Ein ehemaliger Offizier der US Air Force wurde im US-Bundesstaat Indiana festgenommen. Ihm wird vorgeworfen, illegal Piloten der chinesischen Volksbefreiungsarmee ausgebildet zu haben. Der Fall zeigt die wachsenden Bemühungen Pekings, westliches militärisches Know-how für die Modernisierung der eigenen Streitkräfte abzuschöpfen.

Das US-Justizministerium hat am 25. Februar 2026 die Festnahme des 65-jährigen Gerald Eddie Brown, Jr. bekannt gegeben. Dem ehemaligen Major der US-Luftwaffe wird zur Last gelegt, ohne die erforderliche Genehmigung des Außenministeriums Verteidigungsdienstleistungen für Piloten der chinesischen Luftwaffe (PLAAF) erbracht zu haben. Mit diesem mutmaßlichen konspirativen Technologietransfer soll Brown gegen das US-Waffenexportkontrollgesetz (Arms Export Control Act) verstoßen haben.

Die F-35 Lightning II gilt als eines der bedeutendsten US-Rüstungsprogramme aller Zeiten. Informationsweitergabe an China in diesem Bereich kann den USA wichtige technologische Vorsprünge kosten. (Bild: DVIDS)

Brown, der unter dem Rufzeichen „Runner“ flog, blickt auf eine 24-jährige militärische Laufbahn zurück. Während seiner Dienstzeit kommandierte er Einheiten mit Verantwortung für nukleare Trägersysteme und diente als Ausbilder für diverse Kampfflugzeuge, darunter die F-15 „Eagle“, F-16 „Fighting Falcon“ und A-10 „Thunderbolt II“. Nach seinem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst war er unter anderem als ziviler Simulator-Ausbilder für die hochmoderne F-35 Lightning II tätig. Diese weitreichende technologische und taktische Expertise macht ihn zu einem äußerst wertvollen Ziel für geheimdienstliche Anwerbung durch einen strategischen Konkurrenten wie China und einem Sicherheitsrisiko für die USA.

Lehrtätigkeit in China

Laut der veröffentlichten Anklageschrift begann Brown im August 2023, einen Vertrag zur Ausbildung chinesischer Militärpiloten auszuhandeln. Dabei soll er über Mittelsmänner auch mit Stephen Su Bin kommuniziert haben. Su Bin ist ein chinesischer Staatsbürger, der bereits 2016 in den USA zu einer Haftstrafe verurteilt worden war, weil er an Cyberangriffen auf US-Rüstungsunternehmen beteiligt war, um sensible militärische Daten für die Volksrepublik China zu stehlen. Im Dezember 2023 reiste Brown schließlich nach China, um seine Lehrtätigkeit aufzunehmen. Er informierte chinesische Stellen über Strukturen der US Air Force und verblieb bis zu seiner Rückkehr in die Vereinigten Staaten Anfang Februar 2026 in der Volksrepublik.

Der Fall Brown reiht sich in eine Serie ähnlicher Vorfälle ein. Bereits 2022 wurde der ehemalige US-Marine-Pilot Daniel Edmund Duggan in Australien festgenommen, da er chinesische Piloten in Trägeroperationen geschult haben soll. Die zunehmende Brisanz dieser Thematik führte im Juni 2024 zu einer gemeinsamen Warnung der Geheimdienstallianz „Five Eyes“. Die Mitgliedsstaaten wiesen explizit darauf hin, dass die chinesische Volksbefreiungsarmee gezielt aktuelle und ehemalige Militärangehörige aus NATO- und westlichen Staaten anwerbe, um die Lücken in den eigenen militärischen Fähigkeiten, insbesondere in der militärischen Luftfahrt, zu schließen.

Jannis Düngemann