Die Modernisierung der Führungsmittel bei Landstreitkräften wird im Programm „Digitalisierung Landbasierte Operationen“ (D-LBO) umgesetzt. Zur Systemkonzeption und der Technik bei D-LBO wurde bereits umfangreich berichtet, ebenso wurden die durch die Digitalisierung erwarteten Mehrwerte und Modernisierungssprünge vorgestellt. Dieser Artikel beschreibt die aus der Realisierungsphase erwarteten Ergebnisse für die Streitkräftebasis (SKB) und erläutert die bevorstehende Integration der Systeme sowie die Umrüstphase der Plattformen.

Alle militärischen Organisationsbereiche, angefangen beim Heer über die „Enabler“ der Streitkräftebasis (SKB), des Zentralen Sanitätsdienstes der Bundeswehr und des Cyber- und Informationsraums sowie die Luftwaffe und die Marine sind im Programm D-LBO vereint. Das Programm D-LBO bedeutet eine dringend erforderliche Modernisierung der Führungsfähigkeit der deutschen Streitkräfte in Landoperationen. Hierzu stellt das Vorhaben D-LBO Führungsmittel und IT-Dienstleistungen bereit, die die Streitkräfte zur vernetzten Operationsführung (NetOpFü) im mobilen taktischen Bereich befähigen werden (Abb. 1). Konsequent vernetzen die Führungsmittel das Gefechtsfeld vollständig von der untersten taktischen Ebene beim abgesetzten Soldaten über alle operationellen Akteure bis zur Ebene der verlegefähigen Gefechtsstände, damit alle Kräfte in Landoperationen nahtlos interoperabel zusammenwirken können. Eine besondere Herausforderung stellt hierbei neben der technischen und systemischen Komplexität der hohe quantitative Umfang des Vorhabens dar. Den Nachweis der Funktionsfähigkeit des Gesamtsystems erbringt zunächst ein verstärkter Kampfverband in Bataillonsstärke unter Beteiligung der SKB als erstes Kräftedispositiv mit sämtlichen Komponenten D-LBO. Dies stellt die „Blaupause“ für zukünftig neu zulaufende Plattformen der Bundeswehr dar. Parallel wird im Zuge der Refokussierung der Bundeswehr auf Landes- und Bündnisverteidigung (LV/BV) die von Deutschland für die NATO Response Force (NRF) bereitzustellende Division 2025 mit einer Standardvariante „D-LBO basic“ unter dem Namen „Kräftedispositiv Division 2027“ ausgestattet. Insgesamt stellen die Enabler einen Anteil von zirka einem Drittel der Gesamtkräfte, die auf Initiative der SKB durch das Planungsamt der Bundeswehr streitkräftegemeinsam in einer operationellen Architektur für die Division definiert und zahlenmäßig erfasst wurden. Für die Kräfte der SKB in der Division 2025 gelingt somit eine Ausstattung aller modernen Plattformen mit D-LBO und sichert die zukünftige Interoperabilität innerhalb der Verbände sowie mit allen anderen Kräften in Landoperationen.
Kern der Systemarchitektur für Führungsmittel
Die „Blaupause“, das Gesamtsystem D-LBO, wird einerseits gebildet aus den Übertragungsmitteln, einer Mischung aus Funkgeräten, Satellitenübertragung sowie Mobilfunknetz, und andererseits den IT-Diensten mit dazugehörigen Anwendungen. Den Kern der Systemarchitektur bildet hierbei die Zentralkomponente „TacticalCore“ (die „verbindende Netzwerklogik“) mit den umliegenden Diensten für Infrastruktur, Plattformen und Anwendungen. Durch die einheitliche Leitfunktion des Programms entsteht eine gemeinsame Systemkonzeption und Architektur, die die bei allen Plattformtypen und Projektelementen notwendigen einenden Festlegungen vorgibt. Paradebeispiel hierfür ist der „Standardisierte Rüstsatzträger Bundeswehr“ (StaRSBw), der mit einer „Technischen Lieferbedingung“ (TL) für Plattformvergaben die modulare Integration von Führungsmitteln regelt. Somit erfolgt die Integration von D-LBO in Plattformen als einmalige und identische Serienaufgabe des Einbaurahmens und erlaubt eine nach Einsatzzweck angepasste Ausstattung (Abb. 2). Dies verspricht Einspareffekte bei gleichzeitigem Fähigkeitsmix sowie eine einfache Austauschbarkeit und Modernisierbarkeit der Führungsmittel über den gesamten Lebenszyklus der Plattform ohne erneute Notwendigkeit für Umbau- oder Anpassmaßnahmen. Konsequenterweise werden alle zukünftig zu beschaffenden Plattformen bereits mit dem StaRSBw -Einbaurahmen serienmäßig vorgerüstet.

Um die „Blaupause“ auf Plattformen zu integrieren, sind jedoch umfassende Umbaumaßnahmen notwendig. Dieser Anteil ist im KD1 gebündelt und sehr aufwändig. Es erfordert für alle Plattformen eine Musterintegration und Umrüstung in der Industrie. Auf Anwendungsebene übernimmt D-LBO die als Sofortmaßnahme für die VJTF 2023 ausgewählte marktverfügbare Applikation „Battlefield Management System“ (BMS) und definiert diesen Teil innerhalb des „Mission Enabling Service Bw“ (MESBw). Parallel zur Finalisierung der Systemfunktionalität von MESBw erfolgt die Integration und Umrüstung der Plattformen, die nicht nur für die Truppe im Einsatz von besonderer Bedeutung sind, sondern auch den Projekterfolg des Gesamtsystems bedingen. Gerade für den mobilen Einsatz, im Gelände und unter Stress, sind unter dem Stichwort „Usability“ umfangreiche Anstrengungen zu bündeln, die nur durch die Mitwirkung des Nutzers erfolgreich abgeschlossen werden können (Abb. 3).
Komprimiertes Verfahren für die Division 2025
Um schneller und mehr Plattformen für die Division 2025 zu generieren, wurde eine abgespeckte Variante „D-LBO basic“ entwickelt. Anders als die „Blaupause“ beinhaltet „D-LBO basic“ nur die essenziellen Komponenten wie Funksystem, Netzwerk und Client unter Verzicht auf umfassende Redundanz bei Funkgeräten, Vernetzung oder Mobilgeräten. Trotz geringer Anpassungen müssen die Maßnahmen bei jeder Plattform durch eine Musterintegration abgestimmt und überprüft werden. Hier sind die funktionalen, ergonomischen und sicherheitstechnischen Forderungen und technischen Regelungen zu erfüllen. Im Rüstungsprozess wird dies im Regelfall in einer umfangreichen Technisch-Logistischen Einsatzprüfung bei der Technischen Schule des Heeres mit detaillierten und zahlreichen Tests, deren Nachweisführung sowie Abnahme durch amtlich anerkannte Sachverständige Bw (aaSBw) im Rahmen einer Elektromagnetischen Verträglichkeitsuntersuchung, der Ergebnisdokumentation und umfangreicher Berichterstattung umgesetzt. Mit Zeichnung durch den Güteprüfer kann abschließend die Genehmigung zur Nutzung vom Projektleiter ausgesprochen werden und die Serienintegration der Plattformen beginnen.

Für die Division 2025 und den engen Zeitrahmen käme dieser sequenzielle Ablauf zu spät. Weil jedoch nur geringe Anpassungen bei bereits getesteten und eingeführten Plattformen erforderlich sind sowie auch nur einzelne Komponenten betreffen (insbesondere das Funkgerät und die Antennen, die getauscht werden müssen), kann die „Technisch-Logistische Bewertung“ in einem komprimierten Verfahren erfolgen. Alle notwendigen Dokumente werden wie bei der Technisch-Logistischen Einsatzprüfung erfasst, überprüft und angepasst. Dies erfolgt bereits parallel während der Musterintegration, so dass die Überprüfung der vollständigen Dokumentation mit Beendigung der Musterintegration abgeschlossen und die Genehmigung zur Nutzung erteilbar ist (Abb. 4). Damit kann der Umbau der Plattformen in Serie verzugslos fortgesetzt werden und zügig in der Truppe ablaufen. Aus den Erfahrungen der Umrüstung der für die VJTF 2023 vorgesehenen Plattformen wurde für die anstehenden Umrüstungen beim ersten Kräftedispositiv und „D-LBO basic“ auf Sonderverfahren verzichtet und der Standardprozess „Änderung Wehrmaterial“ in SASPF ausgewählt. Insbesondere die Datenhaltung und -pflege der Plattformen in SASPF sowie die nahtlose Überführung in die Nutzung versprechen einen wesentlichen Zeitvorteil, weil hier auf die eingespielten, in der Truppe auch mit Rollenträgern versehenen, Prozesse zurückgegriffen wird. Die Umrüstung schließt mit einer mechanischen und elektrischen Verifikation als Funktionsprüfung ab und überführt das D-LBO-System in die Softwareverwaltung und den Betrieb von D-LBO.
Softwareupdates an der „IT-Tankstelle“
Nach der Umrüstung des Materials sind weitere Schritte im Rahmen der Einführung zu stemmen. Hierzu zählen die Erstausbildung sowie die Etablierung der Regenerationsausbildung, Vorbereitung des Personals, Anpassung der Arbeitsabläufe, Aufbau der Betriebsorganisation für die IT-Systeme, Anpassungen an die Lager- und Betriebsinfrastruktur in den Standorten sowie eine Vielzahl weiterer Maßnahmen. Gerade das Beispiel der für den Betrieb erforderlichen Infrastruktur an jedem D-LBO-Standort macht die Tragweite deutlich: Erforderliche regelmäßige Softwareupdates bedingen den Aufbau einer eigenständigen IT-Infrastruktur, augenzwinkernd „IT-Tankstelle“ genannt, in erheblichem Umfang in den technischen Bereichen. Damit soll der Administrator im Verband davon entlastet werden, mit einem Speichermedium von Plattform zu Plattform zu gehen und die Updates händisch aufspielen zu müssen. Nach Jahren der „Turnschuhadministration“ sollen die Plattformen rotierend über Nacht in der IT-Tankstelle an das Updatenetzwerk angeschlossen und automatisiert auf den aktuellen Stand gebracht werden. Dies ist nicht nur ein Modernisierungsschritt und Sicherheitsvorteil, der Personal und Zeit spart, sondern fördert die Attraktivität der Bundeswehr als moderner Arbeitgeber. Das Ziel aller Maßnahmen ist und bleibt die Konzentration des Soldaten auf seinen Auftrag und das Führen im Gefecht. Das D-LBO-System soll dabei unterstützen, den Nutzer entlasten und nicht Selbstzweck werden.

Das Programm D-LBO stellt nicht nur auf der konzeptionellen, technischen und programmatischen Seite eine anspruchsvolle Aufgabe dar. Die Einführung in die Organisationsbereiche betrifft die gesamte Bundeswehr und die großen Stückzahlen erzeugen besondere Herausforderungen. Dieser erste Schritt zur Digitalisierung ist unverzichtbar. Die Einführung wird zunächst alle Truppenteile in starkem Maße beanspruchen. Die modernen Führungsmittel versprechen aber nach erfolgter Einrüstung auch Entlastung und Leistungsvorteile. Die Größe der Aufgabe bedingt, dass anfangs nicht alle Schritte gleichzeitig abgeschlossen werden können. Abhilfe verspricht die Modernisierungsfähigkeit von D-LBO, mit der laufend Verbesserungen und Korrekturen in das System einfließen können. Hierzu können mit der oben dargestellten „Technisch-Logistischen Bewertung“ innerhalb der Musterintegration als komprimiertem Prüfansatz geringfügige Anpassungen und Updates an der Hardware in einem effizienten Änderungsmanagementprozess integriert werden. Dieses Änderungsmanagement hat das Potenzial, sich als Hardware-Pendant für die schon heute gängigen Software-Qualitätssicherungsprozesse zu etablieren und mit der Änderungsgeschwindigkeit bei Software Schritt halten zu können.
Der Autor Stabshauptmann Jörg Domschat ist in der Streitkräftebasis Bevollmächtigter Vertreter des Inspekteurs SKB für verschiedene Vorhaben aus dem Bereich der Führungsunterstützung.










