Mit einer synchron herausgegebenen Mitteilung gaben HII und Babcock am 9. Dezember bekannt, dass sie ihre 2023 begründete strategische Partnerschaft deutlich vertiefen wollen: HII „deepens partnership with Babcock International Group in support of Virginia-Class submarine construction“, Babcock meldet einen neuen Vertrag zur Unterstützung des Baus von Virginia‑U‑Booten bei Newport News Shipbuilding. Der Schritt erfolgt vor dem Hintergrund einer US‑amerikanischen Submarine Industrial Base, die mit Kosteninflation, Fachkräftemangel, überlasteten Lieferketten und einem schleichenden Kompetenzverlust ringt – Problemen, denen die neue US‑Administration mit höheren Baudichten und gezielten Kapazitätsausweitungen begegnen will.

Chris Kastner (r.), HII president and CEO, David Lockwood, CEO Babcock International Group (Foto: HII)

Virginia Block VI-Sektionen aus Schottland

Im Kern bedeutet die Vereinbarung für Babcock, komplexe U‑Boot‑Sektionen („complex submarine assemblies“) für Angriffs-U-Boote der Virginia‑Klasse Block VI zu fertigen. Die Endmontage soll bei Newport News Shipbuilding erfolgen. Für HII geht es darum, in Virginia den Durchsatz zu erhöhen, Engpässe beim „large structure work“ zu entschärfen und die Verwundbarkeit der eigenen Lieferkette zu verringern – ein erklärtes Ziel des Konzerns, der mit der Virginia‑ und der künftigen AUKUS‑Klasse parallel herausfordernde Bauprogramme zu stemmen hat. Im Zusammenhang mit der Kiellegung der „USS Barb“ berichteten wir über den auf der Submarine Industrial Base liegenden Druck.

Roll-Out der USS Montana (Foto: HII)

Für Babcock markiert der Vertrag nach Experteneinschätzung mehr als nur ein zusätzliches Arbeitspaket. Das Unternehmen positioniert Rosyth als Fertigungsstandort für hochkomplexe U‑Boot‑Strukturen im US‑Programm und monetarisiert Fähigkeiten, die bislang vor allem für britische Plattformen genutzt wurden. Zugleich erfüllt Babcock damit eine naheliegende Rolle im AUKUS‑Kontext: Als zentrale britische U‑Bootwerft war das Unternehmen ohnehin gesetzt, substanzielle Beiträge zu leisten; die Arbeit an Virginia‑Sektionen verankert diese Rolle nun konkret in der industriellen Arbeitsteilung, von der auch künftige Aufgaben bei Entwurf, Refits und Lebenswegbetreuung abhängen dürften.

Babcock um Schritthalten bemüht

Der Schritt kommt zu einem Zeitpunkt, an dem Babcock selbst mit anspruchsvollen Bau- und Modernisierungsvorhaben für die Royal Navy ringt: Verzögerungen bei Verfügbarkeit und Instandsetzung der Flotte sowie der parallele Ausbau von Infrastruktur in Devonport und Rosyth zeigen, wie eng die Kapazitätsdecke ist. Das Virginia‑Paket soll dennoch beherrschbar bleiben, weil es, so Babcock, strukturelle Baugruppen ohne vollständige Systemintegration umfasst und auf den Ausbau von Rosyth als eigenständigem Kapazitätshub mit zusätzlicher Workforce und neuen Hallen aufsetzt.

Die Kiellegungs-Zeremonie der „HMS Formidable“ (Foto: Babcock)

Einordnung

Strategisch fügt sich der Deal in die 2023 vereinbarte Rahmenpartnerschaft der beiden Unternehmen ein, die nukleare Abrüstung, Neubau und Lieferantenqualifizierung in den USA, Großbritannien und Australien umfasst. Programme wie das Australian Submarine Supplier Qualification (AUSSQ) sollen die Industrie in allen drei AUKUS‑Staaten enger verzahnen – die Vergabe von Block‑VI‑Sektionen nach Schottland ist damit ein praktischer Baustein einer transatlantisch‑pazifischen U‑Boot‑Wertschöpfungskette.

Im nuklearen U‑Bootbau der USA bleibt dieser Schritt dennoch bemerkenswert: Historisch war die Submarine Industrial Base stark national geschlossen, und auch unter AUKUS waren eher Komponentenbeiträge denn die Fertigung großer Rumpfsektionen im Ausland diskutiert worden. Die Vergabe von komplexen Strukturen nach Rosyth wirkt damit weniger wie ein strategischer Akt freiwilliger Marktöffnung, sondern eher wie eine von US‑Marine, Kongress und Fachanalysten beschriebene zwingende Folge: Nur mit zusätzlichen Kapazitäten in Partnerländern lassen sich die ambitionierten Virginia‑ und AUKUS‑Ziele trotz struktureller Engpässe der US‑Submarine Industrial Base erreichen.

Für sicherheitspolitische Beobachter ist der Vertrag ein Indikator dafür, dass die USA bereit sind, hochsensible U‑Boot‑Kapazitäten arbeitsteilig mit engsten Verbündeten zu teilen, wenn dies Produktionsrisiken senkt und die AUKUS‑Architektur stützt – und damit zugleich den Druck auf andere Werften erhöhen, sich als belastbare Systemlieferanten in einem zunehmend blockorientierten Markt zu behaupten.

Hans Uwe Mergener