Nach über einer Woche Krieg im Iran sind die Folgen für die Schifffahrt bereits dramatisch: Fahrten durch die Straße von Hormus brechen ein, die Raten für Tanker bewegen sich auf einem Rekordhoch.
Die Straße von Hormus ist faktisch geschlossen: Nach einer Ankündigung der iranischen Revolutionsgarde, Schiffe in der Meerenge unter Beschuss zu nehmen, sind die Passagen drastisch eingebrochen. Wie aus Daten des Branchendienstleisters Clarksons hervorgeht, zeigten die Drohungen des Iran Wirkung – die Fahrten durch die Meerenge gingen im Vergleich zur Vorwoche um 90% zurück.
Da gut 20 Mio. Barrel an Öl pro Tag durch die Straße von Hormus verschifft werden (ca. 20% des weltweiten Bedarfs; hinzu kommen 30% des LPG- und 20% des LNG-Handels), sind die Auswirkungen auf den Ölpreis direkt spürbar. „Brent“ stieg zwischenzeitlich um 20% auf 111 $ an. Neben diesen wichtigen Energieströmen waren auch 3% des weltweiten Bulk- und Containerhandels Teil der insgesamt rund 150 Passagen pro Tag. Nun sind es nur noch 15.
Für die Tankermärkte bedeutet die Sperrung einen rasanten Anstieg der Raten, insbesondere im VLCC-Segment: „Die theoretischen Spot-Einnahmen für VLCCs im Nahen Osten und in China liegen nun bei 480.000 $ pro Tag“, teilte Clarksons mit. „Diese positive Entwicklung greift auf andere Regionen über: Die Einnahmen ohne US-Staats- und Westafrikanischen Handel (WAF) liegen über 220.000 $ pro Tag, und die Nachfrage nach Ladungen im Roten Meer steigt, da Saudi-Arabien einen Teil der Öllieferungen umleitet.“
Auch in anderen Tankersegmenten sei eine ähnliche Entwicklung zu beobachten. So lagen die Spotraten für Suezmax-Tanker bei mehr als 300.000 $ pro Tag, für Clean-MR-Tanker bei über 60.000 $ pro Tag. Für LNG-Schiffe mit einer Kapazität von 174.000 m3 stieg die Rate um das Fünffache auf 205.000 $ – dies markiert den höchsten Stand seit September 2023.
Folgen für die Containerschifffahrt
Die Sperrung hat Reeder und Befrachter in der Containerschifffahrt direkt reagieren lassen. Das Verhältnis zwischen Neubuchungen und Stornierungen von Containern ist im Verlauf von weniger als einer Woche dramatisch gekippt: Ein Rückgang um fast 60% auf der einen Seite, ein Anstieg um mehr als 360% auf der anderen.
Wie Daten des Analyseunternehmens Dun & Hardstreet zeigen, passen Unternehmen ihre Lieferketten direkt an. „Zwischen dem 1. und 3. März gingen neu gebuchte Importvolumina für Containertransporte über die Straße von Hormus im Vergleich zum gleichen 3-Tage-Zeitraum der Vorwoche drastisch zurück“, heißt es in einer Marktanalyse. „Die Buchungen sanken um 59% – von 25.144 auf 10.382 TEU. Gleichzeitig stiegen Stornierungen um 364%, von 8.010 auf 37.193 TEU.“
Allein am 3. März wurden über 21.700 TEU storniert, aber nur 1.900 TEU neu gebucht. Dies entspreche lediglich 13% des Volumens der Vorwoche und markiere das niedrigste Werktags-Buchungsniveau seit Beginn des Jahres 2024.
„Wenn Stornierungen über mehrere Tage hinweg die Neubuchungen übersteigen, ist das ein klares Signal dafür, dass Unternehmen ihre Lieferketten kurzfristig neu kalibrieren“, sagt Dirk Radetzki, Chief Regional Officer Central Europe bei Dun & Bradstreet. „Für Risikomanagement- und Supply-Chain-Teams wird es deshalb immer wichtiger, Handelsdaten, Unternehmensinformationen und Risikokennzahlen zusammenzuführen, um Störungen frühzeitig zu erkennen.“
Auf die Charterraten hatte der Konflikt zum Ende letzter Woche noch keinen nennenswerten Effekt: Der New ConTex der VHBS bewegte sich trotz der Krise kaum.
Michael Meyer / HANSA







