Per Mitteilung vom 20. November 2025 kündigte das britische Verteidigungsministerium den Abschluss eines 316-Millionen-Pfund-Vertrags (circa 359 Millionen Euro) mit MBDA UK zur Lieferung des Hochleistungslasersystems DragonFire für die Royal Navy an. Aus Erprobungen ginge hervor, dass der der 50-kW-Klasse zugeordnete Laser gegen Drohnen bis zu 650 km/h erfolgreich arbeitete. Der erste Serieneinbau auf einem Zerstörer der Type-45-Klasse wird für 2027 angekündigt.

In einem Kontext wachsender Bedrohungen durch Drohnen und Drohnenschwärme bietet ein Laser mit hoher Präzision, ohne Lagerungs- oder Munitionsbevorratungsimplikationen und mit nahezu unbegrenzter „Munition“ bei geringen marginalen Kosten Vorteile. In der Veröffentlichung auf britischen Regierungsseiten werden die Kosten pro Schuss mit zehn Pfund angegeben. Umgerechnet rund 13,50 Euro.

Der Type 45 Zerstörer HMS „Daring“ (Foto: Royal Navy)

Die Royal Navy positioniert sich damit als erste europäische Marine, die eine derartige Lösung in Serie einführen will, während US-amerikanische und chinesische Marinen ebenso wie die Deutsche Marine Laserwaffen bislang auf Test- beziehungsweise Einzelplattformen erproben.

Mit DragonFire erweitert die Royal Navy ihre bestehende Luft- und Raketenabwehr perspektivisch um eine zusätzliche Schicht „Directed Energy“ – eine Erweiterung der bisherigen mehrschichtigen maritimen Selbstverteidigung („layered defence“). Für die deutsch-europäische Perspektive ist bemerkenswert, dass eine NATO-Marine innerhalb Europas frühzeitig eine Laserstrategie operationalisiert und damit sowohl technologische Impulse als auch indirekten Wettbewerbsdruck auf Partnerstaaten erzeugt.

Gleichzeitig sollte die Erwartungshaltung realistisch bleiben: Laser werden bestehende Artillerie- und Flugkörpersysteme auf absehbare Zeit nicht ersetzen. Angesichts physikalischer, meteorologischer und taktischer Grenzen sind Laser als Ergänzung zu bestehenden Verteidigungsschichten zu verstehen. Ob und wie sich DragonFire im realen Gefechtsbetrieb jenseits kontrollierter Testumgebungen bewährt, bleibt vorerst offen.

Voraussetzung für eine belastbare Bewertung bleibt, dass die Leistungsfähigkeit des Lasers unter realen nordatlantischen Einsatz- und Wetterbedingungen valide nachgewiesen wird und dass die Stabilitätsprobleme des Energie- und Antriebssystems der Type-45-Klasse im Rahmen eines sogenannten Power Improvement Projects (PIP) nachhaltig gelöst werden.

Hans Uwe Mergener