Die europäische Beschaffungsagentur OCCAR hat mit dem multinationalen Joint Venture a4ESSOR S.A.S (Alliance for ESSOR – European Secure Software Defined Radio) einen weiteren Vertrag zur Entwicklung interoperabler taktischer Kommunikationssysteme abgeschlossen. Dieser Vertrag ermöglicht nicht nur die Zusammenführung der Funknetzplanungsfähigkeiten zur Konfiguration und zum Betrieb der ESSOR-Wellenformen, sondern auch die Sicherheitsqualifizierung der nationalen Implementierungen, um multinationalen Funknetzen den Austausch von Informationen bis zur Geheimhaltungsstufe „NATO RESTRICTED“ zu ermöglichen, schreibt die OCCAR in einer Mitteilung vom 3. November.

In dem ESSOR-Projekt soll das alte Paradigma durchbrochen werden, wonach Funkgeräte verschiedener Hersteller weder Sprach- noch Datenkommunikation austauschen können.

Joachim Sucker (OCCAR) und Lino Lagana (a4ESSOR) haben den Vertrag unterzeichnet. (Foto: OCCAR)

Multinationales Joint Venture mit sechs Partnern

In dem Joint Venture arbeiten die Branchenführer der sechs beteiligten Länder (Deutschland – Rohde & Schwarz, Finnland – Bittium, Frankreich – Thales, Italien – Leonardo, Polen – Radmor, Spanien – Indra) zusammen, um neue Funktionen wie elektronische Schutzmaßnahmen und die Unterstützung moderner kryptografischer Standards hinzuzufügen, was zu mehreren erfolgreichen Interoperabilitätsdemonstrationen und Qualifikationstests sowie zur Übernahme der ESSOR-Hochgeschwindigkeitsdatenwellenform als NATO-STANAG 5651 im Jahr 2023 geführt hat.

Im Rahmen des neuen mit 47 Millionen Euro dotierten Vertrags wird a4ESSOR ein gemeinsames Missionsframework entwerfen, das auf die gemeinsame Planungsfähigkeit der Netzwerkparameter der ESSOR Wellenform mit hoher Datenrate (ESSOR High Data Rate waveform, EHDRWF) abzielt, schreibt Rohde & Schwarz. Nach der Implementierung in das Kommando- und Kontrollsystem jedes Landes werde das Missionsframework eine hohe Interoperabilität auf operativer Ebene gewährleisten und einen schnellen und präzisen Einsatz multinationaler EHDRWF-Netzwerke ermöglichen.

Feldtests zum Nachweis der Leistungsfähigkeit der EHDRWF

(Grafik: a4ESSOR)

a4ESSOR kündigte Feldtests der EHDRWF auf verschiedenen Funksystemen an, um die Ausgereiftheit, Leistung und Zuverlässigkeit der Wellenform in verschiedenen Szenarien zu bewerten und wertvolles Feedback für zukünftige Verbesserungen der Wellenform zu liefern. Der Feldtest soll auch Versuche in verschiedenen Einsatzumgebungen (städtisches, ländliches und hügeliges Gelände), verschiedenen Sicht-/Nicht-Sicht- und Mobilitätsszenarien umfassen und die Analyse der Wellenformleistung unter potenziellen Interferenzbedingungen ermöglichen. Darüber hinaus werde im Rahmen des Vertrages ein Rahmen für den ESSOR-Betriebsunterstützungsservice definiert und ein ESSOR-Labor als Referenz für die Interoperabilitätsvalidierung eingerichtet.

„Der ESSOR-HDRWF-Standard ist in der Lage, eine nahtlose Kommunikation zwischen verschiedenen Funkplattformen und Nationen zu ermöglichen, was sein Potenzial zur Verbesserung der Zusammenarbeit bei Verteidigungsoperationen in ganz Europa und den NATO-Ländern bestätigt“, sagte Lino Laganà, Präsident und Geschäftsführer von a4ESSOR.

Demonstration 2028 geplant

Nach Angabe der OCCAR ist 2028 eine ganzheitliche Demonstration unter Verwendung der ESSOR-Hochgeschwindigkeitswellenform (STANAG 5651) in Verbindung mit nutzerorientierten Diensten geplant, die in Frankreich durchgeführt werden soll. Fünf der sechs teilnehmenden Staaten werden mit bis zu acht verschiedenen Funkgeräten von fünf verschiedenen Anbietern taktischer Funkgeräte daran teilnehmen.

Die Bundeswehr will die ESSOR-Wellenformen auf den Software Defined Radios implementieren, die Rohde & Schwarz derzeit für die Ausstattung im Rahmen der Digitalisierung Landbasierter Operationen (D-LBO) liefert.

gwh