Rheinmetall und der bulgarische Munitions- und Verteidigungssystemhersteller VMZ (Vazovski Mashinostroitelni Zavodi) haben am 28. Oktober die Gründung eines Joint Ventures zur Herstellung von Artilleriegeschossen und energetischen Materialien vereinbart. An dem Gemeinschaftsunternehmen hält Rheinmetall 51 Prozent und VMZ 49 Prozent der Anteile. Den Bau von Munitionsfabriken hatte Rheinmetall-CEO Armin Papperger bei einem Treffen mit dem ehemaligen bulgarischen Ministerpräsidenten und Vorsitzenden der Regierungspartei GERB, Boyko Borissov, im August angekündigt.

100.000 Artilleriegeschosse jährlich wollen Rheinmetall und VMZ im bulgarischen Spot produzieren. (Foto: Gerhard Heiming)

Eine Milliarde Euro Investition für 100.000 Geschosse pro Jahr

Die Unternehmen wollen eine Milliarde Euro investieren – Rheinmetall zufolge eine der bedeutendsten Investitionen im Bereich der Munitionsfertigung der letzten Jahre. Für die Finanzierung will sich Bulgarien unter anderem auf SAFE (Safety and Security Measures for Europe), das 150-Milliarden Euro-Kreditprogramm der NATO, abstützen. In Sopot – rund 100 Kilometer östlich von Sofia – im Umfeld von VZM – sollen auf 100 Hektar eine Fabrik für die Fertigung von Artilleriegeschossen und eine Fabrik für die Herstellung von Treibladungspulver entstehen.

Ab 2027 ist dort die Produktion von rund 100.000 Artilleriegeschossen und später von Treibladungen für bis zu 150.000 Geschosse geplant. Diese Kapazität soll das Geschäft von VMZ unterstützen. Ab 2028 sollen zudem ca. 1.300 Tonnen Treibladungspulver das Werk verlassen.

„Wir sind dankbar für das Vertrauen der bulgarischen Regierung in unsere Fähigkeiten“, so Papperger. „Mit der neuen Fertigungsanlage bauen wir unsere führende Rolle als Hersteller von Artilleriemunition weiter aus, um die Verteidigungsfähigkeit von Europäischer Union und NATO weiter zu unterstützen.“

Ausbau der Produktionskapazitäten für Geschosse und Treibladungen

Seit 2024 baut Rheinmetall seine Kapazitäten zur Herstellung von Munition, insbesondere 155-mm-Artilleriemunition, und Treibladungspulver national und international stark aus. In Unterlüß hat Rheinmetall im vergangenen August das größte Munitionswerk in Europa eröffnet, mit einer Kapazität von 350.000 Geschossen 155 mm und 1.900 Tonnen RDX-Sprengstoff. 

In Litauen, Lettland und der Ukraine sind Munitionsfabriken im Aufbau. In Ungarn, Spanien und Südafrika werden die Kapazitäten ausgebaut. Mit einer geplanten Kapazität von 750.000 Schuss Geschossen pro Jahr ist Rheinmetall nach eigener Angabe der weltweit größte Produzent der zurzeit heißbegehrten Artilleriemunition.

gwh