Am 18. Dezember hat das italienische Heer die erste Skynex-Batterie von Rheinmetall übernommen. Von der Übergabe im Comando Artiglieria Controaeri (Kommando Flugabwehrartillerie) in Sabaudia hat das Unternehmen am 23. Dezember berichtet. Damit entstehe bei den italienischen Streitkräften die Fähigkeit zur Abwehr von Angriffen aus der Luft im Nah- und Nächstbereich, schreibt Rheinmetall. Insbesondere werde damit auch eine wirkungsvolle Bekämpfung von Drohnen möglich, die – wie im Kriegsgeschehen in der Ukraine zu sehen – in heutigen und künftigen Konflikten eine immer größere Rolle spielen und den Krieg in die Städte tragen.
Das italienische Verteidigungsministerium hatte im Januar mit Rheinmetall Italia die Lieferung eines Skynex-Systems im Wert von 73 Millionen Euro vereinbart. Der Vertrag enthält eine Option über weitere drei Systeme zum Preis von 204 Millionen Euro bis 2027.

Modulares Skynex zur Abwehr im Nah- und Nächstbereich
Das Skynex-System ist ein kanonenbasiertes Flugabwehrsystem, das besonders im Nahbereichsschutz effektiv ist, bei dem Lenkwaffen nicht mehr eingesetzt werden können. Das System besteht aus einer Sensor- und Trackingeinheit zur Luftraumüberwachung, einer Kontrollstation für die Befehls- und Waffeneinsatzführung sowie vier Feuereinheiten. Für die Luftraumüberwachung setzt das System auf das XTAR 3D-Radar von Rheinmetall, das einen Erfassungsradius von bis zu 50 Kilometern abdeckt. Die Modularität des Systems ermöglicht es, verschiedene moderne Flugabwehrmittel zu integrieren, darunter auch bestehende Rheinmetall-Systeme wie Skyshield und Skyguard. Dies gewährleistet eine hohe Flexibilität, da die entsprechenden Sensoren und Effektoren je nach Bedarf in das System eingebunden werden können.
Die Revolverkanone verwendet programmierbare Ahead-Munition, die besonders resistent gegen elektronische Gegenmaßnahmen ist und eine präzise Bekämpfung von Luftzielen wie Raketen, Artilleriegeschossen, Mörsern sowie Drohnen und Loitering Munition ermöglicht.
Durch die gegebene Modularität können, je nach Mission, die benötigten Mittel an das Führungsnetz angeschlossen werden. Sensoren- wie effektorenseitig bietet Skynex große Flexibilität, so kann eine Vielzahl moderner Flugabwehrmittel in das System integriert werden. Einzige Voraussetzung ist das Vorhandensein einer eigenen Trackingeinheit.
Neben einzelnen Sensoren und Effektoren können auch bestehende Flugabwehrsysteme wie die bewährten Skyshield und Skyguard-Familien von Rheinmetall als Feuereinheiten in die neue Architektur eingebaut werden. Die erkannte Luftlage wird in einer abgesetzten Befehls- und Waffeneinsatzzentrale auf einer Karte mit den im Feld positionierten Sensoren und Effektoren dargestellt und vereinfacht so die Zielzuweisung an die am System angeschlossenen Flugabwehrmittel.
Skynex in internationaler Nutzung
Italien ist Rheinmetall zufolge der erste NATO-Mitgliedstaat, der sich für die Skynex-Technologie in Verbindung mit der 35mm-Revolverkanone Mk3 von Rheinmetall entschieden hat. Das Unternehmen sieht den Auftragserfolg als wichtigen Baustein in seiner Strategie, im Bereich der kanonenbasierten Flugabwehr einen neuen Standard bei den internationalen Streitkräften zu etablieren.
Auch das NATO-Mitglied Rumänien hatte sich jüngst für Skynex in Verbindung mit einem anderen, dort bereits vorhandenen Geschütztyp (GDF-009 Zwillingsgeschütz) entschieden. Bei den Streitkräften der Ukraine bewähren sich Skynex-Flugabwehrsysteme bereits seit Anfang 2024 unter den harten Einsatzbedingungen des Krieges und beweisen ihren Wert zum Schutz von Menschen und Objekten vor Bedrohungen aus der Luft.
Gerhard Heiming

















