Oliver Burkhard, Mitglied des Vorstands der thyssenkrupp AG und CEO von thyssenkrupp Marine Systems, gab am 22. Oktober auf LinkedIn bekannt, dass Carlyle den Bewertungsprozess für einen möglichen Teilverkauf der Marinesparte nicht weiterverfolgen wird. Aus Gründen der Vertraulichkeit wird zu den Hintergründen nicht weiter ausgeführt. Burkhard stellte klar, dass Carlyles Ausstieg aus dem Bieterprozess nicht betriebswirtschaftlich begründet sei und nicht im Zusammenhang mit der Qualität oder finanziellen Leistungsfähigkeit des Unternehmens stehe.
Das Handelsblatt und andere Wirtschaftsnachrichtenmedien berichten, dass Bedenken der Bundesregierung ursächlich seien. Berichten zufolge führten die Interessenbekundungen anderer Bieter sowie die Verzögerung der Entscheidung über eine staatliche Beteiligung dazu, dass Carlyle sein Engagement für tkMS aufgab. In früheren Äußerungen von Vertretern der Bundesregierung wurde das Interesse des Bundes an einer Beteiligung bei der Marinesparte von thyssenkrupp bestätigt. Im Raum stand eine Beteiligung in Höhe von 20 Prozent oder mehr.
Zu den anderen Interessenten könnte NVL, Naval Vessels Lürssen, aus der Lürssen-Gruppe gehören. Oliver Burkhard und Friedrich Lürßen, Gesellschafter der NVL-Unternehmensgruppe, nutzten die SMM 2024, die führende Messe der maritimen Branche, um eine Zusammenarbeitsvereinbarung über den Bau der zukünftigen Fregattenklasse der Deutschen Marine F127 zu unterzeichnen.

Oliver Burkhard zufolge hält tkMS nach dem Ausstieg von Carlyle weiter Kurs auf „Road2Independence“, also auf dem Weg zur Loslösung bzw. Verselbständigung von Marine Systems“. Er betonte: „Die Gespräche mit der Bundesregierung zur Beteiligung des Staates an unserem Marinegeschäft sind nicht abgeschlossen. Und parallel dazu laufen auch unverändert intensive Sondierungen und Prüfungen weiterer werthaltiger Möglichkeiten. Diese beinhalten industrielle Partnerschaften und/oder Kapitalmarkt-Varianten.“
Die Abspaltung des Kieler Schiffbauers von seinem Mutterkonzern wird seit 2020 diskutiert. Im Geschäftsbericht der Essener aus dem Herbst 2020 werden „aufgrund der spezifischen Markt- und Branchensituation“ Maßnahmen zur Steigerung der Performance und „mögliche Partnerschaften und Konsolidierungsoptionen“ im Zusammenhang mit Marine Systems angesprochen.
Carlyle Group, eine der größten US-Private-Equity-Gesellschaften, mit Sitz in Washington, D.C., schloss nach eigenen Angaben das Jahr 2023 mit Rekordergebnissen ab. Dazu gehören verwaltete Vermögen in Höhe von 426 Milliarden US-Dollar (394 Milliarden Euro). Carlyle spricht vom drittbesten Fundraising-Jahr in der Geschichte des Unternehmens.

Mit einem umfassenden Leistungsspektrum im Marineschiffbau positioniert sich thyssenkrupp Marine Systems als drittgrößtes deutsches Unternehmen im Verteidigungsbereich. Das Kieler Unternehmen ist gut aufgestellt, was einen Kontrapunkt zu den in der letzten Zeit nicht immer positiven Meldungen über die Essener Konzernmutter darstellt. Damit dies so bleibt, sorgt das Kieler Unternehmen sozusagen intrinsisch. Doch was die Chancen betrifft, insbesondere beim Export und in der Positionierung im Zuge einer etwaigen europaweiten Werftenkonsolidierung, liegt ein gutes Stück der Verantwortung bei den Entscheidungsträgern in Berlin.
Hier scheint sich Geschichte zu wiederholen. 2002 begann die Bundesregierung die Beteiligung eines anderen US Private-Equity Unternehmens, One Equity Partners (OEP), bei der Kieler HDW rückgängig zu machen. In der Folge gab thyssenkrupp den Impuls zur Fusion der ehemaligen Hohwaldtswerke-Deutsche Werft (HDW) in Kiel, HDW-Nobiskrug in Rendsburg, Blohm+Voss sowie Blohm+Voss Repair in Hamburg, den Nordseewerken in Emden sowie der schwedischen Kockums und der griechischen Hellenic Shipyards. In der wechselvollen Zeit seit der Gründung von thyssenkrupp Marine Systems im Jahre 2005 wurden Werften umstrukturiert und wechselten die Besitzer.
Hans-Uwe Mergener















