Am 16. Januar gab die südkoreanische Regierung grünes Licht für die Entwicklung eines neuen Boden-Luft Raketensystems mit hoher Reichweite, wie u.a. die südkoreanische Zeitung „Korean Herald“ berichtete. Dieses Long-Range Surface to Air Missile System (L-SAM) soll in der Lage sein, feindliche Ziele in einer Höhe von 40-60 Kilometern abzufangen. Die Produktionskosten sollen sich auf umgerechnet etwa 1,1 Milliarden Euro belaufen.

Ein Sprecher der südkoreanischen Defense Acquisition Program Administration (DAPA), äußerte sich zum geplanten Einsatz der Systeme folgendermaßen: „Das Projekt soll in einem mehrschichtigen Luftverteidigungssystem arbeiten, das neben den amerikanischen Luftabwehrsystemen Patriot Advanced Capability-3 und M-SAM II eine Reaktion in verschiedenen Höhen ermöglicht.“

L-SAM
Der Raketenwerfer des L-SAMs kann mit zwei unterschiedlichen Raketentypen ausgestattet werden (Südkoreanisches MoD)

L-SAM Fähigkeiten

Die Entwicklungsphase des Systems, die seit 2015 andauerte, wurde im November letzten Jahres abgeschlossen. Es wurde als Verteidigungskapazität gegen nordkoreanische ballistische Raketen wie beispielsweise der KN-23 und KN 24 geplant. Das südkoreanische L-SAM arbeitet mit Infrarot-Bildsensoren, einem Divert and Attitude Control System (DACS) und Hit-to-kill-Technologie. Bei Tests konnte das neue Waffensystem, an dem unter anderem auch Hanwha Aerospace mitwirkte, mehrere erfolgreiche sogenannte „Interceptions“ von ballistischen Flugkörpern vorweisen.

Der Raketenwerfer kann mit zwei Arten von Raketen ausgestattet werden: ballistische Raketen zum Abfangen von ballistischen Kurz- und Mittelstreckenraketen mit einer Geschwindigkeit von bis zu 3000 m/s (Mach 8,82) und Raketen mit einer Geschwindigkeit von bis zu 700 m/s (Mach 2,06) zum Abfangen von langsameren Luftzielen wie beispielsweise Flugzeugen.

Das System verfügt außerdem über ein Radar mit aktiver Phased-Array-Antenne (S-Band), das die gleichzeitige Verfolgung von 20 Flugzeugen oder 10 ballistischen Flugkörpern ermöglicht. Die maximale Verfolgungsleistung beträgt bis zu 100 Flugzeuge und 10 ballistische Ziele.

Südkoreas Sicherheitslage

Moderne Raketenabwehr ist ein langfristiges Ziel der südkoreanischen militärischen Fähigkeiten. Das Land befindet sich seit Ende des Koreakrieges (1950 bis 1953) in einem eingefrorenen Konflikt mit dem Nachbarn Nordkorea. Nach zeitweiser Annährung, der im Koreakrieg voneinander abgespaltenen Nationen, verschärfte sich die Situation in den letzten Jahren wieder. Andauernde Provokationen beider Seiten führten zu Spannungen und Nordkoreas autokratischer Führer Kim Jong Un ließ regelmäßig Raketentest über dem Japanischen Meer in der Nähe von Südkorea stattfinden. ES&T berichtete.

Südkoreas L-SAM wird vermutlich nicht in der Lage sein, fortgeschrittene Hyperschallwaffen abzufangen. In einem potenziellen Konflikt wird sich Nordkorea jedoch größtenteils auf konventionelle ballistische Flugkörper stützen, da das international isolierte Land technologisch zurückliegt. Um trotzdem möglichen weiter entwickelten nordkoreanischen Fähigkeiten in zu begegnen, wurde parallel zum Produktionsstart des L-SAM Systems der Beginn der Entwicklung eines fortgeschritteneren L-SAM II durch Südkorea bestätigt.

jd