Deutschland diskutiert über die Wiedereinführung der Wehrpflicht. Finnlands Botschafter Kai Sauer erklärt im Interview, warum Wehrbereitschaft in seiner Heimat geschätzt wird und was Deutschland vom finnischen Modell lernen kann – von der Ausbildung bis zur gesellschaftlichen Akzeptanz des Wehrdienstes.

Oppelz: Finnland hat ein etabliertes Wehrpflichtsystem. Wie funktioniert es?

Sauer: Die Wehrpflicht ist eine kosteneffiziente Art, eine große und einsatzfähige Reserve zu schaffen. Dank der leistungsfähigen Truppen und der umfangreichen Reserve, die die finnische Wehrpflicht hervorbringt, können wir eine glaubwürdige und prophylaktische Abschreckung gegen mögliche Anwendung militärischer Gewalt gewährleisten und bei Bedarf ganz Finnland verteidigen. Die Wehrpflicht betrifft Männer im Alter zwischen 18 und 60 Jahren. Während des Wehrdienstes bekommen die Wehrpflichtigen und die Freiwilligen eine hochklassige Soldatenausbildung. Der Wehrpflichtige wird nach Beendigung seines Wehrdienstes in die Reserve versetzt.

Der finnische Botschafter in Deutschland, Kai Sauer, im Gespräch mit Barbara Oppelt
Foto: Finnische Botschaft

Oppelz: Neben der Wehrpflicht gibt es den Zivildienst. Welche Alternativen haben Wehrpflichtige?

Sauer: Aus religiösen oder weltanschaulichen Gründen kann der Wehrpflichtige den