Die erste Fregatte der neuen Tamandaré-Klasse der Marinha do Brasil hat mit dem von Anschütz gelieferten und in Betrieb genommenen SYNAPSIS Integrated Navigation and Bridge System (INBS) ihre Seeerprobungen fortgesetzt.
SYNAPSIS: Mehr als nur Navigation
Das installierte SYNAPSIS-Brückensystem integriert Radar-, ECDIS- und Navigationsfunktionen mit CCTV, Steuer- und Autopilotsystem sowie GMDSS-Kommunikation auf einer gemeinsamen Plattform. SYNAPSIS Autonomics Navigation Suite erweitert eingeführte Brückensysteme um optische Zielverfolgung, regelkonforme Kollisionsvermeidung sowie Motion Control für Manövrieren und Station-Halten. Die modulare, softwaredefinierte Architektur ermöglicht künftige Weiterentwicklungen und soll langfristige Missionsflexibilität über die Lebensdauer der Einheiten hinweg gewährleisten können.
Die Synapsis-Integration ist zwar ein unspektakulärer, aber zentraler Schritt zur Sicherstellung der Führungs- und Navigationsfähigkeit der Neubauten. Mit der erfolgreichen Zertifizierung von Synapsis macht Tamandaré einen weiteren Schritt in Richtung operative Einsatzfähigkeit.

Zur Tamandaré-Klasse
Der Bau der „Tamandaré“ (F200) lief im August 2024 vom Stapel, der erste Stahlschnitt erfolgte zwei Jahre zuvor. Seit Sommer 2025 befindet sie sich in der finalen Erprobungsphase. Ihre Indienststellung wird in diesem Jahr erwartet. Die Fregatten mit einer Länge von 107,2 Metern und einer Breite von 15,95 Metern verdrängen 3.455 Tonnen bei einem Tiefgang von 5,2 Metern und werden von vier MAN 12V 28/33D STC Dieselmotoren mit je sechs MW Leistung angetrieben. Die Marschgeschwindigkeit ist mit 14 Knoten angegeben. Die Versorgung mit elektrischer Energie erfolgt über vier Dieselgeneratoren Caterpillar C32 mit je einem Megawatt elektrischer Leistung.

Parallel zur Erprobung der „Tamandaré“ laufen die Arbeiten an den Schwesterschiffen „Jerônimo de Albuquerque“ (F201) und „Cunha Moreira“ (F202). Im Januar 2026 erfolgte der erste Stahlschnitt für die vierte Einheit „Mariz e Barros“ (F203).

Tamandaré in der Marinha do Brasil
Tamandaré beruht auf dem modularen Konzept der MEKO®-Klasse von TKMS, hier der MEKO-A100. Seit 1982 sind mehr als 82 Korvetten und Fregatten der MEKO-Klasse an Marinen aus 15 verschiedenen Nationen geliefert worden (Angaben von TKMS). Eine große Anzahl der MEKO wurden außerhalb Deutschlands gebaut.
In Brasilien gilt das anspruchsvolle Schiffbauprojekt als strategischer Baustein zur Erneuerung der Überwasserflotte und zur Verstärkung der Fähigkeiten in territorialer Verteidigung, Seeraumüberwachung und als Beitrag für multinationalen Einsätzen. Über die Erfüllung verteidigungspolitischer Ziele hinaus soll das Programm Technologietransfer ermöglichen und Arbeitsmarkteffekte schaffen. Etwa 2.000 direkte und 6.000 indirekte Arbeitsplätze stehen im Zusammenhang mit Tamandaré.

Der Flottenmodernisierungsplan sieht vier Mehrzweckfregatten vor und in Brasilien bei TKMS Estaleiro Brasil Sul in Itajaí gebaut werden. Das Konsortium Águas Azuis (TKMS, Embraer Defense & Security, Atech) setzt den Bau lokal um.
Mit dem aktuellen Fortschritt demonstriert Brasilien den konsequenten Aufbau eigener maritimer Fertigungstiefe und Einsatzfähigkeit.
Hans Uwe Mergener




















