Ein Schiff der chinesischen Marine (PLAN) soll nach Angaben des Auswärtigen Amtes mit einem militärischen Laser ein deutsches Aufklärungsflugzeug anvisiert und dabei geblendet haben. Der Vorfall ereignete sich am zweiten Juli über dem Roten Meer. Das Flugzeug wurde dort im Rahmen der europäischen Mission „Aspides“ zu einem Aufklärungsflug eingesetzt. Bei dem Flugzeug handelt es sich um eine sogenannte Multi-Sensor-Plattform (MSP), die als „fliegendes Auge“ der Mission zur weiträumigen Aufklärung dient.
Laut Informationen des Spiegels soll es sich speziell um das Modell Beechcraft King Air 350 gehandelt haben. Die Maschine wird von einem zivilen Dienstleister betrieben, jedoch waren auch Bundeswehrsoldaten an dem Einsatz beteiligt. Ein Sprecher des Bundesministeriums für Verteidigung erklärte, der Vorfall sei „ohne Grund und vorherige Kontaktaufnahme“ erfolgt. Die dadurch ausgelöste „Gefährdung von deutschem Personal und Störung des Einsatzes“ seien laut Auswärtigen Amtes „vollkommen inakzeptabel“.

Die Sprecherin des chinesischen Außenministeriums bestritt die deutschen Vorwürfe: Sie würden nicht den Tatsachen entsprechen. Des Weiteren ordnete die Sprecherin den Lasereinsatz als Missverständnis ein. „Beide Länder sollten eine pragmatische Haltung einnehmen, die Kommunikation rechtzeitig verstärken und Missverständnisse und Fehleinschätzungen vermeiden“, äußerte sich die Sprecherin in Peking.
Hintergrund des Vorfalls
Missverständnis oder gezielter Angriff, beides wäre vor dem Hintergrund komplexer maritimer Operationen im Roten Meer möglich. Die EU-Mission „Aspides“ verfolgt das Ziel, die zivile Schifffahrt auf einer der wichtigsten globalen Handelsrouten vor Angriffen und Störaktionen der Huthi-Miliz aus dem Jemen zu schützen. Gleichzeitig hat auch China seine militärische Präsenz in der Region massiv verstärkt. Offiziell agieren chinesische Kriegsschiffe ebenfalls zum Schutz von Handelsschiffen. Peking verfolgt jedoch weitreichendere strategische Interessen und sichert mit seiner Militärbasis in Dschibuti nicht nur die eigenen Handelsrouten, sondern unterstreicht auch seinen wachsenden geopolitischen Anspruch am Horn von Afrika.

Teil einer größeren Strategie
Doch trotzdem bleiben Zweifel an der chinesischen Darstellung eines unglücklichen Missverständnisses. Denn der Vorfall ist kein isoliertes Ereignis, sondern Teil eines wachsenden Musters. In den vergangenen Jahren haben diverse Nationen, darunter die USA, Australien und die Philippinen, ähnliche Beschwerden über das Vorgehen chinesischer Kräfte gemeldet. Die Ziele waren dabei unterschiedlich und reichten von Patrouillenflugzeugen im internationalen Luftraum bis zu Schiffen der Küstenwache bei Versorgungsfahrten. Das chinesische Vorgehen folgt dabei einem bestimmten Muster: Anstelle Waffen einzusetzen, werden Laser genutzt, um ausländische Aufklärungs- oder Überwachungsaktivitäten zu stören und die Besatzungen zur Umkehr zu bewegen.
Das OSINT Analysemedium „ALCON Intelligence“ sieht darin eine chinesische Grauzonentaktik, um Grenzen auszutesten, Missfallen zu signalisieren und die eigene Präsenz zu festigen. Diese Form der taktischen Behinderung dient der Verfolgung strategischer Ziele. Laut „ALCON Intelligence“ gelten solche Aktionen als aufschlussreich, da sie die Risikobereitschaft und die Absichten eines Staates offenlegen. Die Analyse dieser niederschwelligen Konfrontationen ist daher ein wichtiger Bestandteil der nachrichtendienstlichen Lagebewertung.
Staatliche Akteure, darunter zunehmend russische und chinesische, agieren innerhalb sogenannter „Grauzonen“, um ihre strategischen Ziele zu erreichen, ohne eine direkte militärische Konfrontation zu riskieren. Die feindseligen Maßnahmen innerhalb des Grauzonenbereichs sind oft abstreitbar, unterschwellig und multidimensional. Sie umfassen unter anderem verdeckte Operationen, Sabotage oder den Einsatz paramilitärischer Milizen.
Jannis Düngemann












