Zwei rüstungstheoretische Schulen scheinen bei der Wiederbewaffnung der Bundeswehr gerade miteinander zu konkurrieren, die man im vereinfachenden Journalisten-Deutsch wohl als „traditionalistisch“ und „modernistisch“ bezeichnen würde. Boulevardesk ausgedrückt: „Klappspaten“ versus „Combat-Cloud“. Oder „Panzerstahl“ gegen „KI“.

Hans-Peter Bartels, ehemals Wehrbeauftragter des Deutschen Bundestags (Foto: GSP / Peter E. Uhde)

Dabei zeigt nicht nur der Krieg gegen die Ukraine, dass im Ernstfall viele Techniken des Kampfes gefordert sein können, vom Schützengraben bis zur Satellitenverbindung, Kanonen ebenso wie Drohnen. Wer an einer einzelnen Stelle wehrlos wird, läuft Gefahr, alles zu verlieren.

Im Afghanistan-Szenario haben zuletzt die Amerikaner erkennen müssen, dass selbst extreme technologische Überlegenheit den Sieg nicht garantieren konnte. Als man nicht mehr bereit war, in größerem Maßstab und flächendeckend eigene Soldaten einzusetzen und Verluste in Kauf zu nehmen, rückten die Taliban mit ihren Handwaffen und MG-Pick-ups wieder vor.

Der „saubere“ Krieg ohne eigene Verwundete und Gefallene, geführt aus großer Höhe mit perfekter Präzision gegen zweifelsfrei aufgeklärte Hochwertziele zur Enthauptung des Feindes, erwies sich als technizistische Illusion. Denn ohne Boots on the Ground gibt es keine wirksame Einnahme von Räumen. Deshalb sterben an der ukrainischen Front jeden Tag Hunderte von Soldaten auf beiden Seiten.