
Rotes Meer und Mittelmeer: „Aspides“ und die neue seegestützte Flugabwehr
Roger Näbig
Die Freiheit der Seewege ist kein Naturgesetz. Sie muss jeden Tag aufs Neue erarbeitet werden – technisch, taktisch und politisch. Seit Ende 2023 halten Drohnen (Unmanned Aerial Vehicles, UAV), ferngesteuerte Sprengboote an der Wasseroberfläche (Unmanned Surface Vessels, USV) sowie Seezielflugkörper (Anti-Ship Cruise Missiles, ASCM) und in Einzelfällen auch gegen Schiffe gerichtete ballistische Flugkörper (ASBM) den Korridor vom Indischen Ozean durch das Rote Meer in ständiger Unruhe.
Die EU-Operation „Aspides“ ist defensiv angelegt, schützt Handelsschifffahrt, wird aus dem OHQ Larissa (Griechenland) geführt und verfügt über einen Führungsstab zur See. Die EU hat das Mandat bis zum 28. Februar 2026 verlängert. Deutschland wird sich, dem Bundestagsbeschluss vom 16. Oktober zufolge, bis Ende Oktober 2026 an der Mission. Die Personalobergrenze wurde gegenüber 2024 abgesenkt.
Für Reeder, Versicherer und betroffene Volkswirtschaften hat die anhaltende Präsenz phasenweise zur Entspannung geführt, auch wenn Kriegsrisikoprämien lageabhängig schwanken. Ob die EU das Mandat über den 28. Februar 2026 hinaus verlängert, ist noch nicht entschieden.

Mandat und Auftrag
„Aspides“ schützt, begleitet, klärt auf und wehrt unmittelbare Angriffe ab. Es geht nicht um Operationen an Land oder „Strafschläge“, sondern um die verlässliche, völkerrechtskonforme Sicherung von Handelsrouten. Genau das macht die Operation anschlussfähig: Sie vermeidet Eskalationslogik, schafft aber ein verlässliches Minimum an Sicherheit, damit Schiffe planbar Suez passieren können.
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