Anfang der Woche hat sich der Pressesprecher des Pentagon, Generalmajor Patrick „Pat“ S. Ryder (USAF), zur US-Militärpräsenz im westafrikanischen Niger geäußert: „Wir können den Beginn von Gesprächen zwischen den USA und Niger über den ordnungsgemäßen Abzug der US-Truppen aus dem Land bestätigen.“ Auf amerikanischer Seite bestehe die kleine Verhandlungsdelegation aus Angehörigen des Washingtoner Verteidigungsministeriums und des Stuttgarter U.S. Africa Command (AFRICOM). „Was den Abzugstermin betrifft“, sagte General Ryder, „so werden wir nicht spekulieren und den Gesprächen damit auch nicht vorgreifen.“ Weitere Details würden geliefert, sobald diese vorlägen.

Dies bedeute jedoch keineswegs das Ende für den Anti-Terror-Einsatz in Westafrika und in der Sahelzone. „Wir“, so der Pentagon-Sprecher, „nehmen die terroristische Bedrohung weiterhin sehr ernst.“ Zu diesem Zweck würden die US-Streitkräfte weiterhin „mit zuverlässigen Partnern“ zusammenarbeiten, um sich den Gefahren zu stellen, die Staaten und ihre Bewohner in der gesamten Region bedrohten. „Wir prüfen weiterhin alle unsere Optionen, um zu gewährleisten, dass wir beim Anti-Terror-Kampf mit Rat und Tat auch weiterhin die notwendige Unterstützung bieten können“, so Ryder.

Eine startbereite US-Kampfdrohne vom Typ MQ-9A „Reaper“.
Foto: U.S. Air Force, Brian Ferguson

Hintergründe

Die Niger Air Base 201 in der Nähe der zentralnigrischen Stadt Agadez wurde von den Vereinigten Staaten erst im vorigen Jahrzehnt mit rund 100 Millionen US-Dollar finanziert und gebaut, um von dort aus Drohneneinsätze mit der MQ-9A „Reaper“ in der gesamten Sahel-Region fliegen zu können.

Im Juli des vergangenen Jahres putschte dann jedoch das nigrische Militär, woraufhin die USA einen Teil ihres Botschaftspersonals abzogen. Von den „zuverlässigen Partnern“, von denen General Ryder gesprochen hat, sind nicht mehr viele übrig: Nachdem es zuvor bereits in Burkina Faso, Guinea, Mali und Tschad Staatsstreiche gegeben hatte, war Niger der letzte Staat in der Region mit einer demokratisch gewählten Regierung und ein wichtiger Standort für die Bekämpfung des militanten Islamismus. Die Junta von Niamey hat seither die 1.500 französischen Soldaten aus dem Land gewiesen. In den nächsten Monaten sollen dann auch die USA ihre mehr als 1.000 Soldaten aus Niger abziehen. Damit wird dem USAFRICOM eine beachtliche Fähigkeitslücke im dortigen Großraum entstehen.

Das Radar-, Flugfeld- und Wettersystemteam der 409. Air Expeditionary Group ersetzt auf dem Luftwaffenstützpunkt Nr. 201 in Niger Fenster eines mobilen Kontrollturms vom Typ MSN-7.
Foto: U.S. Air Force, Rose Gudex

Wichtigstes Exportgut des Sahellandes ist das nördlich von Agadez abgebaute Uran. Niger ist der größte afrikanische Uranproduzent und der fünftgrößte weltweit. Es liefert allein 40 Prozent des Uranbedarfs Frankreichs. Mittlerweile meldet auch die Volksrepublik China verstärkt Interesse an den nigrischen Uranvorkommen an. Die nigrische Militärjunta sucht außerdem die Nähe zu Russland. Erst vor wenigen Tagen landeten rund 100 russische Soldaten sowie Militärmaterial mit einer Transportmaschine in der Hauptstadt Niamey.

Dr. Gerd Portugall