Die vollständige Entmilitarisierung Deutschlands auf der Potsdamer Konferenz der Siegermächte des Zweiten Weltkrieges 1945 war eine unstrittige Zielvorstellung aller Konferenzteilnehmer. Die zunehmenden ideologischen Spannungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion führten jedoch sehr schnell zu einer Neuorientierung und Neubewertung der künftigen sicherheitspolitischen Rolle des in Besatzungszonen aufgeteilten Deutschlands.

Vom Schloss Cecilienhof in die Kraftfahrzeughalle der Ermekeilkaserne Bonn

Charakteristikum dieser Neuausrichtung unter den Bedingungen der globalen Systemauseinandersetzung zwischen Ost und West war vor allem die Tatsache, dass die Alliierten in ihren offiziellen Verlautbarungen der deutschen Öffentlichkeit einerseits sehr bewusst und überaus eindringlich den Eindruck vermittelten, dass es im Interesse des Weltfriedens unter keinen Umständen wieder deutsches Militär geben dürfe, während andererseits die Operationsabteilung der U.S. Army bereits seit 1947 in internen Studien immer wieder auf die Nützlichkeit westdeutscher Truppen bei der Verteidigung Europas hingewiesen hatte.

Noch im Spätherbst 1950 ernannte der Bundeskanzler seinen politischen Vertrauten und ehemaligen Gewerkschaftssekretär Theodor Blank zu seinem „Beauftragten für die mit der Vermehrung der alliierten Truppen zusammenhängenden Fragen” (Foto: Archiv mawibo media)

Somit unterschied sich in den westlichen Regierungskreisen sehr bald inoffizielles Denken über den Nutzen eines deutschen Verteidigungsbeitrags von offiziellen Verlautbarungen und der Stimmung in der Bevölkerung der ehemaligen Kriegsgegner des Deutschen Reiches. Mehr als sechs Jahre hatte sich der erste Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland, Konrad Adenauer, in einem Minenfeld der sicherheitspolitischen Widersprüchlichkeit und politischen Rücksichten zu bewegen, bis mit dem Beitritt Westdeutschlands zur NATO und dem Beginn der Aufstellung der Bundeswehr im Jahr 1955 die Dekade ohne Militär in Deutschland zu Ende ging.

Mit der Anerkennung der Bundesrepublik als gleichberechtigter sicherheitspolitischer Partner des Westens und mit der Ernennung der ersten 100 Soldaten der neuen Streitkräfte am 12. November 1955 fand eine Entwicklung ihren Abschluss, die am Ende des Zweiten Weltkrieges kaum jemand für denkbar gehalten hatte.