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Der erste Tag der Eurosatory ist der Tag spektakulärer Neuvorstellungen. Rheinmetall hat die jüngste Entwicklungsstufe des 2022 erstmals gezeigten Kampfpanzers Panther dem Fachpublikum aus Soldaten, Planern und Panzerexperten vorgestellt. Bei herrlichem Sonnenwetter glänzte der Demonstrator mit neuen Leistungswerten.

Bedeutendstes Merkmal der Neuvorstellung ist der unbemannte Turm (Concept unmanned Turret, CUT) mit einer 130 mm/L51-Kanone mit automatischem Lader, nach Rheinmetall Bezeichnung „Future Gun System“. Die bereits ausführlich getestete Kanone soll nach Rheinmetall-Angaben rund 50 Prozent mehr Leistung bringen als die 120 mm-Kanone in herkömmlichen Panzern. Der gesamte Munitionsvorrat von 25 Schuss ist im Turmheck in zwei Magazinen gelagert und wird von dort in die Kanone geladen. Neben einem koaxialen schweren Maschinengewehr (cal .50) verfügt der Kommandant über eine fernbedienbare Waffenstation, die der Hauptoptik nachgeführt wird (Main Sensor Slaved Armament, MSSA). Sie ist bestückt mit einem Rheinmetall-Maschinengewehr RMG762 mit einem Kaliber von 7,62 mm und drei Rohren. Bei der Waffe kann ein heißgeschossenes Rohr ferngesteuert ausgetauscht werden. In dieser Konfiguration kann die Station auch gegen unbemannte Flugobjekte eingesetzt werden. Zudem ist in die Waffenstation eine Nebelmittelwurfanlage integriert.

Im elektrisch gerichteten Turm sind die Feuerleitanlage, Anteile der Vernetzung- und Fernmeldeausstattung und weitere Teile der Sensorik untergebracht, darunter ein Wettersensor. Das Situational Awareness System sorgt für ein überlegenes Lagebewusstsein.

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Panther KF 51 CUT mit unbemanntem Turm und 130 mm Kanone (Foto: Gerhard Heiming)

Kommandant und Richtschütze sind ebenso wie der Militärkraftfahrer geschützt  in der Wanne untergebracht. Den Feuerkampf führen Kommandant und Richtschütze über eigene tag- und nachtsichtfähige Optiken mit Laserentfernungsmessern. Der Richtschütze nutzt eine moderne SEOSS 400-Optik. Diese ist auch in der MSSA-Waffenstation des Kommandanten eingerüstet. Damit können sowohl Hunter-Killer- als auch über eine Killer-Killer-Fähigkeit realisiert werden. Integrierte Aufklärungsdrohnen tragen zum Lagebild bei.

Den bekannten passiven Schutz hat Rheinmetall durch ein aktive Soft-Kill- und ein Hard-Kill-System ergänzt. Als aktives Hard-Kill-System kommt Iron Fist von IMI zum Einsatz. Als Soft-Kill-Systeme sind das MUSS-System (Multifunctional Self-Protection System) von Hensoldt und das Schnellnebelsystem ROSY implementiert.

Mit den Technologievorteilen, die Rheinmetall in dem Konzeptdemonstrator integriert hat, werden die Lehren aus den jüngsten und noch andauernden Konflikten in einem unbemannten Turm umgesetzt, die dem Nutzer auf dem Gefechtsfeld einen unübertroffenen taktischen Vorteil verschaffen.

Interoperabilität war eine Leitlinie in der Entwicklung, die dazu geführt hat, dass der Turm nahtlos in verschiedene bereits eingeführte Kampfpanzerplattformen integriert werden kann. Dies gewährleiste die Verbesserung der Gesamtfähigkeiten der Streitkräfte, ohne dass umfangreiche Aktualisierungen der bereits bestehenden Fahrgestellflotten oder der Infrastruktur für Wartung, Reparatur und Überholung erforderlich seien, erläuterte Björn Bernhard, CEO der Rheinmetall Landsysteme. Kurz gesagt, der unbemannte Turm kombiniert die Option des sofortigen Ersatzes mit dem großen Technologiesprung für die bestehende Flotte, so Bernhard weiter.

Der Panther KF 51 CUT setzt in der Entwicklung auf, auf dem Panther KF 51, den Rheinmetall vor zwei Jahren bei der Eurosatory vorgestellt hat (ESuT berichtete), allerdings mit bemanntem Turm. Die Idee war, einen Panzer zu haben, der die sich abzeichnende Fähigkeitslücke in der Duellfähigkeit überbrücken könne und einen Weg zum MGCS weisen sollte. Dieser Panzer wird jetzt – allerdings mit 120 mm Kanone – für den potentiellen Erstkunden Ungarn zur Serienreife entwickelt (ESuT berichtete).

Mit dem Panther KF 51 CUT wird der Wettstreit zwischen den beiden Panzerbauern aus Deutschland, KNDS Deutschland und Rheinmetall, fortgesetzt. KNDS hatte am Vormittag den Leopard 2 A-RC 3.0 mit unbemanntem Turm und einer Kanone im Kaliber 120 mm und wahlweise bis 140 mm vorgestellt (ESuT berichtete). Dem hat Rheinmetall den Panther mit unbemanntem Turm und 130 mm Kanone entgegengesetzt. Zielrichtung beider Unternehmen ist die Überbrückung der Fähigkeitslücke einerseits und das Angebot einer Basistechnologie für das Main Ground Combat System, für das die Vergabe für den Bau von Teildemonstratoren nach Auswahl der Technologien ansteht.

Gerhard Heiming