Die französische Marine (Marine Nationale) wird Erstnutzer der neuen VTOL-Konfiguration (Vertical Take-Off and Landing) des unbemannten Luftfahrzeugsystems Aliaca. Wie Airbus am 3. Februar 2026 mitteilte, hat die französische Generaldirektion für Rüstung (DGA) über die Airbus-Tochtergesellschaft Survey Copter die Beschaffung eingeleitet. Dieser Auftrag ist Teil des laufenden Programms „Systèmes de Mini Drones aériens embarqués pour la Marine“ (SMDM), in dessen Rahmen seit 2022 insgesamt 34 Systeme geordert wurden. Die nun bestellte Variante stellt eine technische Weiterentwicklung der bisherigen Starrflügler dar und soll nach Abschluss der Qualifikationskampagne ab Mai 2026 der Truppe zulaufen.
Hybridkonzept für minimierten Deck-Footprint
Technisch markiert die neue Version den Übergang zu einem Hybrid-System, das die Vorteile von Starrflüglern mit der Flexibilität von Drehflüglern vereint. Die Aliaca VTOL wurde innerhalb von weniger als einem Jahr aus der einsatzbewährten Basisversion entwickelt und verfügt nun über vier elektrisch betriebene Rotoren für Start und Landung, während der Vortrieb im Marschflug weiterhin über den Heckpropeller erfolgt. Trotz der strukturellen Anpassungen bleibt das System mit einem maximalen Abfluggewicht von 25 Kilogramm, einer Spannweite von 3,5 Metern und einer Rumpflänge von 2,1 Metern kompakt genug für den taktischen Einsatz auf kleineren Einheiten.
Das Leistungsprofil der Drohne bleibt auch in der neuen Konfiguration erhalten. Das System bietet eine Stehzeit von bis zu zwei Stunden und operiert in einem Radius von 50 Kilometern um den Mutterschiff-Verband. Zur Ausstattung gehört neben einer hochauflösenden Kamera eine leistungsfähige, kreiselstabilisierte elektrooptische und Infrarot-Sensorik. Ergänzt wird diese durch ein Automatisches Identifikationssystem (AIS), das Schiffsdaten in einem Radius von mehreren hundert Kilometern erfassen kann. Der entscheidende operative Vorteil der VTOL-Variante liegt im Wegfall der bislang notwendigen Startkatapulte und Auffangnetze. Dies reduziert den logistischen Platzbedarf an Deck erheblich und erlaubt eine schnellere Verlegbarkeit sowie den Betrieb von Schiffsklassen, die über keine klassischen Flugdecks verfügen.

Integration in bestehende Flottenstrukturen
Christophe Canguilhem, Leiter des Aliaca-Programms bei Airbus Helicopters, betonte, dass die VTOL-Version der französischen Marine eine noch höhere operative Flexibilität ermögliche. Da die Bodenkontrollstation unverändert bleibt, ist die Interoperabilität mit den bereits eingeführten Systemen gewährleistet, was den Ausbildungsaufwand für das Bedienpersonal minimiert. Die bisherige Starrflügler-Version der Aliaca, in der französischen Marine als „Fernglas der Flotte“ bezeichnet, ist bereits auf Hochseepatrouillenbooten (PHM), Übersee-Patrouillenbooten (POM) und Überwachungsfregatten integriert und wird dort für die taktische Lagebildstellung, den Kampf gegen illegale Aktivitäten sowie zur Verkehrsüberwachung eingesetzt.
Die Erprobung der VTOL-Variante erfolgte bereits Ende 2024 und im Verlauf des Jahres 2025 sowohl an Land als auch auf See. Vor der operativen Indienststellung durchläuft das System ab Anfang 2026 eine finale Qualifizierungsphase durch die DGA. Neben den klassischen militärischen Aufgaben ist auch der Einsatz im Rahmen von Search and Rescue (SAR) Missionen vorgesehen – ein Profil, das die Starrflügler-Version bereits seit Sommer 2023 bei Einsätzen im Ärmelkanal abdeckt. Perspektivisch ist laut Hersteller auch ein landgestützter Einsatz zur Unterstützung der Küstenüberwachung geplant. Die bestehende Flotte der Starrflügler-Version wird parallel dazu weiter betrieben und für mindestens sieben Jahre in der Nutzung gehalten.
Jannis Düngemann















