Die British Army wird für ihr Mobile Fires Program die Radhaubitze RCH155 auf dem Fahrmodul Boxer beschaffen. Bei ihrem Treffen am 24. April haben der britische Premierminister Rishi Sunak und Bundeskanzler Olaf Scholz vereinbart, dass Deutschland und das Vereinigte Königreich die Radhaubitze Remote Controlled Howitzer 155mm (RCH 155) gemeinsam erwerben, bewerten und optimieren. „Hierbei werden wir auf unserer bestehenden umfassenden Zusammenarbeit aufbauen, einschließlich der fortgesetzten Kooperation beim Boxer, den wir weiterentwickeln werden“, schreibt die Bundesregierung in einem Ergebnisvermerk.
Auf der Informationsplattform X ergänzte das britische Verteidigungsministerium: „Die @Britisharmy beschafft die Boxer-basierte RCH155 als dauerhafte mobile Feuerplattform. Das Artilleriesystem wird in Großbritannien und Deutschland gebaut werden und Hunderte von Arbeitsplätzen im ganzen Land sichern.“ Verteidigungsminister James Cartlidge habe das Artilleriegeschütz kürzlich in Aktion erlebt.
Großbritannien hat 2019 und 2022 insgesamt 623 Boxer in vier Varianten (Infanterietransporter, Führungsfahrzeug, Feldambulanz und Spezialtransporter) bestellt, von denen Nachweisfahrzeuge bei der Truppe in der Erprobung sind. Die Auslieferung der Serienfahrzeuge soll noch in diesem Jahr beginnen.
Das Interesse der British Army richtet aber noch auf weitere Varianten. Hierzu gehören der Bergeboxer mit einem 20-Tonnen-Kran und 22-Tonnen-Winde, der Brückenboxer mit Gefechtsfeldbrücken 14m (MLC 80) und 22 m (MLC 50) und ein Mörserboxer mit einem 120mm-Mörser. Diese Varianten sind weitgehend produktionsreif. Der Abschluss von Beschaffungsverträgen wird zeitnah erwartet.

In der jetzt vereinbarten Variante Radhaubitze RCH 155 ist ein vollautomatisches 155mm/L52 Artilleriegeschütz in einem plattformunabhängigen Geschützturm verbaut. Die auf dem Fahrmodul des Boxer-Fahrzeugs aufgebaute Waffenanlage kann pro Minute bis zu neun Schuss 155mm abfeuern. Einzigartige Besonderheit des Boxer RCH 155 ist die Fähigkeit, während der Fahrt zu schießen, wirkungsvoller Schutz gegen Aufklärung und Beschuss. Die Geschosse können Entfernungen von rund 40 Kilometern erreichen. Mit dem Boxer RCH 155 sollen die rund 30 Jahre alten Panzerhaubitzen AS90 abgelöst werden, von denen die British Army nach Abgabe von 30 Stück an die Ukraine noch 57 Exemplare im Bestand hat.
Der Boxer RCH 155 ist in der Produktion für die Ukraine. Die Auslieferung von 36 bestellten Radhaubitzen soll noch in diesem Jahr beginnen und 2027 abgeschlossen werden. Deutschland hat u.a. für die Ausstattung der Mittleren Kräfte einen Bedarf an rund 160 Artillerieboxern. Die Beschaffung könnte noch in diesem Jahr unter Vertrag genommen werden.
Zusammen mit den von Deutschland geplanten Infanteriekampffahrzeugen auf Boxer-Basis summiert sich der gesamte noch nicht durch Verträge abgedeckte Bedarf auf über 500 Boxer in mindestens fünf Varianten. Wenn sich deren Produktion nicht über endlose Jahre hinziehen soll, muss die Produktionskapazität erheblich ausgebaut werden. Denn die Kapazitäten in Europa sind offenbar ausgelastet. Deshalb ist die Produktion des schweren Waffenträgers Infanterie ausgelagert worden.
Gerhard Heiming






