
Moskaus Marine testet den Westen
Hans-Uwe Mergener und Michael Nitz
Im Sommer hat die russische Marine eine auffällig verdichtete Aktivität gezeigt. Großmanöver, demonstrative Flottenverlegungen und Inszenierungen ersetzten die traditionelle Parade zum Flottentag. Moskau wollte damit sicherheitspolitische Handlungsfähigkeit demonstrieren, trotz des Krieges in der Ukraine und operativer Einschränkungen im Schwarzen Meer. Dieser Beitrag analysiert „Juli-Sturm 2025“, den Flottenzustand, die Signalarchitektur des Kreml und die Belastungsproben für die Schiffbauindustrie. Grundlage sind offizielle russische Quellen, OSINT-Beobachtungen, internationale Fachberichte sowie der Abgleich dokumentierter Flottenbewegungen.

Großmanöver „Juli-Sturm 2025“ als Machtprojektion
Vom 23. bis 27. Juli 2025 führte Russland unter der Bezeichnung „Juli-Sturm 2025“ simultane Gefechtsübungen in mehreren maritimen Großräumen durch, darunter Pazifik, Arktis, Ostsee und Kaspisches Meer. Laut Verteidigungsministerium waren über 150 Schiffe, rund 15.000 Soldaten, 120 Luftfahrzeuge und zehn landgestützte Küstenraketeneinheiten beteiligt. Die Leitung hatte der Oberbefehlshaber der Marine, Admiral Alexander Moissejew. Übungsziel war die Erprobung der Gefechtsbereitschaft unter Bedingungen nichtstandardisierter Gefährdungslagen, inklusive dem koordinierten Einsatz präzisionsgelenkter Waffen, Drohnenabwehr und U-Boot-Jagd. Die Szenarien spiegelten laut russischer Führung die Erfahrungen aus der sogenannten „militärischen Spezialoperation“ in der Ukraine wider.
Die demonstrative Verteilung der Manöveraktivitäten auf Arktis, den Fernen Osten und die Ostsee lässt sich als Versuch deuten, die Handlungsfähigkeit in jenen Flottenregionen sichtbar zu machen, die weniger stark vom Kriegsgeschehen betroffen sind. Die Schwarzmeerflotte blieb während „Juli-Sturm“ weitgehend passiv: Ihre operativen Spielräume sind durch ukrainische Drohnenangriffe, den Verlust bedeutender Einheiten und die strategische Verwundbarkeit im Schwarzen Meer erheblich eingeschränkt.

Die Ostsee wurde hingegen gezielt zur Bühne taktischer und symbolischer Präsenz: Die Fregatte „Admiral Grigorowitsch“, nach fast zweijährigem Einsatz im Mittelmeer nicht in ihre Heimatbasis am Schwarzen Meer zurückführbar, wurde in Kronstadt stationiert und war dort am 27. Juli an der Abwehr eines Drohnenangriffs beteiligt. Das große Landungsschiff „Alexander Shabalin“ fiel durch improvisierte Drohnenabwehr-Ausrüstung auf und operierte auffällig im Skagerrak in unmittelbarer Nähe zu NATO-Anrainern. In den letzten drei bis vier Monaten wurden regelmäßig einzelne russische Marineeinheiten im Seegebiet zwischen Norwegen und Dänemark positioniert. Sie dienten offenbar der Beobachtung und möglicherweise auch zur elektronischen Aufklärung. In OSINT-Kreisen wurde dieser wiederholte Postenbezug zwar registriert, über Ziel und Zweck herrscht jedoch weiterhin Unklarheit.
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