Die Matchmaking-Plattform „SVI-Connect“ für die Sicherheits- und Verteidigungsindustrie hat bislang rund 500 Nutzer registriert. „Fast die Hälfte dieser Unternehmen hat eine Beschäftigtengröße von unter 100 Mitarbeitenden“, sagte Lars Kleeberg, Hauptgeschäftsführer beim Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME), bei einem Pressgespräch. Kleine und mittlere Unternehmen seien bereits „sehr aktiv auf der Plattform unterwegs“. Kleeberg sprach von einem „sehr hohen Qualitätsniveau“.

Seit Beginn des Jahres soll „SVI-Connect“ neue Zulieferer in die Wertschöpfungsketten der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie einladen. Der Bundesverband der Deutschen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie (BDSV) hat die Anregung zu der vom BME erarbeiteten und von der Bundesregierung geförderten Plattform gegeben, um so die „schnelle Ergänzung bestehender Rüstungslieferketten zu ermöglichen“, erklärte BDSV- Hauptgeschäftsführer Hans Christoph Atzpodien. Die Rüstungsindustrie stehe vor großen Herausforderungen – erst recht, nachdem Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) erklärt hat, er sehe die Bundeswehr auf einem „exzellenten Weg“, bis 2029 kriegstüchtig zu sein.

Der Anspruch der Plattform „SVI-Connect“ ist produktübergreifend. Die Kategorien reichen nach Angaben von BME und BDSV von Metall- und Maschinenbau über Elektronik bis zu Informations- und Kommunikationstechnik. Zu den Zielen des ehrgeizigen Gemeinschaftsprojekts gehöre, die Transparenz für den Einkauf bei der Beschaffung von Komponenten zu erhöhen. Werde etwa festgestellt, so Kleeberg, dass ein Elektroniklieferant über konkrete Fertigungsfähigkeiten verfügt, stehe diese Information den registrierten Unternehmen auf der Plattform offen.

Interesse aus europäischen NATO-Ländern

Zudem soll „SVI-Connect“ den Eintrittsprozess für Lieferanten in die Rüstungsindustrie vereinfachen. „Wir wollen die gesamte Lieferkette, die gesamten Player innerhalb eines Beschaffungsprozesses auf der breit angelegten Plattform abbilden“, sagte Kleeberg. „Schnelligkeit ist das Gebot der Stunde“, betonte Atzpodien. „SVI-Connect“, präzisierte er, sei eine „Kompetenzplattform, eine Vernetzungsplattform und keine Branchenplattform“. Nach dieser Vorstellung stoßen Einkäufer mit einem konkreten Bedarf auf konkrete Fähigkeiten.

Bislang konzentriert sich „SVI-Connect“ auf deutsche Unternehmen. Eine Öffnung im EU-Kontext sei jedoch in Vorbereitung. „Wir bleiben noch sehr stark auf Deutschland bezogen“, sagte Kleeberg, „wenngleich wir schon Interessen haben und aufgrund der europäischen Vernetzung der Rüstungsindustrie bereits dahingehend denken, die Plattform europaweit zu öffnen.“ Innerhalb der Rüstungsproduktion gehe es nicht nur um die Bundeswehr, ergänzte Atzpodien. „Es geht auch um andere Streitkräfte der europäischen NATO-Länder.“

In den vergangenen drei Jahren hat der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestags fast 200 Milliarden Euro für Rüstungsaufträge freigegeben. „Geld ist jetzt in den Haushalten auch der nächsten Jahre eingeplant“, sagte Atzpodien, „etwa 200 Milliarden allein für Rüstung in den Haushalten 2025 bis 2029.“

„Die Industrie wird liefern müssen“

Hintergrund der großen Investitionen ist der geplante Aufwuchs der Bundeswehr von derzeit rund 184.000 aktiven Soldatinnen und Soldaten auf 260.000 sowie 200.000 Reservisten bis zum Jahr 2035. So billigte der Haushaltsausschuss beim größten Posten, der persönlichen Ausrüstung, die Ausstattung für 460.000 Soldaten sowie 80.000 zivile Kräfte der Bundeswehr – also bereits für die Zielgröße der Bundeswehr.

Die übergeordneten Voraussetzungen – Geld, Bedarfe und Regulatorik – sind aus Sicht des BDSV geschaffen, um die Streitkräfte zu ertüchtigen. „Nun wird die Industrie liefern müssen bis Ende 2028, 2029“, sagte Atzpodien. „Und damit ist dieses Jahr 2026 eine besondere Herausforderung, dieses Upscaling zu organisieren.“ Die Sicherheits- und Verteidigungsindustrie habe seit Beginn des offenen russischen Angriffs auf die Ukraine „viel getan, um die Kapazitäten zu erhöhen“. Es müsse jedoch noch mehr passieren. „Dazu haben sehr, sehr viele Unternehmen in Deutschland, die bisher gar nichts mit Rüstung zu tun hatten, ihre Unterstützung angeboten.“

SVI-Connect ist dem BME und BDSV zufolge für alle deutschen Unternehmen offen, jedoch keine offene Plattform. Die Registrierung auf SVI-Connect ist demnach an klare Zulassungsvoraussetzungen geknüpft. Der BME prüfe Gewerberegister, die eindeutige und nachvollziehbare E-Mail-Adresse mit dem Unternehmen und die Verifikation des Nutzers als Mitarbeiter im Unternehmen.

Florian Pfitzner