Die Bundeswehr will 15 Kampfflugzeuge Eurofighter für die Rolle Elektronischer Kampf besonders ausstatten, damit diese die Aufgaben der ECR Tornado übernehmen können, die bis Ende 2030 ausgemustert werden.

Zusammen mit Helsing hat Saab in der gerade zu Ende gehenden System-Definitionsphase die technisch-konzeptionellen Grundlagen geschaffen. Nach der Billigung von 250 Millionen Euro für ein weiteres zugehöriges Vorhaben durch den Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages am 8. Oktober treibt ADS mit weiteren Aufträgen die Umrüstung voran.

Jetzt wurde der Vertag über die Entwicklung und Integration des Arexis-Systems von Saab mit der KI-Analyse-Software Cirra von Helsing unterzeichnet, berichtete Helsing am 19. November. Mit dem jetzt geschlossenen Vertrag beginne die Anpassentwicklung und gemeinsam mit Airbus Defence and Space die Integration in den Eurofighter, nachdem die konzeptionelle Phase der Systemdefinition in den vergangenen 18 Monaten erfolgreich abgeschlossen wurde.

Die Arexis-Sensoren sind in Pods an den Flügelspitzen untergebracht. Cirra wird über Spezials Chips in die Rechnerlandschaft des Eurofighter integriert. (Foto: Saab)

Vertrag über die Entwicklung und Integration des Arexis/Cirra-Systems

Der Vertrag sieht vor, dass Helsing die KI-basierte Software Cirra für elektronische Kampfführung liefert. Der Mitteilung zufolge wird auf dem Eurofighter Cirra dann in den kommenden drei Jahren in die Arexis-Sensorsuite von Saab integriert. Software und Hardware der beiden Firmen sorgen gemeinsam dafür, dass der Eurofighter Einsätze zur Bekämpfung und Zerstörung feindlicher Luftabwehrsysteme fliegen kann. Dies schließe auch Szenarien gegen gleichwertige, moderne Streitkräfte ein. Zunächst soll der Eurofighter als unabhängiges Waffensystem befähigt werden. Zukünftig kann er zudem die Wirksamkeit anderer Flugsysteme der Luftwaffe erhöhen, indem die gewonnenen Erkenntnisse geteilt werden.

Die Software Cirra von Helsing adressiert eines der dringendsten Probleme im Luftbereich: wandelbare und dynamische Flugabwehrradare. Cirra nutzt Deep Learning, um unbekannte Flugabwehrsender zu klassifizieren und ihre Absichten zu verstehen. Die Algorithmen laufen direkt auf dem Kampfflugzeug und ermöglichen Echtzeit-Bedrohungsanalysen und Absichtserkennung, selbst bei unbekannten Emittern. Cirra erhöht so die Überlebensfähigkeit von Kampfjets signifikant und trägt dazu bei, ein vollständiges und präzises Lagebild zu liefern.

Die Verarbeitungskette von Cirra ist modular und kann – vollständig oder teilweise – mit verschiedenen EK-Systemen integriert werden.

Um die Fähigkeiten des Systems zu demonstrieren und Risiken im Programm zu reduzieren, hat Helsing in den letzten Monaten Cirra in einen fliegenden Testträger eingebaut. Hierzu wurden firmeneigene Test- und Bewertungsflüge durchgeführt.

Schnelle Entwicklung Hand-in-Hand

„Arexis ist eines der fortschrittlichsten volldigitalen Sensor- und Störsysteme, die auf dem Markt erhältlich sind. Das System wird die Situationserkennung und Überlebensfähigkeit des Eurofighters auf dem modernen Schlachtfeld verbessern“, sagt Micael Johansson, Präsident und CEO von Saab.

Gundbert Scherf, Mitgründer und Co-CEO von Helsing, sagt: „Nach intensiven Tests und Investitionen freuen wir uns darauf, gemeinsam mit Saab in die Entwicklungsphase überzugehen. Dieser Schritt unterstreicht unsere Fähigkeit, neue Technologien schnell und Hand in Hand mit Industriepartnern zu entwickeln, zu testen und einzuführen.“

Live-Tests für 2028 vorgesehen

Die Implementierung von Arexis/Cirra wird in die programmierte Instandsetzung der Eurofighter eingepasst. Während der jetzt begonnen Integrationsphase wird es erste Testinstallationen geben. Möglicherweise werden 2028 erste Live-Testflüge stattfinden als Start für eine umfassende Flugkampagne.

Gerhard Heiming