Zwei Rahmenverträge zur Beschaffung von geschützten 6×6 Radfahrzeugen aus dem Sieben-Nationen-Programm „Common Armoured Vehicle System“ (CAVS) hat das BAAINBw am 18. Dezember mit dem Hersteller Patria Land abgeschlossen.

Die Verträge haben Patria zufolge zusammen einen Auftragswert über zwei Milliarden Euro, wovon etwa die Hälfte auf Festbestellungen entfällt. Insgesamt sind 876 Transportpanzer (TPz) in vier Varianten bestellt worden. Darunter sind TPz mit dem Patria NEMO-Turmmörsersystem und der fernbedienbaren Waffenanlage RS4 von Kongsberg.

Der Patria 6×6 aus dem CAVS-Programm soll in Deutschland über 1.000 Transportpanzer 1 ablösen und darüber hinaus zusätzlichen Bedarf abdecken. (Foto: Patria)

Transportpanzer, Panzermörser und Feuerleitfahrzeuge

Der größte Anteil bei den Festbestellungen entfällt mit 228 Fahrzeugen auf TPz in den Varianten Pioniergruppentransport (PiGrp) – 170 Fahrzeuge –, Panzeraufklärungsgruppentransport (PzAufklGrp) – 48 Fahrzeuge – und zehn in der Konfiguration wie der schwedische Truppentransporter (APC). Dafür sind 747 Millionen Euro vorgesehen.

Optional ist die Lieferung weiterer 54 PiGrp- und 14 PzAufklGrp-Fahrzeuge vereinbart worden. Dafür stehen 212 Millionen Euro zur Verfügung.

Aus dem Rahmenvertrag Panzermörser wurden 69 CAVS-Mörserträger mit dem automatischen schweren Panzermörser 120mm festbestellt sowie 52 TPz in der Variante Feuerleitung. Der Wert des Abrufs kann mit rund 300 Millionen Euro abgeschätzt werden. Als Optionen stehen 61 Panzermörser und 398 Feuerleitfahrzeuge auf der Liste. Bei Abruf aller Optionen wird sich der der finanzielle Aufwand auf rund 800 Millionen Euro belaufen.

CAVS Lieferplan – Produktion in Deutschland

Zunächst liefert Patria schon im Januar 2026 die zehn APC in schwedischer Konfiguration. Diese sind für die integrierte Nachweisführung und die Kaderausbildung vorgesehen. Ab Ende 2026 bis Ende 2027 ist die Lieferung von PiGrp-Fahrzeugen aus finnischer Produktion geplant. Parallel dazu erfolgt der Technologietransfer von Patria an die deutschen Industriepartner Flensburger Fahrzeugbaugesellschaft FFG, Jungenthal Wehrtechnik (JWT) und Defence Service Logistics (DSL)ein Unternehmen der KNDS-Gruppe, mit denen Patria Anfang 2024 eine Vereinbarung über eine industrielle Zusammenarbeit unterzeichnet hat. Die ersten vollständig vor Ort gebauten gepanzerten Fahrzeuge werden 2027 ausgeliefert, und die volle lokale Produktionskapazität wird aufgebaut, um den möglichen zukünftigen Bedarf der Bundeswehr zu decken.

Anschließend sollen bis Ende 2028 weitere PiGrp-Fahrzeuge aus deutscher Produktion geliefert werden. Die TPz PzAufklGrp werden ab Ende 2028 geliefert, zunächst einige aus finnischer und die Masse aus deutscher Produktion. Der Abschluss wird Mitte 2029 erwartet.

Für die Panzermörser NEMO hat die Bundeswehr im April 2025 einen Entwicklungsauftrag erteilt, nach dem das erste Fahrzeug bereits ausgeliefert sein müsste. Ein weiterer Panzermörser und eine Feuerleitfahrzeug sollen im 2. Halbjahr 2026 geliefert werden. Die Qualifizierung soll bis 2028 abgeschlossen sein. Trotzdem soll die Serienproduktion anlaufen mit ersten Serienfahrzeugen ab 2027.

Der schwere Panzermörser NEMO auf dem Patria 6×6-Trägerfahrzeug wird zurzeit von Patria entwickelt und soll beginnend ab 2027 in Serie ausgeliefert werden. (Foto: Patria)

Weiterer Bedarf der Bundeswehr

Die beiden Rahmenverträge decken nur einen Teil des Bedarfs der Bundeswehr ab. Allein über 1.000 TPz 1 sollen abgelöst werden. Dazu dienen die 228 Varianten APC, PiGrp und PzAufklGrp. Die Panzermörser und Feuerleitfahrzeuge sind eine neue Fähigkeit, die bei den TPz 1 nicht abgebildet war. Neben dem Ersatzbedarf hat sich durch die Bedrohung aus Russland und die dadurch erhöhten NATO-Forderungen sowie durch die Einführung der Mittleren Kräfte ein weiterer Bedarf herauskristallisiert. Im Juli 2025 hat der Generalinspekteur einen Bedarf von insgesamt 4.000 TPZ NG im Zeitraum bis nach 2035 gebilligt. Um den Bedarf zu decken ist noch eine Reihe von Varianten zu entwickeln. Wegen der Modularität des Patria 6×6 wird es manchen Fällen ausreichen, den Rüstsatz zu entwickeln oder anzupassen.

Erste CAVS-Fahrzeuge in der Ukraine

Für Patria und die finnischen Streitkräfte, den Initiatoren des CAVS-Programms, hat sich der internationale Ansatz als Erfolg erwiesen. Bisher liegen nach Patria-Angaben über 2.000 Bestellungen aus den sieben Partnerländern vor. Mehr als 250 seien bereits ausgeliefert. Erste Fahrzeuge sollen in der Ukraine im Einsatz sein.

Gerhard Heiming