Das Air Force Global Strike Command hat am 5. November den Test einer unbewaffneten Interkontinentalrakete des Typs Minuteman III von der Vandenberg Space Force Base in Kalifornien gemeldet. Der Wiedereintrittskörper legte rund 6.800 Kilometer zurück und erreichte das Zielgebiet auf dem Kwajalein-Atoll der Marshallinseln; die entsprechende Mitteilung wurde am 17. November auf der Website des US-Verteidigungsministeriums veröffentlicht.

Der als „Glory Trip 254“ bezeichnete Test erfolgte nur wenige Tage, nachdem US-Präsident Donald Trump am 30. Oktober überraschend die „sofortige Wiederaufnahme“ von Atomwaffentests angekündigt hatte. Trump begründete die Forderung mit Testprogrammen anderer Staaten – insbesondere den russischen Systemen Burewestnik und der nuklearfähigen Unterwasserdrohne Poseidon.

Start einer amerikanischen Interkontinentalrakete vom Typ Minuteman III (Foto: USAF Aubree Milks)

Die U.S. Air Force betont, es habe sich um eine seit Langem geplante Routineüberprüfung zur Sicherung von Zuverlässigkeit, Einsatzbereitschaft und Präzision des ICBM-Systems gehandelt. „GT 254 ist nicht nur ein Start – es ist eine umfassende Bewertung zur Verifizierung und Validierung der Fähigkeit des ICBM-Systems, seine kritische Mission zu erfüllen“, erklärte LtCol Karrie Wray, Kommandeurin des 576th Flight Test Squadron.

Bemerkenswert ist, dass der Start über das Airborne Launch Control System von Bord einer E-6B Mercury ausgelöst wurde – ein redundantes Kommandosystem für den Fall von Ausfällen bodengestützter Startanlagen.

Die rund 400 stationierten Minuteman-III-Raketen bilden den reaktionsschnellsten Teil der nuklearen Triade und sollen ab 2029 durch das LGM-35A Sentinel-System ersetzt werden.

Medienresonanz und Datumsdifferenz

Der Test löste in Europa ein auffallend heterogenes Medienecho aus. Während internationale Titel wie El País, Cadena SER und Challenges/Reuters zeitnah berichteten und den zeitlichen Zusammenhang zu Trumps Ankündigung betonten, blieb die Berichterstattung in Deutschland verhalten. Neben merkur.de und wenigen Fach- und Nischenportalen fand das Ereignis in großen Leitmedien bislang kaum Resonanz.

Zusätzliche Irritation erzeugt die Datumsdifferenz in offiziellen US-Mitteilungen: Zwar wurde der Test auf den Air-Force-Webseiten am 5. November publiziert, doch trägt die entsprechende Meldung auf der zentralen Plattform des US-Verteidigungsministeriums das Datum 17. November 2025. Die zeitversetzte Aggregation erregt Skepsis hinsichtlich der ministeriums-internen Publikationslogik. Handelte es sich um eine administrative Verzögerung oder wurde die spätere Publikation gewählt, um den politischen Aufmerksamkeitsdruck nach Trumps Ankündigung abzuschwächen?

Der Vorgang verdeutlicht, wie unterschiedlich sicherheitspolitisch relevante Ereignisse in Europa wahrgenommen und gewichtet werden – selbst dann, wenn sie im unmittelbaren Kontext einer strategisch sensiblen Debatte stehen.

Hans Uwe Mergener