Auf der Enforce TAC hat Diehl Defence das 2024 vorgestellte Kinetic Defence Vehicle mit erweiterten Fähigkeiten präsentiert. Damals wurde das Fahrzeug an die Ukraine ausgeliefert. Mit dem Fähigkeitszuwachs erhielt das Drohnenabwehrsystem den Namen GARMR nach einem Wachhund aus der nordischen Mythologie.

GARMR mit zwei Abfangdrohnen-Technologien

Wesentliche Neuerung sind die Integration neuartiger Abfangdrohnen sowie einer KI-gestützten Detektions- und Entscheidungsarchitektur, mit denen eine deutliche Kampfwertsteigerung erreicht wird. Das sei ein neuer Maßstab in der mobilen Drohnenabwehr, bewertete Diehl das System. GARMR deckt den Layer 2 in der Drohnenabwehr ab. Im Layer 1 wirken die Maschinenwaffen mit 7,63 mm, 12,7 mm oder demnächst 20 mm im Entfernungsbereich bis 1.000 Meter.

Auf dem Fahrzeug können mit Standardschnittstellen parallel zwei Abfangdrohnen-Technologien für das Layer 2 im Entfernungsband bis 20 beziehungsweise 40 Kilometer eingesetzt werden. GARMR SRS (Short-Range-System) nutzt die Abfangdrohne CICADA mit Fangnetz oder Gefechtskopf, während GARMR MRS (Medium-Range-System) Ziele zusätzlich mit neuartigen Abfangdrohnen neutralisiert. Für beide Reichweiten lassen sich jedoch auch weitere Effektoren integrieren, sodass das System situationsabhängig optimal angepasst werden kann. Das Spektrum geht von präziser, kontrollierter Wirkung in sensiblen zivilen Umgebungen bis zur leistungsoptimierten Abwehr komplexer militärischer Bedrohungen, auch über größere Entfernungen. Letztlich können Systeme nach Kundenwunsch in das offene System integriert werden.

GARMR mit integrierten Drohnenabwehrsystemen für die Layer 1 und 2. (Foto: Gerhard Heiming)

KI-gestützte Detektions- und Entscheidungsarchitektur

GARMR als hybrides, modular aufgebautes System bringt seine eigene Sensorik mit und erzeugt ein lokales Luftlagebild als Grundlage für die Drohnenabwehr. Als ein zentrales Element des Relaunchs von GARMR hat Diehl die KI-gestützte Detektion, Identifikation und Priorisierung von Luftzielen erläutert. Moderne Algorithmen analysieren Sensordaten automatisiert, klassifizieren Bedrohungen und unterstützen die Entscheidungsfindung.

GARMR vereint Diehl zufolge alle wesentlichen Komponenten eines modernen Counter-UAV-Systems auf einer hochmobilen Plattform. Die Detektions-Sensorik ermöglicht die frühzeitige Erfassung unterschiedlichster Luftziele – von kleinsten Multikoptern bis hin zu größeren militärischen Drohnensystemen wie SHAHED oder LANCET Kampfdrohnen. Darauf aufbauend sorgen leistungsfähige Module zur Identifikation für eine verlässliche Klassifizierung und Lagebewertung.

Einsatz in der Ukraine

GARMR ist eine Weiterentwicklung des Kinetic Defence Vehicles, von dem Diehl Defence – finanziert von der Bundesrepublik Deutschland – 16 Stück an die Ukraine geliefert hat. Sie haben sich nach Diehl-Erkenntnissen dort bewährt und leisten einen erheblichen Beitrag zum Schutz von mobilen Hochwertzielen.

Gerhard Heiming