Auf der US-Luftwaffenbasis Ramstein ist am 25. Januar 2026 eine EA-37B Compass Call gelandet. Es handelt sich um den ersten bestätigten Einsatz dieses hochmodernen Systems für elektronische Kampfführung (EloKa) im europäischen Raum. Die Verlegung erfolgt keine zwei Wochen nach dem abgebrochenen US-Angriff auf iranische Ziele Anfang Januar und könnte eine signifikante Erhöhung der amerikanischen Einsatzbereitschaft in der Region signalisieren.
Technologischer Generationswechsel in der EloKa
Die EA-37B (vormals als EC-37B bezeichnet) stellt einen radikalen technologischen Sprung gegenüber ihrem Vorgänger, der auf der C-130 Hercules basierenden EC-130H Compass Call, dar. Während die EC-130H jahrzehntelang das Rückgrat der amerikanischen Fähigkeiten zur Störung feindlicher Kommunikations- und Radarsysteme bildete, setzt die EA-37B auf die wesentlich leistungsfähigere Plattform des Geschäftsreisejets Gulfstream G550.

Für den operativen Einsatz bietet die neue Zelle entscheidende Vorteile: Mit einer Dienstgipfelhöhe von über 12.000 Metern und einer Reisegeschwindigkeit von bis zu Mach 0.8 kann die EA-37B deutlich schneller in Einsatzräume verlegen und dort in Höhen operieren, die eine optimierte „Line-of-Sight“ für Störsender (Jammer) bieten. Dies erhöht die Reichweite und Effektivität der elektronischen Gegenmaßnahmen signifikant.
Das Kernstück der EA-37B ist das von L3Harris und BAE-Systems integrierte Missionspaket. Im Fokus steht dabei die Counter-C5ISRT-Fähigkeit (Counter-Command, Control, Computers, Communications, Cyber, Intelligence, Surveillance, and Reconnaissance Targeting). Das Flugzeug ist darauf spezialisiert, die gegnerische Führungskette zu unterbrechen, indem es Navigationssysteme, Radaranlagen und Kommunikationskanäle massiv stört.
SABER-Technologie und SEAD-Unterstützung
Ein technisches Alleinstellungsmerkmal der EA-37B ist die sogenannte Small Adaptive Bank of Electronic Resources (SABER)-Technologie von BAE-Systems. Im Gegensatz zu starrer Hardware setzt SABER auf software-definierte Radiosysteme (SDR), die schnelle Updates der Störprofile erlauben, um auf neue Frequenzen oder Modulationsverfahren gegnerischer Luftverteidigungssysteme zu reagieren. Die großen, konform an den Rumpfseiten angebrachten AESA-Antennen-Arrays – optisch angelehnt an die G550 CAEW (Conformal Airborne Early Warning) – ermöglichen eine präzise elektronische Strahlführung. Diese Fähigkeiten machen die EA-37B zu einem kritischen Enabler für SEAD-Missionen (Suppression of Enemy Air Defenses).
Möglicher Einsatz im Nahen Osten
Präzise SEAD-Missionen wurden auch im Angriff auf Venezuela Anfang des Jahres mithilfe von EloKa-Systemen wie der EA-18G Growler durchgeführt. In einem Szenario gegen einen Gegner mit moderner, integrierter Luftverteidigung wie dem Iran ist die Unterdrückung der feindlichen Aufklärungs- und Feuerleitradare noch einmal deutlich relevanter für einen US-Angriff aus der Luft.

Nachdem ein geplanter US-Schlag gegen iranische Infrastruktur Anfang Januar 2026 kurzfristig ausgesetzt wurde, könnte die Verlegung der EA-37B ein fehlendes Puzzlestück für eine erneute Operationsplanung sein. Ob die Maschine in Ramstein verbleibt, um von dort aus zu operieren, oder die Basis lediglich als Drehscheibe für eine Weiterverlegung in den Verantwortungsbereich des US Central Command (CENTCOM) nutzt, bleibt jedoch abzuwarten.
Fest steht: Mit der EA-37B verfügen die USA über eine Plattform, die die Lücke zwischen taktischer Störung und strategischer elektronischer Kriegsführung schließt. Gleichzeitig ist der Flugzeugträger USS Abraham Lincoln nach Aussage der US-Streitkräfte am 26. Januar im indischen Ozean – und damit im Verantwortungsbereich des US Central Command- angekommen. Durch diese signifikante Erhöhung der US-amerikanischen Präsenz im Nahen Osten scheint ein direkter Konflikt immer wahrscheinlicher.
Jannis Düngemann








