Die Deutsche Marine hat am 16. Dezember auf dem Marinestützpunkt Nordholz den ersten Bordhubschrauber NH90 Sea Tiger aus der Serienproduktion übernommen. Zuvor hatte Bundesminister Boris Pistorius in Berlin den Hubschrauber formal entgegengenommen. Zu den hochkarätigen Teilnehmern zählte auch Marine-Inspekteur Vizeadmiral Jan Christian Kaack, die damit den technologischen Meilenstein für die U-Boot-Jagd und die Seekriegsführung unterstrichen, den der Multi-role Frigate Helicopter (MRFH) setzt. Bis 2030 sollen insgesamt 31 Hubschrauber ausgeliefert werden. Die Sea Tiger sind als Bordhubschrauber für die Fregatten F124, F125 und F126 vorgesehen.
NH90 Sea Tiger neueste Weiterentwicklung
Die Hubschrauber werden nach und nach die veraltete Mk88A Sea Lynx-Flotte der deutschen Marine ersetzen, die 1981 in Dienst gestellt wurde. Die deutsche Marine betreibt bereits 18 NH90 Sea Lion-Marinetransporthubschrauber, die zwischen 2019 und 2023 termingerecht ausgeliefert wurden. Sie werden kontinuierlich für Such- und Rettungsmissionen auf See und an Bord von Versorgungsschiffen der 702-Klasse eingesetzt.
Nach Angabe von Airbus ist der NH90 Sea Tiger die neueste Weiterentwicklung des NH90 NFH und bietet weltweit führende Fähigkeiten für U-Boot-Bekämpfungs- (Anti-Submarine Warfare, ASW) und Überwasserkampf- (Anti-Surface Warfare, AsuW) Missionen. Er sei speziell für die Anforderungen der deutschen Marine an einen hochmodernen U-Boot-Bekämpfungshubschrauber entwickelt worden. Zu den Neuerungen gehören Airbus zufolge ein neues elektrooptisches System und verbesserte elektronische Unterstützungsmaßnahmen (Electronic Support Measures, ESM). Darüber hinaus ist der Sea Tiger mit einem Tauchsonar, Sonarbojen und Waffen (Torpedos und Raketen) ausgestattet.
Einsatzprofil des Sea Tiger
Zu den Aufgaben des Sea Tiger an Bord von Schiffen gehören neben Aufklärung und Transport auch der Angriff auf Ziele über und unter der Wasseroberfläche. Diese Systeme wurden im Rahmen verschiedener Testkampagnen im Mittelmeer und in der Nordsee getestet und qualifiziert.
Der Sea Tiger stellt einen qualitativen Sprung in der maritimen Gefechtsführung dar, schreibt die Deutsche Marine. Mit seiner weiterentwickelten Sensorik und Bewaffnung seien die Fregatten der Deutschen Marine künftig deutlich schlagkräftiger. „Der Hubschrauber ermöglicht uns eine moderne Seekriegsführung zur Bekämpfung von Unter- und Überwasserbedrohungen aus der Luft“, erklärt der Inspekteur der Marine, Vizeadmiral Jan Christian Kaack.
Moderne Aufklärungssysteme
Ausgestattet mit modernster Avionik, hochpräziser Sensorik und leistungsfähigen Waffen, einschließlich Torpedo und Seezielflugkörper, deckt der Sea Tiger als „fliegendes Auge“ der Flotte ein breites Einsatzspektrum über und unter Wasser ab. Er ergänzt die Hubschrauberflotte der Deutschen Marine um ein wesentlich leistungsfähigeres Mittel zur maritimen Abschreckung, Aufklärung und Gefechtsführung. In Ergänzung zum bisher in der Seenotrettung eingesetzten NH-90 NTH Sea Lion verfügt der Sea Tiger über ein Tauchsonar und modernes Sonarbojen-System für ein präzises Unterwasserlagebild und die Ortung von U-Booten. Zusätzlich ist der Hubschrauber mit elektro-optischen Sensoren und Kamerasystemen zur Seeraumüberwachung und Zielaufklärung ausgestattet.
NHIndustries hat 135 NH90 an Seestreitkräfte ausgeliefert
NHIndustries ist nach eigener Angabe das größte Joint Venture im Bereich Drehflügler und verantwortlich für die Konstruktion, Herstellung und den Support des NH90-Hubschraubers, einem der führenden Militärhubschrauber der neuesten Generation. Das Unternehmen vereine das Beste aus der europäischen Drehflügler- und Verteidigungsindustrie und befindet sich im Besitz von Airbus Helicopters (62,5 Prozent), Leonardo (32 Prozent) und GKN Fokker (5,5 Prozent).
Bisher seien 135 NH90-Hubschrauber für die Marine an sechs Länder ausgeliefert, so NHIndustries. Die Hubschrauber haben über 90.000 Flugstunden bei Such- und Rettungs-, humanitären und militärischen Einsätzen absolviert. Weltweit sind mehr als 530 NH90-Hubschrauber im Einsatz, die zusammen fast 500.000 Flugstunden absolviert haben.
Gerhard Heiming
















