
Trumps gescheiterter Friedensplan für die Ukraine
Joachim Krause
US-Präsident Donald Trump hat während des Wahlkampfs 2024 wiederholt angekündigt, den Ukrainekrieg innerhalb eines Tages zu beenden. Seit seinem Amtsantritt ist fast ein Jahr vergangen, ohne einen Waffenstillstand, geschweige denn einen Friedensvertrag. Viele halten ihm zugute, dass er es zumindest geschafft habe, mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin ins Gespräch zu kommen. Aber die Skepsis überwiegt.
Die Ausgangsbedingungen für einen Waffenstillstand waren zu Jahresbeginn gut. Aber Trump hat es versäumt, diese Gelegenheit wahrzunehmen. Und nicht nur das: Seine Nähe zu Putin und der deutlich erkennbare Mangel an Professionalität in seinem Vorgehen haben die Lage für die Ukraine eher verschlechtert.
Warum war die Lage für einen Waffenstillstand aussichtsreich?
Als Donald Trump im Januar 2025 sein Amt als 47. Präsident antrat, ging der Ukrainekrieg schon fast in sein viertes Jahr, ohne dass die russischen Streitkräfte den Widerstand der Ukraine brechen konnten. Ukrainische Verbände hatten zu dem Zeitpunkt auch Teile eines russischen Oblasts besetzt und hielten russischen Angriffen stand. Im Januar war klar, dass weder Russland noch die Ukraine diesen Krieg gewinnen konnten. Das wäre eine gute Basis für einen Waffenstillstand gewesen, wenn die USA klar für die Ukraine aufgetreten und bereit gewesen wären, sich für die Sicherheit des Landes einzusetzen. Im April 2024 hatte Trumps späterer Ukraine-Beauftragter, der ehemalige General Keith Kellogg, ein Papier veröffentlicht, in dem er die Konturen einer derartigen Politik aufzeigte. Die Ukraine sollte nach einem Waffenstillstand entlang der aktuellen Frontlinien versuchen, ihre Gebiete mit politischen Mitteln zurückzugewinnen. Zu diesem Zweck sollten die USA und die Europäer ihre Sanktionen erst dann aufheben, wenn die Ukraine ihre Gebiete wiedererlangt hätte.
Was sich in den folgenden Monaten abspielte, war genau das Gegenteil eines erfolgversprechenden Versuchs, den Krieg zu beenden. Hauptverantwortlicher dafür war niemand geringer als Donald Trump. Er ging von der Vorstellung aus, dass er erst die Ukrainer und dann die Russen zu einem Waffenstillstand überreden müsste.

Phase eins: Trumps Versuche, Selenskyj zu einem Waffenstillstand zu bewegen
Der Versuch Trumps, die Ukraine von einem Waffenstillstand zu überzeugen, stand von Anfang an unter einem schlechten Stern. Das lag an Trumps Einstellung zur Ukraine. Schon 2024 hatte er sich in befremdlicher Weise zum Ukrainekrieg geäußert. Nach seinem Amtsantritt sorgte er durch russlandfreundliche Äußerungen für Verunsicherung. Er bezeichnete Selenskyj als Diktator und wies ihm die Hauptverantwortung für den Ausbruch des Krieges zu. Auch behauptete er, dass die USA die Ukraine mit 300 Milliarden Dollar ohne Rückzahlungsgarantie unterstützt habe. Nicht mal ein Drittel davon floss wirklich.
Daher forderte er, dass die Ukraine Schürfrechte an wichtigen Rohstoffen an die USA abtreten solle, bevor es weitere Unterstützung geben könne. Die Bitte der Ukraine um Sicherheitsgarantien wurde von ihm abgelehnt, das müssten die Europäer machen. Zudem erklärte er einen Beitritt der Ukraine zur NATO für ausgeschlossen. Im Februar besänftigten der britische Premierminister Keir Starmer und der französische Präsident Emanuel Macron ihn und versuchten, die absehbare Konfrontation zu verhindern.
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