Mit der Erklärung der Bereitschaft zur Übernahme für das neue Ausbildungssystem „Ausbildungsgerät Schieß- und Gefechtsausbildung Schützenpanzer Puma“ (AGSP) hat das Amt für Heeresentwicklung den Weg zur Nutzung des Simulationssystems freigemacht, teilte Rheinmetall am 8. September mit. Diese Erklärung bildet den Abschluss der eines Prozesses, in dem Rheinmetall ein vollständig neues Trainingssystem für die Ausbildung mechanisierter Infanteriekräfte entwickelt hat.

Aufbau des AGSP
Der AGSP bildet nach Angabe von Rheinmetall als hochrealistischer Simulator das Gefechtsfeld eines Panzergrenadierzuges ab. Durch die präzise Nachbildung wesentlicher Elemente wie Fahrzeuglogik, Ballistik, Haptik und Richtverhalten werde eine besonders realitätsnahe Ausbildung ermöglicht – „Train as you fight“ steht im Zentrum der Konzeption.
Das System besteht aus einer Leitungs-, Auswerte- und Kontrollstation (LAKS) sowie vier originalgetreu nachgebildeten Fahrzeugkabinen, die in zwölf 20-Fuß-Containern untergebracht sind. Die Anlage ist vollständig verlegbar. Die modulare Architektur erlaubt höchste Flexibilität: Alle zentralen Komponenten – etwa Serverracks und Fahrerkabinen – sind auf Schienensystemen montiert und können bei Bedarf schnell ersetzt oder aktualisiert werden. Auch Wartungs- und Reparaturmaßnahmen wurden stark vereinfacht, da zentrale Systeme nun von außen zugänglich sind. Dadurch entfallen aufwändige Rücktransporte in das Werk; Ausfallzeiten und Logistikaufwand.
Software auf modernstem Niveau
Die Trainingssoftware wurde von Rheinmetall entwickelt und passgenau auf das neue System zugeschnitten. Alle Funktionalitäten des Schützenpanzers Puma inklusive der Sicht- und Wirkungsmittel sind vollständig und detailgetreu nachgebildet. Einbezogen sind nach Angabe des Unternehmens weiterhin das System „Infanterist der Zukunft“ (IdZ-ES), das Battle Management System sowie umfassende Auswertungs- und Überwachungsfunktionen. Die Grenzen zwischen realem Puma und Simulator reduzieren sich in der Wahrnehmung des Anwenders auf ein Minimum.
Für die Szenario-Darstellung setzt Rheinmetall auf die weltweit bewährte Simulations-Software VBS4 von Bohemia Interactive Simulations. Sie bietet dem Nutzer höchste Flexibilität bei der Gestaltung der Datenbasis und der Erstellung der Gefechtsszenarien.
Aus der Kombination der in der Bundeswehr verbreiteten Software VBS4 mit der maßgeschneiderten Rheinmetall Lösung entsteht das bisher leistungsfähigste Ausbildungssystem seiner Art, schreibt der Hersteller.
„Es gibt viele technische Neuerungen im AGSP, aber das eigentliche Alleinstellungsmerkmal ist die intensive Zusammenarbeit mit den Experten der Bundeswehr. Daraus ist ein System entstanden, das exakt auf die operativen Anforderungen des Nutzers zugeschnitten ist – nicht am Bedarf vorbei, sondern mit und für die Truppe entwickelt,“ sagte Bernd Packulat aus dem Vertrieb Landsimulation bei Rheinmetall.

Ausbildung mit dem AGSP
Mit dem AGSP kann die Ausbildung der Panzergrenadiere in verschiedenen Ebenen durchgeführt werden. Zu Beginn steht die Ausbildung im Einzelmodus mit Fokus auf die Turmbesatzung (Richtschütze und Kommandant). Dabei geht es vor allem um die Beherrschung der Geräte und das Zusammenwirken der Turmbesatzung. Im nächsten Schritt können die Kabinen zusammengeschaltet werden und ein kompletter Zug kann in komplexen taktischen Szenarien trainiert werden. Dabei rücken Befehlsgebung und Führung durch Kommandos in den Vordergrund. In einer höheren Stufe können die Simulatoren auf Kompanieebene – auch an verschiedenen Orten – vernetzt werden Sobald die Vernetzung mit anderen Simulatoren nachgewiesen wurde, können auch Übungen auf Kompanie-Ebene realisiert werden. Zudem kann der Schützentrupp auf- und abgesessen abgebildet werden.
Das AGSP ermöglicht eine umfassende taktische Ausbildung in der Panzergrenadiertruppe, ohne einen der teuren Schützenpanzer zu bewegen. Die Ausbildungsabschnitte werden dokumentiert und können beliebig oft, auch mit unterschiedlichen Wetterbedingen, wiederholt werden. So kann die aufwendige, teure und ressourcen-intensive Ausbildung mit dem Gerät im Gelände optimal vorbereitet werden. Neben der Erst- und Wiederholungsausbildung ist das Vorbereiten konkreter Einsätze ein weiterer Anwendungsfall für die Simulatoren. Die Soldaten können mit dem Gelände, der geplanten taktischen Vorgehensweise und ihren absehbaren Aufträgen vertraut gemacht werden. Diese Vorbereitung kann unbemerkt bleiben.
gwh







