Im April wird der Bundesnachrichtendienst 70 Jahre alt. Kommunikationschef Martin Heinemann beschreibt einen Dienst im Umbruch, näher an Regierung und Parlament, unter Druck durch Russland, Terror und Cyber, im Wettbewerb um Personal. Eine Reportage über Auftrag, Grenzen und neue Erwartungen.
Gehlen, die Rote Armee und der Anfang im Schatten
Die Vorgeschichte des Bundesnachrichtendienstes (BND) beginnt lange vor der offiziellen Gründung am 1. April 1956 gegen Ende des Zweiten Weltkrieges. Reinhard Gehlen leitet im Oberkommando des Heeres die Abteilung Fremde Heere Ost, zuständig für die militärische Aufklärung des Gegners im Osten. Sein Geschäft ist das Sammeln, Auswerten und Verdichten von Informationen über die Rote Armee, von Truppenstärken über Bewegungen bis zu vermuteten Absichten.

Als das Ende des Reiches absehbar ist, sichert Gehlen Material, das er für wertvoll hält, stellt sich den Amerikanern, wird in die USA gebracht und dort vernommen. Vor allem aber bietet er etwas an, das Washington in der beginnenden Konfrontation mit der Sowjetunion dringend braucht: Expertise, Strukturen, Zugriff auf ein Archiv, das auf den Osten ausgerichtet ist.
1946 entsteht in der amerikanischen Besatzungszone die „Organisation Gehlen“, von den USA finanziert und geführt. Ihr Auftrag lautet Aufklärung über die Sowjetunion und den entstehenden Ostblock. Pullach im Isartal wird ab Dezember 1947 und auf amerikanische Vermittlung hin zur Heimstatt und zum Synonym dieser Arbeit im Schatten. Zehn Jahre später übernimmt die Bundesrepublik die Struktur, ordnet sie politisch ein und macht daraus den BND, der von Beginn an zwischen Warnbedarf und Abschirmung balanciert.

Pullach, Berlin und die Währung Nähe
In einem kleinen Berliner Café treffe ich Martin Heinemann, den Kommunikationschef des Bundesnachrichtendienstes. Unauffällig, fast beiläufig, wie man es in diesem Umfeld erwartet, sitzt man sich gegenüber, bestellt Kaffee, spricht leise. Es hat einen Hauch von Agentenkontakt, aber die eigentliche Spannung ist eine andere: eine Behörde, die sichtbar sein muss und doch vom Nichtgesehenwerden lebt.

Anlass ist der 70. Geburtstag des BND. Und schon nach den ersten Sätzen wird klar, dass dieses Jubiläum keine Rückschaufeier ist, sondern ein Gespräch über die Lage von heute und die Fragen von morgen.
Pullach kommt in unserem Gespräch früh vor, obwohl wir in Berlin am Tisch sitzen. Das alte Gelände beiderseits der Heilmannstraße steht für Jahrzehnte, in denen der Dienst wachsen konnte und gleichzeitig weit weg war von denen, die seine Lagebilder brauchen. „In der Hochzeit des Kalten Krieges haben im BND rund 8.000 Kolleginnen und Kollegen gearbeitet“, sagt Heinemann.
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