Wie das belgische Verteidigungsministerium diese Woche berichtet, hat am Dienstag vor acht Tagen im Rahmen der belgischen EU-Ratspräsidentschaft ein Seminar zur Intensivierung der militärischen Zusammenarbeit zwischen der Europäischen Union und afrikanischen Staaten stattgefunden. Verwiesen wurde dabei beispielsweise auf Westafrika, wo innerhalb der vergangenen vier Jahre mehrere Staatsstreiche stattgefunden haben. Man denke hier an Burkina Faso, Mali, Niger und den Tschad.

Diese Entwicklung sei von verschiedenen auswärtigen Akteuren ausgenutzt worden. Genannt werden hierbei Russland, China und die Türkei, die durchaus verschiedene Interessen verfolgten. Während China eher ökonomische Interessen habe, dominierten bei Russland die politischen Ziele.

Die Teilnehmer des Afrika-Seminars in Brüssel hören interessiert zu. (Foto: DG StratCom, Lucia Gaggero)

Gerade deshalb müsse die EU in Afrika engagiert bleiben. Neben den diplomatischen und demographischen Herausforderungen – verwiesen wird dabei indirekt auf die Migrationsproblematik – gebe es auch wirtschaftliche Herausforderungen. Schließlich kommen 30 Prozent der von Europa importierten Rohstoffe aus dem südlichen Nachbarkontinent.

In diesem Seminar sind verschiedene Militäreinsätze der EU und von Einzelstaaten ausgewertet worden. Daraus wurde abgeleitet, dass Missionsziele deutlicher definiert werden müssten, und zwar sowohl auf militärischer als auch auf politischer Ebene. Dabei sollten die verschiedenen Militäreinsätze mehr von Koordination als von Konkurrenz geprägt sein. Die Zeit der Ausbildung afrikanischer Soldaten sei weitgehend Geschichte. Gefordert seien jetzt Partnerschaft und militärische Unterstützung.

Malische Soldaten zeigen sich dank der Unterstützung durch russische Wagner-Söldner siegessicher.
(Foto: Forces Armées Maliennes)

Seminarhintergrund

„Die Kontinente einander annähern, Allianzen schmieden: die militärische Zusammenarbeit zwischen der Europäischen Union und den afrikanischen Staaten stärken im Rahmen weltweiter Konkurrenz“, so lautete der Titel der Tagung. Veranstaltet wurde sie von Egmont – Königliches Institut für Internationale Beziehungen, dem Institut Royal Supérieur de Défense (IRSD) des Verteidigungsministeriums und dem darin angegliederten Centre d’Études de Sécurité et Défense (CESD) – alle drei in Brüssel beheimatet.

Dr. Gerd Portugall