Das tschechische Verteidigungsministerium hat die Beschaffung von bis zu 77 Kampf- und Unterstützungspanzern genehmigt. Nach Zustimmung des Kabinetts sollen die Panzer im Zeitraum 2028 bis 2032 geliefert werden. Über eine Offset-Vereinbarung soll die tschechische Industrie beteiligt werden.

Das oberste Führungsgremium des tschechischen Verteidigungsministeriums hat einen wichtigen Schritt in dem strategischen Projekt zur Beschaffung von Kampfpanzern getan. Verteidigungsministerin Jana Černochová kann nun den Vorschlag, mit dem sich die Tschechische Republik verbindlich dem Rahmenvertrag des deutschen Verteidigungsministeriums mit dem Hersteller KNDS Deutschland GmbH & Co. KG anschließt, der Regierung vorlegen. Das geht aus einer Mitteilung des Ministeriums hervor.

Nach Zustimmung durch das Kabinett werde die Unterzeichnung des Nachtrags zum Rahmenvertrag in den nächsten Wochen erfolgen und die verbindliche Bestellung durch das Verteidigungsministerium der Tschechischen Republik übermittelt. „Panzer haben auf dem modernen Schlachtfeld weiterhin ihren unbestreitbaren Platz und sind ein unverzichtbarer Bestandteil moderner Streitkräfte“, erklärte Generalstabschef Karel Řehka. „Die Qualität des Leopard 2 A8 – von der Feuerkraft über den Schutz der Besatzung bis hin zur technologischen Ausgereiftheit – stellt sicher, dass das tschechische Heer ein erstklassiges Instrument zur Verteidigung des Staates erhält.“

So sieht der tschechische Beschaffungsplan aus

Der Plan der tschechischen Regierung sieht vor, in der ersten Phase 44 Kampf- und Führungspanzer Leopard 2 A8 für 32,76 Milliarden CZK (umgerechnet 1,34 Milliarden Euro) einschließlich Mehrwertsteuer zu beschaffen. Für die Anpassung an den nationalen Bedarf („Bohemisierung“) soll ein Vertrag über weitere 1,49 Milliarden CZK (61 Millionen Euro) abgeschlossen werden. Als Reserve für Inflation und Wechselkursschwankungen sind fünf Milliarden CZK (205 Millionen Euro) eingeplant.

Nach Angabe des Ministeriums sind in dem Kaufpreis eigene Schutz- und Minenabwehrsysteme sowie integrierte logistische Unterstützung einschließlich Ersatzteile, Support-Management, Dokumentation und Schulungen enthalten. In dem Rahmenvertrag soll vereinbart werden, bis zu 58 Kampfpanzer zu erwerben. Für dem Kauf von 14 Panzern bestehe jedoch ein finanzieller Vorbehalt. Für die Finanzierung hat Tschechien Bedarf über das EU-Finanzierungsinstrument „Security Action for Europe“ (SAFE) angemeldet. Mit SAFE stellt die EU bis Ende des Jahrzehnts bis zu 150 Milliarden Euro bereit, aus denen EU-Mitgliedstaaten Kredite für gemeinsame Beschaffung von Verteidigungsgütern erhalten können.

Unterstützungspanzer

Zusätzlich plant das Ministerium die Beschaffung von weiteren 19 Panzern auf Basis des Leopard 2 A8 für die Kampfunterstützung und die Ausbildung. Als Versionen wurden genannt: Pionier-, Berge-, Brücken- und Fahrschulpanzer. Beschaffungsverträge dafür sollen geschlossen werden, sobald Deutschland in Verhandlungen mit dem Hersteller einig geworden ist. 17 dieser Panzer sollen in der Phase 1 beschafft werden. Zwei weitere unterliegen wie ein Teil der Kampfpanzer dem Finanzierungsvorbehalt.

Insgesamt erhält das tschechische Heer nach Angaben des Ministeriums mindestens 61 und maximal 77 Leopard 2 A8-Panzer in sechs Versionen. Die ersten Panzer erwartet Tschechien in drei Jahren, also 2028. In weiteren drei Jahren (2031) sollen die Lieferungen abgeschlossen sein. Die Brückenlegepanzer folgen bis 2032.

Rahmenvertrag

Deutschland hat 2023 einen Rahmenvertrag zur Beschaffung von Kampfpanzern Leopard 2 A8 mit KNDS Deutschland abgeschlossen und in zwei Tranchen insgesamt 123 Panzer abgerufen. Dieser Rahmenvertrag sieht vor, dass andere Nationen in den Vertrag eintreten können und Kampfpanzer in gleicher Konfiguration und zu gleichen Bedingungen erwerben können. Tschechien hatte sich gleich als erster Interessent gemeldet. Litauen und die Niederlande wollen ebenfalls über den Rahmenvertrag bestellen.

Ausgenommen sind nach tschechischen Angaben Kommunikations- und Verbindungsmittel (sogenannte C4ISTAR – Abkürzung für Command, Control, Communications, Computers, Intelligence, Surveillance, Target Acquisition and Reconnaissance – Führung, Kommunikation, Computer, Aufklärung, Überwachung, Zielerfassung und Aufklärung), Tarnanstrich, nationale Kennzeichnung und Maschinengewehre für die 44 jetzt gekauften Panzer. Diese sind Anteile der Bohemisierung der Panzer, die Tschechien in einem separaten Vertrag mit KNDS Deutschland durchführen lässt.

Offset-Vereinbarung

Die tschechische Regierung wird zusammen mit dem Kaufvertrag die Beteiligung der tschechischen Industrie vereinbaren. Die tschechische Verteidigungsindustrie soll sich vor allem an der Herstellung einzelner Panzerteile beteiligen, sodass es zu einer teilweisen Lokalisierung der Lieferkette auf dem Gebiet der Tschechischen Republik kommen wird.

Durch diese Beteiligung sollen tschechische Unternehmen auch Teil der Lieferkette im Rahmen der Lieferung aller Leopard 2 A8-Panzer an weitere Kunden werden und auch an der Sicherstellung des Lebenszyklus des Kampfpanzers mitwirken. Nach Angaben des Ministeriums soll der Wert der Zusammenarbeit bei den tschechischen Panzern mindestens 1,3 Milliarden Kronen (50 Millionen Euro) erreichen. Bei Lieferung von Panzern an weitere Staaten soll der Betrag auf bis zu 6,6 Milliarden Kronen (270 Millionen Euro) anwachsen.

Gerhard Heiming