
Startschuss für Mitteldeutschlands Sicherheitsindustrie
Jürgen Fischer
Am 27. November hat das im September gegründete Mitteldeutsche Institut für Sicherheitsindustrie (MISI) mit einer Gründungsveranstaltung in der Alten Börse in Leipzig offiziell seine Arbeit aufgenommen. Rund 120 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Bundeswehr, Industrie, Forschung und Politik kamen zusammen, um über Marktzugang, Innovation und Wertschöpfung in der Sicherheits- und Verteidigungswirtschaft zu diskutieren. Mitveranstalter ist der Branchenverband SACHSENMETALL.

Mitteldeutschland als Standort der Sicherheits- und Verteidigungswirtschaft stärken
Ziel des MISI ist es, Mitteldeutschland – konkret Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen – als leistungsfähigen Standort der Sicherheits- und Verteidigungswirtschaft national und europäisch sichtbarer zu machen, regionale Wertschöpfung zu erhöhen und den Zugang mittelständischer Unternehmen zu Beschaffungsprozessen zu erleichtern. Das Institut versteht sich dabei als Plattform, die Unternehmen, Forschungseinrichtungen, Behörden und Beschaffungsstellen zusammenführt und Dual-Use-Potenziale sowie regionale Zulieferketten systematisch erschließen soll.
MISI vernetzt Mittelstand, Forschung und Bundeswehr
Initiator ist der Leipziger Bundestagsabgeordnete Jens Lehmann (CDU). Für ihn steht die Gründung in direkter Verbindung mit der sicherheitspolitischen „Zeitenwende“: „Die Zeitenwende bedeutet nicht nur höhere Verteidigungsbudgets, sie verlangt neue industrielle Antworten“, betont Lehmann. Mitteldeutschland bringe dafür Stärken wie Maschinenbau, Mikroelektronik, Sensorik, Software und eine leistungsfähige Forschungslandschaft mit, die einen substanziellen Beitrag zur Verteidigungsfähigkeit Deutschlands und Europas leisten könnten.
Generalmajor a.D. Markus Kurczyk, Vorsitzender und Institutsleiter des MISI, ordnet die Initiative sicherheitspolitisch ein: „Die sicherheitspolitische Lage macht es zwingend erforderlich, industrielle Fähigkeiten gezielt zu bündeln – genau dafür wurde das MISI geschaffen.“ Mitteldeutschland verfüge über eine starke industrielle Basis, qualifizierte Zulieferer und exzellente Forschung, die bislang jedoch nur unzureichend in verteidigungs- und sicherheitsrelevante Projekte eingebunden seien. Das Institut soll diese Akteure künftig enger vernetzen, sichtbarer machen und systematisch in Projekte einbinden.
Kurczyk verweist zugleich auf eine politisch wie gesellschaftlich sensible Debatte: Verteidigungsfähigkeit sei eine Bundesaufgabe, entstehe aber regional vor Ort. Investitionen in Sicherheits- und Verteidigungsindustrie müssten deshalb auch in Form von Beschäftigung und Wertschöpfung in den Ländern ankommen – gerade in Regionen mit Transformationsdruck, etwa durch den Rückgang klassischer Automobilproduktion. Das MISI wolle diese Diskussion nicht hinter verschlossenen Türen führen, sondern bewusst transparent und im Dialog mit Politik und Öffentlichkeit.
Roadmap bis 2027: Mehr Transparenz, Innovation und Wertschöpfung
Mit einer Roadmap bis 2027 startet das Institut in die operative Phase. Geplant sind unter anderem Formate zur besseren Transparenz von Beschaffungswegen, ein Dual-Use-Innovation-Hub, eine Industriekarte Mitteldeutschlands und ein „Schaufenster Sicherheitsindustrie“, das die Fähigkeiten regionaler Unternehmen gegenüber Bundeswehr, großen Systemhäusern und internationalen Beschaffern sichtbar machen soll. Ab Januar 2026 sollen zudem thematische Branchen-Workshops – von Drohnen und Landsystemen über Radar/Sensorik und Führungsnetze bis zu Cyberverteidigung und Kryptografie – den Mittelstand gezielt an sicherheits- und verteidigungsnahe Märkte heranführen.
Jürgen Fischer






