Mit einem feierlichen Spatenstich hat das Joint Venture Rheinmetall Defense Lithuania den Bau der im Dezember 2024 angekündigten Munitionsfabrik offiziell gestartet, wie das Unternehmen am 4. November mitgeteilt hat. Zahlreiche Ehrengäste aus der litauischen Politik, angeführt vom litauische Präsident Gitanas Nausėda, und aus der Industrie, angeführt vom Rheinmetall-CEO Armin Papperger nahmen an der Zeremonie teil. Deutschland wurde vom Parlamentarischen Staatssekretär im Bundesministerium der Verteidigung, Nils Schmid, vertreten, der damit die enge Partnerschaft zwischen Litauen und der Bundesrepublik Deutschland im Bereich der Sicherheits- und Verteidigungspolitik unterstrich.

Produktionsziel: mehrere zehntausend Geschosse pro Jahr

In dem neuen Munitionswerk will Rheinmetall Defense Lithuania auf rund 340 Hektar Grundfläche eine moderne Fertigungsanlage für 155mm Artilleriemunition errichten. Mit einer Investition von 180 Millionen Euro sollen 150 Arbeitsplätze entstehen. Das Werk Litauen wird eine Geschosshüllenschmiede und eine Füllanlage umfassen. Die Fertigungskapazität gibt Rheinmetall mit mehreren zehntausend Geschossen pro Jahr an. Das Werk Litauen soll bereits 2026 in Betrieb genommen werden. Zunächst erfolgt bis Ende 2026 die Linienqualifikation. Anschließend beginnt ab 2027 die stufenweise Skalierung, je nach Auftragslage. Auch die heimische Industrie und lokale Zuliefererbetriebe werden in Bau und Betrieb des Werks Litauen einbezogen.

„Für Litauen ist diese hochmoderne Produktionsstätte für Artillerie-Munition, die größte Investition in die Verteidigung in der Geschichte des Landes, nicht nur ein industrielles Projekt. Es ist ein strategischer Schritt, der darauf abzielt, Abschreckung als Voraussetzung für Frieden aufzubauen. Heute erleben wir, wie die in Berlin verkündete Zeitenwende auf litauischem Boden in Stahl, Technologie und vor allem in Vertrauen Gestalt annimmt“, sagte Gitanas Nausėda, Präsident der Republik Litauen.

„Das neue Werk Litauen wird nicht nur für Litauen selbst, sondern auch für Europa und für die NATO von strategischer Bedeutung sein“, so Armin Papperger. „Die Sicherheitsvorsorge für unser Land und für unsere Verbündeten ist uns allen ein dringliches Anliegen. Wir sind dankbar für das Vertrauen und die Unterstützung durch Litauen. Ich verspreche, dass wir Rheinmetallerinnen und Rheinmetaller unseren Teil zur Einsatzbereitschaft hier an der Ostflanke der NATO beitragen werden!“

Zahlreiche Ehrengäste, darunter der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesministerium der Verteidigung, Nils Schmid (dritter von rechts), assistierten beim ersten Spatenstich für das Munitionswerk. (Foto: Rheinmetall)

Center of Excellence für Treibladungen

Die litauische Regierung und Rheinmetall wollen darüber hinaus ein Center of Excellence für Treibladungen in Litauen gründen. In einer Absichtserklärung haben die Partner Rheinmetall Defense Lithuania als Betreiber festgelegt. Rheinmetall will in dem Kompetenzzentrum Produktionsanlagen für die Herstellung von energetischen Komponenten, verbrennbaren Hülsen (Combustible Cartridge Cases), sowie die Montagelinie zur Herstellung modularer Treibladungen mit einer Fertigungskapazität von mehreren hunderttausend Treibladungsmodulen pro Jahr zu errichten. Ein Zeitplan dazu wurde nicht bekanntgegeben.

Munitionswerke an der NATO-Ostflanke

Mit dem Bau des Werks Litauen setzt Rheinmetall sein Engagement im Baltikum weiter fort. Das Joint Venture Lithuania Defense Services in Jonava setzt Gefechtsfahrzeuge für die deutsche Panzerbrigade 45, weitere NATO-Streitkräfte und die Ukraine instand. Demnächst soll im benachbarten Lettland ein weiteres Artilleriewerk gebaut werden.

In der vergangenen Woche hat Rheinmetall in Bulgarien und Rumänien die Weichen für den Bau von Munitions- und Pulverwerken gestellt.

Artilleriemunition und Treibladungspulver sind aktuell Engpassartikel. Durch den Abwehrkampf in der Ukraine werden derzeit große Mengen verbraucht. Die NATO-Länder und ihre Verbündeten haben nach langer Zeit der Abrüstung angesichts der wachsenden Bedrohung durch Russland begonnen, ihre Lagerbestände wieder aufzufüllen.

gwh