht für die Marke mtu-solutions von RRPS. Der Hochleistungsmotor ist RRPS zufolge für extreme Lastaufschaltung, Fahrdynamik, besondere militärische Anforderungen und den gesteigerten elektrischen Energiebedarf künftiger Gefechtsfahrzeuge ausgelegt. Mit rund 1100 Kilowatt (kW) mechanischer Leistung liefere er den Hauptanteil der über 1400 kW Systemleistung des hybriden Powerpacks und arbeite erstmals in einem schweren Kettenfahrzeug als Teil eines Hybridantriebs in Parallelbauweise. Der Motor verbinde moderne Elektronik mit der Robustheit, die das Gefechtsfeld verlangt: Ein Merkmal ist das besonders robuste PLD-Einspritzsystem (Pumpe-Leitung-Düse mit einer Einspritzpumpe pro Zylinder), das auch mit minderwertigem Kraftstoff klarkommt und Vielstofffähigkeit ermöglicht.
Für die 10V-Konfiguration wurde die Plattform überarbeitet. Ergebnis sind die optimierte Verbrennung, höhere Leistungsdichte und verbesserte thermischer Effizienz. Das Kühlsystem bietet Reserven für zusätzliche elektrische Verbraucher. Der MOTS-Ansatz (Military-Off-The-Shelf) der Baureihe 199 wird konsequent weiterverfolgt und schafft somit die Grundlage für eine resiliente und skalierbare Lieferkette
Einen Hybridantrieb für Kettenfahrzeuge mit einem Baureihe 119-Motor hatte RRPS auf der Eurosatory 2024 vorgestellt. Die Baureihe 199 umfasst ein Spektrum von sechs bis zwölf Zylindern mit Antriebsleitungen zwischen 260 kW und 1.400 kW. 4.500 Motoren aus dieser Baureihe sind bereits ausgeliefert. Einer der Hauptnutzer ist der GTK Boxer mit bisher über 2.000 gelieferten bzw. bestellten Exemplaren.
Elektrifiziertes Lenkschaltgetriebe eLSG 5000
Stufenlose Überlagerungslenkung bleibt die Wahl für Getriebe von schweren gepanzerten Kettenfahrzeugen. Für das MGCS hat ZF das Lenkschaltgetriebe elektrifiziert und moderne By-Wire-Technologien für Antrieb, Bremse und Lenkung integriert. Das ist die Voraussetzung für Energierückgewinnung in einem kompakten Getriebe und bietet die Möglichkeit zum Boosten und Rekuperieren.
Das integrierte, elektrisch-mechanische Überlagerungslenkgetriebe steigere Agilität und Energieeffizienz schwerer Kettenfahrzeuge, schreibt ZF. Zudem erhöhe ein neues hocheffizientes Lüfterantriebskonzept die Leistungsfähigkeit und Reichweite durch Reduzierung der Nebenverbraucherverluste.
In das Getriebe ist ein Generator integriert, der die Versorgung von Hochvolt-Verbrauchern sicherstellt. Unter anderem verbessert dies die operative Einsatzdauer, etwa im Silent Watch Modus, so ZF.
Parallel Hybrid Antrieb
Bei dieser Antriebsart wirken ein Verbrennungs- und ein Elektromotor über eine Trennkupplung auf das Getriebe. Damit wird wahlweise ein Betrieb nur mit dem Verbrennungsmotor, nur mit dem Elektromotor oder mit beiden Motoren möglich. Beim MGCS werden von den 1.400 kW Gesamtleistung 1.100 kW vom Verbrennungsmotor bereitgestellt und 300 kW von einem Elektromotor, der in der Mitteilung nicht weiter erwähnt wird. Beim rein elektrischen Betrieb agiert das MGCS besonders leise und emissionsarm, zum Beispiel für „Silent watch“. Im Kombinationsbetrieb beider Motoren wirkt der Elektromotor als Booster, damit die Höchstleistung des Systems beispielsweise für den „Sprung“ aus der Deckung verfügbar ist.
MGCS – Nachfolger für Leopard 2 und Leclerc
In einem gemeinsamen Ansatz haben Frankreich und Deutschland die Grundlagen für ein Nachfolgesystem der eingeführten Kampfpanzer Leopard 2 und Leclerc geschaffen. Die Zuständigkeiten und zukünftigen Arbeiten sind in Pillars organisiert. Im Pillar 1 ist für Deutschland KNDS Deutschland verantwortlich für Fahrgestell, Antrieb, Mobilität.
Für die Durchführung der Entwicklung wurde im April 2025 die MGCS Project Company GmbH (MPC) gegründet, von der bisher noch nichts zu hören ist.
Welche Bedeutung es hat, dass jetzt das BAAINBw einen Einzel-Auftrag erteilt, ist schwer einzuschätzen. Entweder besteht Zeitdruck für das Entwicklungsvorhaben, der ein sofortiges Handeln erfordert. Oder es ist nicht absehbar, dass die MPC operativ agieren kann. Der LPA-Vertrag (Level of Pillars Approach) mit einem Volume im dreistelligen Millionen Euro-Bereich, mit dem die MPC beauftragt werden soll, steht bisher auf keiner Liste der 25-Millionen-Euro-Vorlagen für dieses Jahr.
Schlimmstenfalls könnte es bedeuten, dass das MGCS bröckelt, genauso wie das FCAS.
Gerhard Heiming











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