Brüsseler Spitzen – Die ökonomische Paradoxie europäischer Sicherheit
Hans-Uwe Mergener
Europa diskutiert strategische Autonomie, als sei sie eine Frage politischer Haltung oder institutioneller Zuständigkeiten. In Wahrheit ist sie längst eine Frage der Kosten und der Zeit. Die Paradoxie der aktuellen Debatte lautet: Ausgerechnet das Zögern, das als verantwortungsvoll gilt, treibt Europas sicherheitspolitische Rechnung nach oben.
Das International Institute for Strategic Studies hatte im Mai 2025 eine Analyse vorgelegt, was eine Verteidigung Europas ohne die Vereinigten Staaten bedeuten würde: gravierende Fähigkeitslücken bei Aufklärung, Luft- und Raketenabwehr, Führung, strategischem Transport und industrieller Durchhaltefähigkeit. Die dafür notwendigen Investitionen bewegen sich in einer Größenordnung, für die weder die bestehenden Haushaltsstrukturen noch die politische Prioritätensetzung bislang ausgelegt sind. Europa kann die militärische Rolle der USA nicht inkrementell ersetzen, sondern nur durch einen tiefgreifenden strukturellen Kraftakt. Strategische Autonomie ist kein politisches Etikett, sondern ein langfristiger Kraftakt.
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