conet-CEO Martin Wibbe: „Wir atmen Defense“
Interview mit Martin Wibbe, CEO bei conet
conet schärft mit HORIZON28 und dem Mission Statement „Leading forward“ sein Profil als Full-Service-IT-Dienstleister für Bundeswehr, Verwaltung und Wirtschaft. Im Gespräch mit ES&T-Chefreporter Burghard Lindhorst erläutert CEO Martin Wibbe Defense-Erfahrung, Wachstumspläne und conets Beitrag zur digitalen Sicherheitsarchitektur Europas.
ES&T: Sehr geehrter Herr Wibbe, bevor wir auf aktuelle Aspekte und neue Entwicklungen eingehen, lassen Sie uns kurz einen Blick zurückwerfen. Im kommenden Jahr feiern Sie 40-jähriges Firmenjubiläum. Wie fing es an mit conet?
Wibbe: Gerne. Ich bin seit April 2024 bei conet und habe eine sehr bewegte Unternehmenshistorie vorgefunden. Das sage ich voller Respekt aber auch ganz bewusst so, weil da nicht nur Highlights dabei waren.
Im Jahr 1987 in Hennef als Computer und Netzwerke GmbH gegründet, hat man sich von Beginn an auf das Geschäft mit der Bundeswehr konzentriert. Das hat dazu geführt, dass wir bis zum heutigen Tag ganz viele Menschen in unseren Teams haben und immer wieder neue Kolleginnen und Kollegen bekommen, die gedient haben und sich in dieser Sprache, in diesem Umfeld, in der Einsatzrealität extrem gut auskennen. Auf diese Konstante sind wir sehr stolz.
conet ist als Familienunternehmen sehr stark mit dem Kunden Bundeswehr gewachsen und hat sich darüber hinaus mittlerweile zu einem veritablen Player als IT-Dienstleister entwickelt. In den 2000er- und 2010er-Jahren verschoben sich mehrmals die Eigentümerschaften. Inzwischen werden wir von einem Privat Equity Investor finanziert.
Für uns ein Segen. Wir können das Unternehmen kontinuierlich und nachhaltig weiterentwickeln. Ganz wichtig: Wir sind in europäischer Hand, bei einem Investor, der diese europäischen Werte, die wir alle teilen, auch hegt und pflegt.

ES&T: Wie viele Mitarbeiter haben Sie, wo sind Sie hauptsächlich tätig?
Wibbe: Wir haben aktuell etwas mehr als 2.000 Mitarbeitende. Gut 200 davon sind in Kroatien, Spanien und Griechenland. Dort haben wir keinen lokalen Marktzugang, es geht rein darum, die Geschäfte, die wir in Deutschland, Österreich und der Schweiz, also der DACH-Region machen, zu stärken.
80 Prozent unseres Geschäftes findet in Deutschland statt, unserem Heimatmarkt, auf den wir uns fokussieren. Durch die Investoren-Backings haben wir Fremdkapital ins Unternehmen bekommen, kontinuierlich seit 2016 immer mal wieder Firmen zugekauft. Damit haben wir das Portfolio gestärkt und unsere Fachexpertise weiter ausgebaut.
conet steht für deutsche Systemkompetenz – verlässlich, integriert, einsatznah. Wir verstehen uns als Baustein in der digitalen Sicherheitsarchitektur Europas. Wir verbinden in unseren Leistungsfeldern operative Nähe, technologische Tiefe und souveräne Umsetzungskraft. Ziel ist nicht, nur Software zu liefern, sondern Wirkung zu erzeugen – im Einsatz, im Netz, im System.
Wir sind aktuell mit einem ganz stabilen Wachstum von 13 Prozent unterwegs. Wenn man der Bitkom-Studie glaubt, dass der deutsche IT-Markt um knapp 4,8 Prozent wächst, dann ist das also fast zweieinhalbfach so schnell wie der Markt. Wir sind nicht auf diesen Defense-Markt nachträglich aufgesprungen, sondern wir sind seit Jahrzehnten tief verwurzelt. Wir atmen Defense ein und aus. Das hat uns natürlich Stabilität gegeben. Fairerweise muss man auch sagen, dass die Krisen der letzten Jahre dazu führen, dass unser Kerngeschäft gestärkt ist.
ES&T: Seit 2024 stehen Sie an der Spitze des Unternehmens und haben dem gleich eine neue Strategie verordnet.
Wibbe: Ja, mit dem Strategieprogramm HORIZON28 fordern wir den IT-Beratungsmarkt in der DACH-Region heraus und positionieren uns als Full-Service-IT-Dienstleister mit echten End-to-End-Lösungen als Partner der Wahl für die Herausforderungen der Digitalisierung.
Wir brauchen eine klare Zielsetzung für conet. Wofür tun wir das? Können die Mitarbeitenden sich inhaltlich damit identifizieren? Was wollen die Kunden? Wie kann man beide Welten zusammenbringen?
Deswegen habe ich nach gut drei Monaten gesagt, wir brauchen eine Strategie. Warum HORIZON28 über drei Jahre? Man muss diesen Rahmen, den wir natürlich auch mit finanziellen Zielen hinterlegt haben, schon alle halbe Jahre überprüfen, ob er noch passt. Und nach rund drei Jahren hat sich in dieser schnelllebigen Zeit ohnehin so viel verändert, dass man neu justieren muss.
Es geht darum, in Deutschland weiter an Relevanz zu gewinnen. HORIZON28 ist eine klare, am Markt ausgerichtete Wachstumsstrategie.

ES&T: Was steht dabei für Sie im Mittelpunkt?
Wibbe: Unsere klare Positionierung und Transformation Richtung Full-Service-IT-Dienstleister. Als marktführende Themen sehen wir Digitale Verwaltung, Digitale Verteidigung sowie den Bereich Business Transformation & Platforms.
Was hebt uns von den anderen Wettbewerbern ab? Wir sind Partner auf Augenhöhe. Das ist die Kombination aus Mittelstandsnähe und Leistungsfähigkeit, eine hohe Reaktionsfähigkeit, unser tiefes, vertikales Branchen-Know-how und somit die Fähigkeit, Digitalisierung von Ende-zu-Ende zu denken, zu konzipieren und umzusetzen.
ES&T: Wie kann man das konkreter fassen?
Wibbe: Wir begleiten Bund, Länder und Kommunen partnerschaftlich bei der Modernisierung und Digitalisierung zentraler Verwaltungsprozesse und -strukturen. Wir betreiben Plattformen, managen und automatisieren Prozesse. So verbessern wir wirkungsvoll die Zusammenarbeit aller staatlichen Ebenen und öffentlichen Services.
Auch für Unternehmen konzipieren und integrieren wir Plattformen und Prozesse, die funktionieren. Das reicht vom IT-Service-Management über KI-gestützte End-to-End-Digitalisierung bis zu sicheren Cloud-Umgebungen. So schaffen wir auf die Kundenbedürfnisse zugeschnittene effiziente, vernetzte und zukunftsfähige IT-Landschaften.
Bei der Digitalen Verteidigung sprechen fast 40 Jahre Erfahrung für sich: Wir sind der zuverlässige Digitalisierungspartner für den Verteidigungssektor mit tiefer Kompetenz in Abläufen und Anforderungen ebenso wie in Systemen, Fachanwendungen und Architekturen. Wir erfahren hohe Akzeptanz durch Nachweisfähigkeit.
Hierzu ein Beispiel: conet begleitet die Bundeswehr seit Jahren bei der Digitalisierung ihrer logistischen Prozesse. Wenn eine Brigade nach Litauen verlegt, wissen wir, wie das technisch läuft und welche Logistik und eben auch welche Software dafür benötigt wird. Wir sind mit der Einsatzrealität vor Ort vertraut. Das unterscheidet uns von einem klassischen IT-Dienstleister, der das nicht weiß.
ES&T: Gibt es technologische Trends, die sich durch alle Themen ziehen?
Wibbe: Wir sehen in der Tat drei relevante Trends, auf die wir reagieren und Lösungen anbieten.
Beginnen wir mit souveränen und sicheren Cloud-Lösungen, auch unter Einbezug von Open-Source-Technologien, die für eine moderne und wettbewerbsfähige IT sorgen. Von der Strategie über die Migration bis hin zum sicheren Betrieb in Public, Private oder hybriden Multi-Cloud-Architekturen vom Hyperscaler bis zur BSI-zertifizierten conet Cloud. Im Fachjargon sprechen wir hier von Sovereign & Resilient Cloud.
Der zweite Trend trägt die Überschrift Trusted AI & Data. Wir verbinden Daten, generative KI sowie Data Governance zu vertrauenswürdigen und leistungsstarken Plattform- und Servicearchitekturen, um Organisationen intelligenter zu machen. Für mehr Effizienz, Transparenz, Automatisierung und fundierte Geschäftsentscheidungen in einer verantwortungsvollen digitalen Zukunft.
Und Cyber Security & Compliance ist natürlich für alle Kunden ein großes Thema. Wir stärken die digitale Souveränität und Sicherheit unserer Partner durch zuverlässige Beratung und kundenindividuelle Konzepte. Von Cyber Resilience und Compliance über sichere Softwareentwicklung bis zu BSI-konformen Umgebungen sorgen wir für maximalen Schutz, Transparenz und regulatorische Zukunftssicherheit.
Das sind die drei Trends, die wir identifiziert haben, die wir aufnehmen und in funktionierende Lösungen umsetzen.
ES&T: Wenn Sie über diese aktuellen Trends hinaus weiter in die Zukunft blicken, was sehen Sie auf die Branche zukommen?
Wibbe: Auch hier sind es wieder drei Themen, auf die wir uns konzentrieren. Im Fachjargon sprechen wir von Agentic AI, AI-Driven Enterprise Architecture, Human & Citizen Experience. Was verbirgt sich dahinter?
Beginnen wir mit Agentic AI. Wir wissen, wie KI wirkungsvoll unterstützt, entwickeln und betreiben die passenden souveränen, agentenbasierten KI-Systeme, um Prozesse zu automatisieren und Mitarbeiter von Routinetätigkeiten zu entlasten. So steigern wir Effizienz, Qualität und Innovationskraft für eine zukunftsfähige, intelligente Gesellschaft, in der Mensch und KI produktiv Hand in Hand arbeiten.
Des Weiteren verbinden wir Architekturmanagement, KI und Datenstrategien, um komplexe IT- und Geschäftsarchitekturen zu durchgängig intelligenten, datengetriebenen Ökosystemen zu entwickeln und einen hohen Automatisierungsgrad zu erhalten. Das Ergebnis: mehr Transparenz, Effizienz und Zukunftsfähigkeit in der digitalen Wertschöpfung unserer Kunden.
Im Themenfeld Human & Citizen Experience schaffen wir digitale Erlebnisse, die Menschen intuitiv verstehen. Ziele sind nutzerorientierte, barrierefreie und sichere Nutzererfahrungen, effizientere Kommunikation und Interaktion. Auf diese Weise vernetzen wir Verwaltung, Unternehmen und Gesellschaft transparent und ermöglichen neue, digitale Geschäftsmodelle.
ES&T: Zeigt die neue Strategie schon erste Erfolge?
Wibbe: Ja, ganz klar messbar. Mit unserem Dreijahres-Strategieprogramm HORIZON28 sind wir auf Erfolgskurs. Der Umsatz ist im Geschäftsjahr 2024/25 auf über 305 Millionen Euro gewachsen. In der sogenannten Lünendonk-Liste, dem Anbieterranking für IT-Beratungs- und Systemintegrations-Unternehmen in Deutschland, haben wir uns um zwei Plätze auf aktuell Platz 18 verbessert. Wenn man nur die mittelständischen Unternehmen betrachtet, sind wir klar in der Spitzengruppe. Und wir wollen weiter wachsen, schneller als der Durchschnitt und bis zum Jahr 2028 den Jahresumsatz auf 500 Millionen Euro steigern.
ES&T: Wie wollen Sie dieses überdurchschnittliche Wachstum in den nächsten Jahren erzielen?
Wibbe: Indem wir beim Transformationsprozess den nächsten konsequenten Schritt gehen.
Wir haben Anfang Dezember die Unternehmensstruktur vereinheitlicht, auch mit neuem Branding und dem neuen Leitspruch „Leading forward“. Wir werden unsere Leistungsfähigkeit und Lieferfähigkeit weiter steigern, die Leistungen für unsere Kunden noch schneller, agiler und präziser erbringen und klare gemeinsame, einheitliche Werte und Identität nach innen und außen leben.
Als Kernbranchen sehen wir den Public Sector & Defense plus Automotive. Wachstum wollen wir insbesondere auch in den Sektoren Finance & Insurance, Manufacturing und Energies & Utilities erzielen.
ES&T: Hört sich als Plan gut an. Dazu brauchen Sie aber erstmal mehr Personal …
Wibbe: In der Tat. Wir planen 400 Neueinstellungen. Mit Investitionen in Know-how und Fachpersonal stärken wir gezielt den Bereich Public Sector & Defense. Wir sind der digitale Enabler für moderne Verwaltung und digitale Souveränität. Die strategische Relevanz der Gründung des Bundesministeriums für Digitales und Staatsmodernisierung haben wir aktiv antizipiert.
ES&T: Und wofür steht „Leading Forward“, Ihr neues Mission Statement?
Wibbe: Ich will es so auf den Punkt bringen: Als Full-Service-IT-Dienstleister begleiten wir den öffentlichen Sektor, unsere Verteidigungsbranche und Unternehmen auf ihrem Weg in die digitale Zukunft – mit Lösungen, die Leistung, Sicherheit und Zukunftsfähigkeit vereinen und Souveränität und Fortschritt sichern. Heute und morgen.
Das Interview führte Burghard Lindhorst
Mehr zur neuen Strategie und dem neuen Branding von conet erfahren Sie hier:



