Die Bundeswehr will die Serienproduktion von geschützten Transportpanzern der neuen Generation, Patria 6×6, aus dem internationalen Kooperationsprogramm Common Armoured Vehicles System, CAVS) starten.  Der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages hat am 17. Dezember eine entsprechende 25-Millionen-Euro-Vorlage zur Kenntnis genommen und für die Bestellung von 296 Transportpanzern rund 959 Millionen Euro freigegeben.

Hauptauftragnehmer ist der finnische Fahrzeugherstellt Patria Land, der über die Unterauftragnehmer KNDS Deutschland Maintenance und FFG Flensburger Fahrzeugbau einen Teil der Produktion in Deutschland durchführen wird.

747 Millionen Euro für 228 TPz NG

Mit den CAVS-Fahrzeugen will die Bundeswehr über 1.000 Transportpanzer 1 (TPz 1) ablösen, die das Nutzungsdauerende erreichen. Die bisher über 30 realisierten Varianten des TPz 1 sollen auf etwa 20 reduziert werden.

Drei Varianten des TPz NG sollen mit dem ersten Serienvertrag fest bestellt werden: zehn TPz, konfiguriert wie der schwedische Truppentransporter (APC), 170 Fahrzeuge in der Variante Pioniergruppentransport (PiGrp) und 48 Fahrzeuge in der der Variante Panzeraufklärungsgruppentransport (PzAufklGrp). Darüber hinaus soll optional die Lieferung weiter 54 PiGrp- und 14 PzAufklGrp-Fahrzeuge vereinbart werden. Für die Festbestellung sind 747 Millionen Euro vorgesehen. Die Option schlägt mit 212 Millionen Euro zu Buche. Um den Aufbau der Produktionsstätten zu unterstützen, ist eine Vorauszahlung in Höhe von 188 Millionen Euro geplant.

Zum Lieferumfang der Fahrzeuge gehören u.a. Sonderwerkzeugsätze für Fahrzeug und Waffe, Gleitschutzketten, ein Ersatzteil-Erstbedarf und ein Einsatzvorrat für 30 Einsatztage sowie mobile Tarnausstattung. Hinzu kommen Ausbildungsanteile und logistische Unterstützung.

Lieferungen bis 2029

Als erste Fahrzeuge sollen die zehn APC in schwedischer Konfiguration schon im Januar 2026 geliefert werden. Diese sind für die integrierte Nachweisführung und die Kaderausbildung vorgesehen. Ab Ende 2026 bis Ende 2027 ist die Lieferung von PiGrp-Fahrzeugen aus finnischer Produktion geplant. Anschließend sollen bis Ende 2028 weitere PiGrp-Fahrzeuge aus deutscher Produktion geliefert werden. Die TPz PzAufklGrp werden ab Ende 2028 geliefert, zunächst einige aus finnischer und die Masse aus deutscher Produktion. Der Abschluss wird Mitte 2029 erwartet.

Die ersten Transportpanzer Neue Generation Patria 6x6 werden in der Konfiguration der schwedischen APC geliefert. (Foto: FMV)
Die ersten Transportpanzer Neue Generation Patria 6×6 werden in der Konfiguration der schwedischen APC geliefert. Foto: FMV

Falls die Option ausgelöst wird, sollen die zusätzlichen 68 Fahrzeuge als Stückzahlerhöhung im oben genannten Zeitraum bis 2029 produziert werden. Dann werden nach dem Anlaufjahr mit 14 TPz NG in den Folgejahren 90, 110 bzw. 62 TPz ausgeliefert.

Gemeinsame Entwicklung moderner Fahrzeuge

Das CAVS-Programm basiert auf dem Patria 6×6-Radpanzer, der bereits von mehreren NATO-Staaten genutzt wird. Die Fahrzeuge sollen nicht nur modernste Mobilität und Schutz in komplexen Einsatzszenarien bieten, sondern auch durch die Einbindung der jeweiligen nationalen Industrie eine lokale Fertigung, Wartung und Versorgungssicherheit gewährleisten. Patria hat bislang fast 1.000 Fahrzeuge im Rahmen des Programms unter Vertrag, von denen über 250 bereits ausgeliefert wurden.

Der amphibische Patria 6×6 wird von einem Scania DC09 5-Zylinder Diesel mit 294 kW angetrieben. Er erreicht damit eine Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h an Land und acht km/h im Wasser. Von dem Gefechtsgewicht in Höhe von 24 Tonnen stehen 8,5 Tonnen für Nutzlast zur Verfügung. Die Besatzung mit bis zu zehn Soldaten ist mit dem Grundschutz bis Level 2 nach STANAG 4569 geschützt. Der Schutz kann bis Level 4 gesteigert werden. Für den Selbstschutz sind Waffenstationen Protektor RS4 von Kongsberg vorgesehen.

Entwicklungsaufträge

Die Bundeswehr hat Patria im zurückliegenden Jahr Entwicklungsaufträge für die TPz mit Missionsausstattungen für den vollautomatischen NEMO-Mörser und für das Pioniergruppenfahrzeuge erteilt. Der NEMO-Auftrag war der deutsche Einstieg in das Beschaffungsprogramm. Damit sind bisher Aufträge für vier Varianten erteilt.

Der Generalinspekteur hat im Juli einen Bedarf von insgesamt 4.000 TPZ NG im Zeitraum bis nach 2035 gebilligt. Um den Bedarf zu decken ist noch eine Reihe von Varianten zu entwickeln. Wegen der Modularität des Patria 6×6 wird es manchen Fällen ausreichen, den Testsatz zu entwickeln oder anzupassen.

Gerhard Heiming