Der Technologiekonzern Rheinmetall und die schiffbauende Unternehmensgruppe Lürssen haben eine Vereinbarung für die Übernahme der Naval Vessels Lürssen (NVL B.V. & Co. KG, Bremen-Vegesack) und all ihrer Töchter getroffen. NVL ist der als Lürssen Defence zusammengefasste militärische Bereich der Werftengruppe, der seit 2021 als eigenständiges Unternehmen geführt wird.

Sobald die behördlichen Genehmigungen vorliegen, soll die Transaktion kurzfristig abgeschlossen werden, teilte Rheinmetall am 15. September mit. Das Unternehmen rechnet mit dem Closing Anfang Januar 2026.

Rheinmetall wird Schiffsbauer

Armin Papperger, Vorstandsvorsitzender der Rheinmetall AG: „Künftig werden wir zu Lande, zu Wasser, in der Luft und im Weltraum ein relevanter Akteur sein. Rheinmetall entwickelt sich damit zum Domänen-übergreifenden Systemhaus.“

Friedrich Lürßen, Geschäftsführender Gesellschafter der Lürssen Maritime Beteiligungen GmbH & Co. KG: „Wir freuen uns, mit Rheinmetall einen vertrauensvollen und starken Partner gefunden zu haben, der NVL und ihren Mitarbeitenden eine erfolgreiche Zukunft sichern kann.“

Über Jahrzehnte hat sich Rheinmetall als renommierter Anbieter vor allem in der Heerestechnik weltweit einen Namen gemacht, ist seit vielen Jahren aber auch im maritimen Bereich ein bewährter Partner der Marinestreitkräfte zahlreicher Länder. So bietet Rheinmetall für maritime Anwendungen bereits ein ausgewähltes Spektrum moderner Systemkomponenten und ist insbesondere mit Simulationslösungen und maritimen Schutzsystemen ein weltweit führender Anbieter.

Mit der Übernahme der NVL Gruppe wird Rheinmetall zum Schiffbauer. (Foto: NVL)

„Mit der jetzt vereinbarten Übernahme treiben wir die Konsolidierung der Verteidigungsindustrie in Deutschland und Europa entscheidend voran. In Verbindung mit den Rheinmetall-Kompetenzen schaffen wir ein vitales deutsches Kraftzentrum für hochmoderne Überwasserschiffe – ein Powerhouse. Die vereinten Fähigkeiten von Rheinmetall und NVL erzeugen gemeinsames Wachstum und ermöglichen eine starke Positionierung unseres Konzerns in der Domäne See. Gleichzeitig leisten wir einen substanziellen Beitrag zur Stärkung der maritimen Verteidigungsfähigkeiten Deutschlands und der NATO-Partnerstaaten,“ ordnete Papperger die Übernahme ein.

Konsolidierung in sicherheitspolitisch angespannter Lage

Die aktuelle Konfliktlage zeige, dass es auch im maritimen Bereich immer mehr auf militärische Durchsetzungsfähigkeit ankommt. Dem massiv steigenden Bedarf der Seestreitkräfte und den steigenden Budgets für die Beschaffung will Rheinmetall mit leistungsfähigen Systemlösungen entsprechen, die über eine hochmoderne digitale Infrastruktur verfügen und das komplette Spektrum abdecken. Von der Plattform über die Elektronik bis hin zu den Sensoren und Effektoren.

Die NVL ist eine privat geführte Werftengruppe mit vier Werften in Norddeutschland (Peene-Werft / Wolgast, Blohm+Voss und Norderwerft/ Hamburg, Neue Jadewerft/ Wilhelmshaven) sowie internationalen Standorten. Sie beschäftigt gut 2.100 Mitarbeiter weltweit, erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2024 einen Umsatz von rund einer Milliarde Euro und gilt als Vorreiter in der Forschung und Entwicklung autonomer maritimer Überwassersysteme, schreibt Rheinmetall.

Seit den Anfängen vor rund 150 Jahren hat NVL auf ihren Werften rund 1.000 Schiffe gebaut und an über fünfzig verschiedene Marinen und Küstenwachen ausgeliefert, sie ist ein etablierter Akteur sowohl im militärischen Schiffbau wie auch in der Schiffswartung und -reparatur. NVL betreut Flotten über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg und trägt somit dazu bei, die Deutsche Marine und Navies weltweit jederzeit einsatzbereit zu halten. Zum aktuellen Bauprogramm der NVL für die Bundeswehr gehören die Flottendienstboote, Versorgungsschiffe Typ 707, Korvetten K130 und Fregatten F126.

gwh