Der vierte Jahrestag der russischen Invasion in die Ukraine ist bitterer Anlass für eine neue Zwischenbilanz. In wenigen Wochen wird dieser Krieg länger dauern als der Erste Weltkrieg. 

Dies ist kein Konflikt zwischen zwei „Kriegsparteien“, sondern Russlands brutale Unterwerfungsoffensive gegen ein Nachbarland, verbrecherisch nach Absicht und Ziel sowie Methoden, mit dem gemeinhin benutzten Begriff „völkerrechtswidrig“ krass verharmlost. Allgemein ist der Wunsch, „das Töten zu beenden“, doch geht jede und jeder Tote dieses Krieges auf Wladimir Putins Konto.

Dieser hat die 1975 in Helsinki geborene und 1990 in Paris bekräftigte europäische Friedensordnung zertrümmert: souveräne Gleichheit, territoriale Integrität, Unverletzlichkeit von Grenzen, friedliche Streitbeilegung, freie Bündniswahl. Und dies nur als Vorstufe zu einer im Verein mit anderen Autokraten angestrebten „Neuordnung“ Europas und der Welt, die keine freiheitliche sein würde.

Ein durch eine russische Rakete zerstörtes Wohngebäude in Borodyanka, Ukraine
Foto: pexels / CCO / Алесь Усцінаў

Vier Jahre Putins Krieg – Europas Risiko 

Wie konnten die Europäer dieses Gemetzel vor ihrer Haustür bereits vier Jahre lang zulassen? Weil wirksame militärische Unterstützung der Ukraine zu kostspielig oder zu risikoreich wäre? War doch für den früheren SPD-Fraktionsvorsitzenden Rolf Mützenich jede für die Invasoren schmerzhafte Maßnahme „brandgefährlich“.

Oder aus mangelnder Empathie mit einem geschundenen Volk? Aus Blindheit für Putins revisionistische und neoimperialistische Ziele und deren Reichweitet? Aus fehlender Einsicht, dass die tapferen Ukrainer den Krieg führen, den wir anderen Europäer (noch) nicht führen müssen?