Die Inbetriebnahme des Flugabwehrsystems Arrow macht Fortschritte. Nachdem der Inspekteur Luftwaffe im Mai erste Komponenten des 2023 bestellten Systems formal übernommen hatte, erreicht die Luftwaffe in den nächsten Tagen eine Anfangsbefähigung (Initial Operational Capability, IOC). Am Arrow-Standort Schönwalde wollen Generalinspekteur Carsten Breuer und der Inspekteur Luftwaffe, Generalleutnant Holger Neumann am 3. Dezember das Erreichen der Anfangsbefähigung offiziell erklären.

In einem Vertrag mit der israelischen Regierung hat Deutschland 2023 die Lieferung des Raketenabwehrsystems Arrow mit dem Effektor Arrow 3 für rund drei Milliarden Euro vereinbart. Nach Angaben des israelischen Verteidigungsministeriums stellt das Arrow-3-Raketenabwehrsystem die Spitze der weltweiten Technologie dar und ist darauf ausgelegt, ballistische Raketen aus der Exo-Atmosphäre abzufangen.

Das Luftverteidigungssystems „Arrow 3“ soll künftig Bestandteil der Territorialen Flugkörperabwehr der Bundeswehr sein. (Foto: U.S. Missile Defense Agency

Mit dem zu beschaffendem Arrow-Raketenabwehrsystem kann ein 360-Grad-Abwehrschirm über Deutschland aufgespannt werden, schreibt die Luftwaffe. Damit könne der Schutz Deutschlands, seiner Bevölkerung und seiner kritischen Infrastruktur gegen weitreichende Flugkörper sichergestellt werden. Einhergehend werde damit auch der europäische Pfeiler der Luftverteidigungsfähigkeit der NATO gestärkt, auch wenn das System rein national beschafft wird.

Arrow schützt vor Mittel- und Langstreckenraketen

Das Raketenabwehrsystem Arrow besteht aus einem Führungsgefechtsstand (Fire Control Center, FCC), Radargeräten mit dem Feuerleitradar Green Pine für die Entdeckung und Verfolgung von anfliegenden Raketen, Startgeräten mit je vier Arrow 3-Lenkflugkörpern mit Launcher Control Center und den Effektoren des Typs Arrow 3.

Der Effektor Arrow 3 kann Mittel- und Langstreckenraketen noch im Weltraum neutralisieren. Die Reichweite wird auf 2.000 Kilometer geschätzt. Die Abfanghöhe soll über 100 Kilometer liegen und reicht damit in den erdnahen, exosphärischen Orbit (Low Earth Orbit, LEO). Die Rakete wirkt im „Hit-to-Kill“-Prinzip durch direkten kinetischen Einschlag in das feindliche Objekt.

Die Luftwaffe hat darüber hinaus Bedarf für den Effektor Arrow 4 angemeldet, der zurzeit in Israel entwickelt wird. Arrow 4 kann die endosphärische Schicht zwischen Patriot und Arrow 3 abdecken. Die Reichweite soll mit 1.000 bis 1.500 Kilometern etwas geringer sein als bei Arrow 3. Die Abfanghöhe wird bei 30 bis 100 Kilometern gesehen. Als Wirkprinzip kommen je nach Bedarf „Hit-to-Kill“ oder ein Sprengkopf zum Einsatz. Arrow 4 kann mit dem bekannten Arrow-System verschossen werden.

Das Startgerät mit Lenkflugkörpern ist neben Radarsensoren und Gefechtsstand eine der Hauptkomponenten des Raketenabwehrsystems Arrow. (Foto: IAI)

Meilenstein beim Wiederaufbau der Luftverteidigung

Die Anfangsbefähigung zur Raketenabwehr durch deutsche Kräfte ist ein wichtiger Meilenstein im Wiederaufbau der Luftverteidigung. Für alle Layer werden Systeme beschafft beziehungsweise modernisiert. Hierzu gehören vor allem der Ausbau und die Modernisierung des Luftverteidigungssystem Patriot, der Aufbau der Luftverteidigungsverbände mit IRIS-T SLM und der Aufbau des Nah- und Nächstbereichsschutz (NNbS) für die mobilen Kräfte mit Skyranger 30 und anderen Abwehrsystemen.

Wie der Überfall auf die Ukraine und der Nahostkonflikt zeigen, sind durch Luftangriffe mit Effektoren aller Größen – von der Interkontinentalrakete bis zur Minidrohne – nicht nur militärische Einrichtungen, sondern auch in besonderem Maße zivile Infrastruktur wie Kraft- und Wasserwerke, aber auch Stauseen und Brücken bedroht. Nicht zuletzt sind auch Wohnsiedlungen Ziele geworden, in denen die Zivilbevölkerung unmittelbar bedroht ist. Für eine umfassenden Schutz bedarf es noch erheblicher Anstrengungen, nicht nur bei der Beschaffung, sondern auch beim Aufbau von Strukturen, in denen Menschen die Systeme zum Einsatz bringen.

Gerhard Heiming