Bei einem seltenen Treffen von Hunderten US-Generälen in Quantico verlangte US-Präsident Donald Trump unmissverständlich: Wer nicht loyal sei, könne sofort entlassen werden. Die Offiziere reagierten mit Schweigen – und damit mit Distanz.
Generäle nach Quantico beordert
Am 30. September versammelten sich Hunderte Generäle und Admiräle auf dem Marine-Corps-Stützpunkt Quantico, Virginia. Verteidigungsminister Pete Hegseth hatte bereits eine Woche zuvor alle Kommandeure ab Brigadegeneralsrang zum persönlichen Erscheinen verpflichtet. Ein ungewöhnlicher Schritt, der in der Militärführung Verwunderung auslöste. Kritiker hielten eine Videokonferenz für ausreichend und warfen Hegseth vor, den Ablauf absichtlich zu stören und Millionen US-Dollar an Reisekosten zu verursachen. Für Unruhe sorgte auch seine bereits im Mai geäußerte Ankündigung, rund zehn Prozent aller Generals- und Admiralsstellen streichen zu wollen. Manche fürchteten daher einen „Tag der langen Messer“.

Hegseth verkündet Rückkehr zur Kriegskultur
Dazu kam es nicht. Hegseth attackierte in scharfen Worten die aus seiner Sicht übermäßige Liberalisierung der Streitkräfte, die zu einem „Zerfall“ der Einsatzfähigkeit geführt habe. Das Zeitalter des „politisch korrekten“ Pentagons sei vorbei. Er kündigte an, das Verteidigungsministerium künftig als „Kriegsministerium“ zu bezeichnen – offiziell heißt die Behörde weiterhin Department of Defense (DoD), die neue Terminologie ist ein politisches Signal. Mit der Rückkehr zu einer kompromisslosen „Kriegerkultur“ will Hegseth nach eigener Aussage einschränkende Einsatzrichtlinien beim Waffengebrauch abschaffen. Zudem forderte er das Ende langfristiger Auslandseinsätze und von „Nation Building“. Künftige Operationen sollten klar begrenzte Ziele haben und mit überwältigender Übermacht rasch abgeschlossen werden.
Die Grundlinien dieser Politik waren nicht neu. Sie werden seit Wochen im Entwurf der neuen Nationalen Verteidigungsstrategie diskutiert, die nicht durch Beamte, sondern durch politisch eingesetzte Mitarbeiter erarbeitet wurde. Pentagon-Insider berichteten der Washington Post von wachsender Frustration über den Plan, den sie angesichts der widersprüchlichen außenpolitischen Haltung des Präsidenten für kurzsichtig hielten. Generalstabschef Dan Caine versucht laut Berichten, Hegseth und dessen Planungschef Elbridge Colby in zentralen Fragen noch umzustimmen.
Kritik der Offiziere richtet sich vor allem gegen die von Hegseth befürwortete Reduzierung des US-Engagements jenseits der westlichen Hemisphäre. So ist eine Einschränkung der Truppenpräsenz in Europa ebenso vorgesehen wie ein Rückzug aus Afrika und die Verkleinerung einzelner Kommandostäbe. Selbst die bislang von Trump betonte Eindämmung Chinas wird offenbar zurückgefahren – der Schwerpunkt soll sich auf ein Szenario um Taiwan beschränken. Im Gegenzug will die Regierung das Militär verstärkt für Aufgaben der inneren Sicherheit einsetzen, vom Grenzschutz über den Kampf gegen Drogenkartelle bis hin zur Unterstützung bei Unruhen in US-Städten.

Trump verschärft den Ton
Nach Hegseths Rede sprach Präsident Trump mehr als eine Stunde. Er attackierte Amtsvorgänger und missliebige Offiziere wie General a. D. Mark Milley und verteidigte die Entsendung der Nationalgarde und einmal auch der Marineinfanterie in amerikanische Großstädte. Die Generäle forderte er auf, entschlossen gegen „innere Feinde“ vorzugehen. „Wir kehren zurück zum Grundprinzip, dass der Schutz der Heimat die erste Priorität des Militärs ist“, erklärte Trump. „Unsere Politiker kamen irgendwann auf die Idee, in fernen Ländern wie Kenia und Somalia für Sicherheit zu sorgen, während Amerika eine Invasion von innen erlebt.“ Für Empörung sorgte sein Satz: „Wir sollten einige unserer gefährlichen Städte als Übungsgelände für unser Militär verwenden.“
Eid auf die Verfassung – nicht auf den Präsidenten
Besonders deutlich wurde Trump, als er die Loyalität der Generäle einforderte: „Wenn mir jemand nicht gefällt, entlasse ich ihn sofort. Wer mit meinen Worten nicht einverstanden ist, kann den Raum verlassen – aber dann ist es vorbei mit Rang und Karriere.“ Damit stellte er unmissverständlich persönliche Gefolgschaft über die institutionelle Neutralität der Streitkräfte.
Das jedoch widerspricht dem Prinzip, dass die US-Streitkräfte einen Eid auf die Verfassung schwören, nicht auf den Präsidenten.
Im Saal blieb es still. Trotz mehrfacher Aufforderungen zum Applaus oder Lachen reagierten die Offiziere kaum. „Ich war noch nie in einem so stillen Raum“, bemerkte Trump sichtlich verärgert. Erst am Ende erhob sich ein Teil der Anwesenden zu verhaltenem Applaus, die Mehrheit blieb jedoch regungslos sitzen.

Unklare Fronten zwischen Präsident und Minister
Für zusätzliche Irritation sorgte die Tatsache, dass Hegseth das Treffen ohne Absprache mit dem Weißen Haus angesetzt hatte. Trump entschied erst kurzfristig, teilzunehmen. Beobachter werten dies als mögliches Zeichen von Spannungen zwischen beiden Politikern. In seiner Rede lobte Trump Hegseth zwar („großartige Rede“), fügte aber hinzu: „Ich will nicht, dass er zu gut wird. Ich hätte ihn beinahe entlassen.“ Hinter dem Scherz stand die klare Botschaft: Am Primat des Präsidenten besteht kein Zweifel.
Sidney E. Dean







