In Fortführung ihrer seit 2019 erfolgreichen Kooperation bei der Entwicklung eines Marine-Laser-Waffensystems wollen Rheinmetall Weapon and Munition und MBDA Deutschland ein Gemeinschaftsunternehmen gründen. Die beiden Unternehmen haben am 5. Januar mitgeteilt, dass die neue Gesellschaft auf Basis des gemeinsamen, bereits vorgeführtem Marinelaserdemonstrators hochleistungsfähige und innovative Laserwaffensysteme – zunächst für die Marine – entwickeln und herstellen soll.

Laserwaffendemonstrator entwickelt und erprobt

Bereits im September 2024 hatten die Unternehmen in einem Kooperationsvertrag das Ziel ausgegeben, ein gemeinsames maritimes Produkt auf den Markt zu bringen, das insbesondere in der Drohnenabwehr von Schiffen neue Möglichkeiten eröffnet. Gegenstand der Kooperation ist der Laserwaffendemonstrator (LWD), der bis 2023 eine fast einjährige Erprobung auf der Fregatte 124 „SACHSEN“ mit über 100 Beschüssen und Trackingversuchen erfolgreich absolviert hat. Der LWD wurde zur weiteren Erprobung dem Laserkompetenzzentrum der Wehrtechnischen Dienststelle für Waffen und Munition (WTD 91) in Meppen übergeben. Er ist dort wieder in Betrieb genommen worden und wird zur weiteren Erprobung auch landgestützter Drohnenabwehr genutzt.

Der Laserwaffendemonstrator in der
Erprobung (Foto: ARGE Rheinmetall MBDA)

Langjährige Zusammenarbeit führt zu absoluter Spitzentechnik

„Mit dieser GmbH setzen wir neue Maßstäbe in der Entwicklung und Produktion hochmoderner militärischer Laserwaffensysteme designed und made in Germany“, erklärt Thomas Gottschild, Geschäftsführer MBDA Deutschland. „Sie manifestiert die Vorteile der langjährigen Zusammenarbeit und unterstreicht das Engagement beider Unternehmen, schnellstmöglich das erfolgreich erprobte maritime Produkt marktverfügbar zu machen und der Bundeswehr weitere Drohnenabwehrmöglichkeiten zur Verfügung zu stellen.“

„Dieser Schritt zeigt, wie gezielte industrielle und technologische Zusammenarbeit in Deutschland zu absoluter Spitzentechnik führen kann“, so Roman Köhne, Leiter der Rheinmetall-Division Weapon and Munition. „Von Beginn an haben sich beide Partner auf ihre Stärken fokussiert. Deshalb kann zielgerichtet in kurzer Zeit der Bundeswehr ein Produkt angeboten werden, dass in der Summe seiner Eigenschaften einzigartig ist. Darüber hinaus wurde von Anfang an ein Schwerpunkt in der Nationalisierung der Technologie gelegt.“ 

Laserwaffensystem zur Bekämpfung anspruchsvoller Ziele

Die Deutsche Marine soll ein operationelles Laserwaffensystem erhalten, das komplementär zu Rohrwaffen und Lenkflugkörpern, insbesondere zur Abwehr von Drohnen und weiteren hochagilen Zieltypen im Nah- und Nächstbereich geeignet ist. Die beiden Firmen MBDA und Rheinmetall sehen sich für diese Aufgabe bestens aufgestellt: der gemeinsam erstellte Demonstrator wurde bereits auf einem Marineschiff integriert und ein Jahr lang erfolgreich unter operationellen Bedingungen getestet. Dabei seien alle notwendigen Fähigkeiten nachgewiesen worden, um die Ziele präzise, schnell und kollateralschadensarm zu bekämpfen.

Insbesondere auch gegen anspruchsvollste Ziele und unter widrigen Umweltbedingungen sei das System nachweisbar in der Lage, einen Haltepunkt in der Größe einer Ein-Euromünze auf einem weit entfernten Ziel stabil zu verfolgen und punktgenau die Energie der Laserwaffe dorthin zu bündeln. Diese Präzisionsfähigkeit im Tracking und in der Bekämpfung verhindert einen Vorbeischuss am Ziel und gewährt damit größtmögliche Sicherheit. Im Rahmen der bestehenden Kooperation haben beide Firmen somit ein System angeboten, das den Kundenforderungen in allen Punkten gerecht wird.

25-Millionen-Euro-Vorlage für HoWiSM

Die Bundeswehr beabsichtigt, das Laserwaffensystem unter dem Stichwort HoWiSM (Hochpräzise und skalierbare Wirkung gegen agile/signaturarme Ziele im Nah- und Nächstbereich schwimmender Systemträger der Marine) weiterzuentwickeln. Nach einer Liste, die der Redaktion vorliegt, soll beim Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages die Freigabe von 520 Millionen Euro beantragt werden. Die entsprechende 25-Millionen-Euro-Vorlage war schon im vergangenen Jahr erwartet worden.

Gerhard Heiming