Die Türkei treibt ein ungewöhnliches Raumfahrtprojekt voran: Ankara beginnt in Somalia mit dem Bau eines Weltraumbahnhofs. Äquatornähe, wachsende Startnachfrage und ein Milliardenmarkt liefern Argumente. Doch ebenso entscheidend sind Präsident Erdoğans geopolitische Ambitionen am Roten Meer und der wachsende Fußabdruck in Afrika.

Während Europa und die Welt auf die US-Operationen in Südamerika und den Krieg in der Ukraine schauen, greifen andere Staaten nach den Sternen. Ging es beim Sputnikschock 1957, dem ersten Mann im All im Jahr 1961 und der Mondlandung im Jahr 1969 noch um die Reputation der entsprechenden Länder, hat sich der Weltraum nun zur Spielwiese für geopolitische Visionäre und wirtschaftliche Interessen entwickelt. Satelliten bestimmen unser Leben und zeichnen für Kommunikation, Fernsehen, Internet, Navigation, Klimaforschung bis hin zur militärischen Nutzung verantwortlich.

Die Technik im, aber vor allem der Zugang zum Weltraum wird immer wichtiger. Dominierten die USA und die ehemalige Sowjetunion über Jahrzehnte diesen Bereich, schlossen Staaten wie China, Indien, die Europäische Union, aber auch die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) mit eigenen Kapazitäten schnell auf.

Die Türkei will in Somalia eine Raumfahrtbasis errichten.
Grafik: MRV

Die Türkei steigt ins Raumfahrt-Rennen ein

Nun positioniert sich die Türkei mit einem strategischen Projekt inmitten der „Weltraumnationen“. So schloss Ankara im Dezember 2025 seine Machbarkeits- und Planungsstudien über der Errichtung eines Weltraumbahnhofs in Somalia ab und startete offiziell die erste Bauphase. Das Großprojekt ist ein wichtiger Schritt des NATO-Mitglieds in Richtung Regionalmacht, während die Konkurrenten in der Nachbarschaft wie die VAE und sogar Oman ebenfalls den Weltraum für sich entdecken.