In einer immer wärmeren Welt steigt auch die Notwendigkeit der Kühlung von Gebäuden, Objekten oder Personen immer weiter. Gleichzeitig verbrauchen heutige Kühlsysteme sehr viel Energie, die wiederum häufig aus fossilen Brennstoffen gewonnen wird. Schätzungen zufolge verbrauchen Kühlsysteme bereits 15 Prozent des weltweit produzierten Stroms und sind für zehn Prozent der emittierten Treibhausgase verantwortlich.

Daher wird dringend nach Lösungen gesucht, den Energieverbrauch von Kühlsystemen zu senken. Einen Beitrag könnte hier die passive Strahlungskühlung leisten, mit der Objekte bzw. Oberflächen ohne zusätzliche Energiezufuhr auf Temperaturen deutlich unterhalb der Umgebungstemperatur abgekühlt werden können.

Grundsätzlich versteht man unter passiver Strahlungskühlung (Passive Radiative Cooling, PRC) das Auskühlen eines Objekts durch Abgabe von Infrarotstrahlung. Dieses Phänomen ist zwar weitverbreitet, allerdings wenig effizient, da Luftströmungen oder Sonneneinstrahlung einen viel größeren Effekt auf die Temperatur eines Objekts ausüben. Daher wurde passive Strahlungskühlung zunächst für nächtliche Anwendungen erforscht. Analog zur Wärmeabstrahlung der Erde ans kühlere Weltall wurden Materialien dahingehend optimiert, Wellenlängen im sogenannten atmosphärischen Fenster (zwischen 8 und 13 µm) abzustrahlen. In diesem Bereich ist die Strahlungsabsorption der Atmosphäre sehr gering ausgeprägt, sodass die Infrarotstrahlung nahezu ungehindert ins Weltall gelangen kann. Erst vor etwa zehn Jahren gab es einen Durchbruch im Bereich der passiven Strahlungskühlung am Tag.