Die Swedish Defence Materiel Administration (SDMA) hat am 19. November in Kaiserslautern am Standort des Herstellers General Dynamics European Land Systems (GDELS) – Bridge Systems das erste amphibische Brücken- und Fährsystem M3 übernommen. Wie das Unternehmen mitgeteilt hat, ist die übergebene Amphibie M3 Teil des ersten Beschaffungsloses für das skandinavische Land.

Seit Juni 2022 hat Schweden in vier Losen eine zweistellige Anzahl von Amphibien M3 bestellt (ESuT berichtete hier, hier und hier), mit denen insgesamt bis zu 400 Meter breite nasse Hindernisse (wide wet gaps) überwunden werden können.

In der Bildmontage ist vorn eine Amphibie M3, die Wasser verlässt und hinten eine aus Amphibien aufgebaute Fähre zu sehen. (Foto: GDELS)

Mit der Auslieferung aller vier beauftragten Lose wird Schweden GDELS zufolge zu einem der drei großen M3-Nutzer der NATO neben Deutschland und Großbritannien. Die M3 lassen sich mittels Kuppeladaptern außerdem zusammen mit den Pontonbrückensystemen IRB (Improved Ribbon Bridge) und SRB (Standard Ribbon Bridge) einsetzen. Neben Schweden seien weitere Staaten wie die USA, Kanada, Deutschland, die Niederlande, Australien, Brasilien und Südkorea mit diesen Systemen ausgerüstet. Die umfangreiche Nachrüstung des jüngsten NATO-Mitglieds mit voll interoperablem Brückengerät bedeute somit einen erheblichen Zuwachs an Pionierfähigkeiten für das Bündnis.

Nach Angabe von GDELS ist das amphibische Brücken- und Fährsystem M3 das schnellste Übersetzmittel der NATO. Es könne als Schwimmbrücke oder im Fährbetrieb zum Übersetzen selbst der schwersten Kampfpanzer eingesetzt werden und auch breite Gewässerhindernisse überwinden. Die geländegängige M3 könne im Landmarsch an das Gewässer herangeführt werden und sei innerhalb von Minuten einsatzbereit – ein entscheidender Faktor auf dem modernen gläsernen Gefechtsfeld. Das System hat sich in der Nutzung unter unterschiedlichsten klimatischen und topographischen Bedingungen von den Tropen bis zur Arktis bewährt.

Das amphibische Brücken- und Fährenfahrzeug M3 ist ein geländegängiges 4×4-Radfahrzeug mit integrierten Brückenelementen. Damit können Fähren oder Schwimmbrücken mit Traglasten bis MLC 85 (Kette) oder MLC 130 (Rad) hergestellt und betrieben werden. Laut GDELS dauert der Bau einer 100 Meter langen Brücke rund zehn Minuten.

Eine aus zwei Amphibien M3 gebaute Fähre im Wintereinsatz. (Foto: FMV)

Mit Amphibien M3 haben deutsche und britische Pioniere 2016 bei der NATO-Übung Anakonda mit einem Brückenschlag über 357 Meter über die Weichsel einen Weltrekord aufgestellt. In nur 35 Minuten wurde die Brücke aus 30 Fahrzeugen geschlagen. Auch bei NATO-Übung Dragon 24 im April 2024 erfolgte südlich Danzig ein Brückenschlag über die dort 302 Meter breite Weichsel mit Pionieren aus vier NATO-Ländern.

Redaktion / gwh